Personal Trainer all inclusive
   Es ist die Summe der einzelnen Schritte, die Dich an Dein Ziel bringt.

Willkommen in meinem Trainingstagebuch

Montag, 18.02.19

Liebes Tagebuch,

hinter mir liegt meine „Geburtstags-Woche“. Du ließt richtig, ich feiere nicht nur GeburtsTAG, sondern gleich GeburtsWOCHE. Das macht dann gleich sieben Mal Spaß. Ich plane seit ein paar Monaten ziemlich genau meine Wochenstrukturierung. Sprich, wann trainiere ich was, wann habe ich meine Ruhetage, wann kümmere ich mich um mein Pony, wann mache ich Haushalt, Büro, Personal Trainings und Beratungen und wann arbeite ich in der Apotheke. Und letzte Woche war im Zeichen meines Geburtstages und gefühlt hatte ich dadurch jeden Tag ein Geburtstagsgefühl. Das war großartig! Und das werde ich jetzt versuchen mitzunehmen. Jeden Tag ein klein wenig Geburtstag feiern. Ein bisschen kann man nämlich jeden Tag feiern, dass man lebt und geboren wurde. Find ich zumindest. Man muss ja nicht jeden Tag vollkommen durchdrehen deswegen. Aber dennoch bin ich der Auffassung, dass man jeden Tag wie der irre Hase aus Alice im Wunderland, „Nichtgeburtstag“ feiern kann. 

Meine letzte Woche war trainingstechnisch hart und arbeitstechnisch sehr moderat. Klingt beinahe poetisch. Für Samstag, den Tag vor meinem Geburtstag, hatte ich mir einen Wellness-Tag mit meinem Freund im Vabali Spa in Düsseldorf eingeplant. Und damit ich diesen Sauna Tag auch richtig genießen konnte, gab es natürlich Donnerstag und Freitag meinen Trainingshöhepunkt. Zumindest was die Intensität angeht. Mein Abschluss-Workout am Freitagnachmittag bestand aus 30 Minuten Crosstrainer, einem lustigen Workout mit unserem LKW-Reifen im Garten und Klimmzügen. Ja, wir haben einen LKW-Reifen im Garten. Den habe ich 25 Mal umgeworfen und habe mit einem 8 kg Hammer 10 Mal von jeder Seite drauf geprügelt. Davon dann vier Serien. So habe ich den fetten Reifen insgesamt 100 Mal angehoben und umgestoßen und habe ihm 80 Mal mit einem 8 kg Hammer eins über die Mütze gegeben. Jetzt könnte man sich fragen warum man so etwas Sinnloses tut. Und als Antwort fällt mir ehrlich gesagt nur eine einzige plausible Erklärung ein: weil es geht. 

Als ich mit diesem LKW-Workout gestartet habe, saßen unsere Nachbarn noch im Garten in der Sonne. Nach ein paar Minuten waren sie allerdings verschwunden. Tja, ein klein wenig irre mag das auf ältere Leute schon wirken. Warum schmeißt jemand einen LKW-Reifen durch den Garten? Warum? Ich kann zur Verteidigung nur sagen, dass sich mein Körper und meine Muskulatur danach wirklich gut angefühlt haben. Danach habe ich noch 10 Minuten Klimmzüge gemacht. So viel wie möglich. Zusammen bekommen habe ich genau 30. Und danach hatte ich dann frei. Der Part mit dem Wellness wartete auf mich. 
Und natürlich mein Geburtstagswochenende. Erst ein wunderbarer Vabali Vormittag bei Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen und danach ein Vor-Geburtstagskuchen bei meinen Eltern. 

Abends gab es ein Vorgeburtstagsessen mit ein paar Freunden in Neuss und an meinem Geburtstag selbst gab es dann Geburtstagsfrühstück mit meiner Familie und danach meinen ersten 30 km Lauf nach meinem Beinbruch. Und das sogar bei einer Veranstaltung. 

In Bertlich werden dreimal im Jahr alle erdenklichen Distanzen angeboten. Eine Voranmeldung gibt es nicht und die Veranstaltung lebt lediglich von den Anmeldungen am Veranstaltungstag. Dass der Organisator bzw. Verein durch die vielen bereits durchgeführten Wettkämpfe sehr viel Erfahrung hat, merkt man sofort. Alles ist perfekt organisiert. Und sogar das Wetter hätte nicht besser sein können. Strahlend blauer Himmel, Sonne und herrliche 17°C. Eigentlich kaum zu glauben für Mitte Februar. 

Um 12 Uhr wurden die 30 km Läufer auf die Strecke geschickt. Vor uns lagen drei Runden. Eine etwas kürzere Runde mit 9,5 km und zwei Runden zu je 10 km. Mit dem Einlauf ins Stadion waren dies summa summarum 30 km. In einem tatsächlich ganz schön vollen Startfeld trabte ich los. Mein Ziel war es, ruhig und stabil die 30 km zu schaffen. Vielleicht sogar mit einer kleinen Endbeschleunigung. Irgendwas um die drei Stunden sollte am Ende dabei rum kommen. Zwischen 2:45 und 3:15 vielleicht. Oder auch 3:20. Bereits auf den ersten 10 km machten sich meine Beine bemerkbar und jubelten mir fröhlich von unten zu. „Hey, weißt du noch Freitag? Als du 100 Mal diesen LKW-Reifen umgestoßen hast?“ Ich fing innerlich an zu kichern. Oh ja, ich erinnerte mich. Ich hatte den gestrigen Tag des Öfteren damit verbracht, tief in meinen Körper hinein zu fühlen, um nach Muskelkater oder anderen „Erschöpfungstierchen“ Ausschau zu halten. Ich hatte erstaunlich wenig Nachwehen vom LKW-Reifen-Workout. Aber nun wo ich auf meinem Geburtstags-Long-Run war, meldeten sich meine grazilen Kniebeugen-Beine zu Wort. Ich hatte noch keine 10 km und sie wurden schon zäh. Ich probierte einfach locker weiter zu laufen und einen flüssigen Bewegungsablauf beizubehalten. Brav die Hüfte gestreckt lassen, den Oberkörper aufgerichtet und immer easy weiter. Die Sonne, die gute Stimmung und die perfekt organisierte Veranstaltung machten es allerdings auch nicht sonderlich schwer, den Lauf in vollen Zügen zu genießen. Das leise Wimmern meiner dicken Beine war daher nur eine kleine, fast zu überhörende Hintergrundmusik. Es war einfach schön. Und im Grunde genommen war auch dieses Gefühl in meinen Beinen schön. Vielleicht nicht unbedingt schon nach so wenigen Kilometern, da mein Körper auch mal eine wesentlich größere Reichweite hatte, aber ich wollte es ja schließlich so. Ich wollte nun mal keinen rein spezialisierten "Laufkörper". Ich wollte halt auch etwas irre einen LKW-Reifen umstoßen, Klimmzüge machen und andere Dinge mit meinem Körper anstellen. Der Körper ist von Natur aus für viel mehr gemacht, als nur zum Laufen. Auch wenn das Laufen tatsächlich einen sehr wichtigen Aspekt in unserer Entwicklungsgeschichte darstellt. Aber nicht nur. Und nun spürte ich auf meinen 30 Geburtstagskilometern was ich meinem Körper die letzten Monate beigebracht hatte. Und das hatte nichts mit Ausdauer zu tun. Mein Plan für die nächsten Wochen war es, die Grundlagenausdauer mit Hilfe verschiedener Laufveranstaltungen wieder zu erweitern. Wieder ein bisschen länger laufen. Allerdings entschleunigter und entspannter als früher. Gemäß meinem Motto „Es ist die Summe der einzelnen Schritte, die dich an dein Ziel bringt.“ 

Runde um Runde vergingen und nach 2:54:26 passierte ich die Ziellinie. Ohne Beinbruch. Ohne irgendwelche anderen Missgeschicke. Ein Geburtstagslauf ohne gesundheitliche Folgen. Oder zumindest keine gravierenden Folgen, wenn man die mikroskopischen Läsionen meiner Muskulatur mal außen vor lässt. Der erste Schritt in der Welt der längeren Läufe war getan. 

Ein neues Lebensjahr hat begonnen. Ein neues Jahr mit neuen Zielen. Ich bin dankbar für die vielen wertvollen Erfahrungen, die ich in meinem letzten Lebensjahr sammeln durfte. Ich bin so dankbar, dass meine Ärzte mich letztes Jahr wieder so gut zusammen geflickt haben. Ich habe eine ganz neue Seite des Lebens kennen gelernt und das Ganze ohne Fernstudium. Der beste Lehrer ist nun mal das Leben. 
 

Sonntag, 27.01.19

Ich bin zurück im Wettkampfgeschehen. Ich hatte es im Vorfeld nicht an die große Glocke gehangen, da ich zu großen Respekt vor meinem Schweinhundaffen hatte. Der Schweinehundaffe ist übrigens eine besondere Kategorie der Schweinehunde. Und ich habe einen solchen Freak. Aber das ist was anderes. Ich wollte nicht wieder irgendwas ankündigen und es dann womöglich wieder zurück ziehen. Ich finde Leute  selbst irgendwie nur mittel die nicht das tun, was sie vorher kund tun. Und damit ich nicht so ein "Leut" bin, hatte ich mir selbst geschworen endlich wieder zu rennen, aber es sicherheitshalber nur auserwählten Menschlein mit zu teilen. Und so kam es, das ich heute morgen um kurz nach sechs mal wieder wach war. Und hungrig. Also alles wie immer. Der Start des ersten Laufes der Serie war allerdings für die Weibchen erst um 12:15 Uhr. Ein grausamer Zeitpunkt, da ich das essenstechnisch echt schwierig finde. Ich kann einfach nicht lange schlafen, um möglichst spät zu frühstücken und für Frühstück und Mittagessen reicht es dann aber auch wieder nicht. Nun gut, wollen wir mal kein großes Ei deswegen legen. Es gibt im Leben größere Herausforderungen als solch Ernährungs-Management-Gedöns. Mit maximaler Körperbeherrschung und viel gutem Zureden habe ich es tatsächlich geschafft mit dem Frühstück bis viertel vor acht zu warten. Hammer oder? *Ironie* Mein Frühstück sah anders aus als sonst. Sowas hatte ich vor einem Wettkampf noch nie gefuttert. Wie war noch gleich die Hauptregel aller Regeln im Sport? Probiere vor dem Wettkampf niemals, niiiiiieeeeeeee irgendwas aus, was du nicht zuvor im Training getestet hast. Da ich derzeit mal wieder ein neues Ernährungsexperiment teste, war mir das auch egal. Und im Übrigen würde mir nachher im Wettkampf ein ganz anderes Problem das Leben schwer machen. Aber dazu komme ich noch. Das hier war also mein "Frühfutter":


Nach meiner Tagesplanung musste ich so gegen 9:30 Uhr langsam Richtung Hamm tuckeln. Ich hatte demnach noch ordentlich viel Zeit. Zeit zum braven Lernen und Arbeiten. Daher habe ich noch meine Einsendeaufgaben weg geschickt und etwas Bürotätigkeiten abgearbeitet und dabei meine wahnsinnige Nervosität versucht zu ignorieren. Meine Güte was war ich kribbelig! Das war das erste mal nach meinem Beinbruch, dass ich wieder auf einem Wettkampf starte. Mehrmals hörte ich das Krachen des Beines in meinem "inneren Ohr". Eine leichte Unsicherheit kroch mir das zusammengeflickte Wadenbein hinauf. "Vertraue deinem Körper! Er kann laufen. Auch ohne Hals- und Beinbruch!" Ich redete mir gut zu und schob den Moment meines Unfalls weit, weit weg in die allerletzte Ecke meines Schädels. 

Kurz nach neun machte ich mir noch einen kleinen weiteren Snack. Sonst würde ich verhungern. Keine Frage. *schon wieder Ironie* 


Danach packte ich meine sieben Sachen, wobei es eher gefühlte 1000 Sachen waren und machte mich auf den Weg. Mein Navi führte mich mal wieder über Pisten, die gesperrt waren, was eigenmächtiges Handeln der Fahrerin, also mir, erforderte. Irgendwie bin ich aber immer so navi-abhängig, dass ich nicht den Hauch einer Ahnung habe, wo ich dann alternativ lang fahren soll. Das Navi möchte dann immer nur, dass ich wende und das geht halt nicht. Irgendwie kam ich in Hamm an. Allerdings passierte ich auf meiner Himmelsfahrt noch einen relativ frischen Autounfall. Zum Glück war keiner ernsthaft verletzt. Bis auf das Auto, das keine bzw. eine ziemlich komprimierte Motorhaube hatte.

Ich holte meine Startnummer und machte mich startbereit. Mein Plan sah es vor 30 Minuten vorher und 30 Minuten nachher zu laufen. Oder irgendwie 25 km voll zu machen. Der Schweinehundaffe in mir hatte sich aber bei diesem Vorhaben lachend auf einer imaginären Gehirn-Couch zurück gezogen. Aber ich wollte zumindest mit dem guten Vorsatz starten und wenigstens vorher 30 Minuten laufen. Schon beim warm laufen merkte ich meine Schultern und meinen Trapezmuskel. Ich kleiner Masochist musste Freitag auch unbedingt Handstand üben. Aber ich will ja diese Form des Trainings. Es geht auf Kosten der Spezifik und deswegen würde ich dieses Rennen hier auch um Welten langsamer laufen, als ich es noch vor einem Jahr getan hatte. Mein Ziel war es, dass sich das Ding hier heute gut anfühlt. Das ich den Lauf vernünftig einteile und nicht einbreche. Das waren meine Wünsche. Und was geschah dann wirklich?


Der Start. Ich hatte mich im vorderen Drittel einsortiert. Wollte nicht so weit nach hinten, aber auch nicht so weit nach vorne. Ich wusste, dass das heute nicht sonderlich blitzartig wird. Ich hatte im Vorfeld Angst um mein Bein bzw. davor umzuknicken in dem Gewusel auf der Bahn.

Als ich mich jedoch in Bewegung gesetzt hatte war ich sicher. Der Autopilot war an und die Beine liefen. So als hätten sie die letzten Monate nichts anderes gemacht. Mein Magen knurrte allerdings wie ein hungriger Löwe, der schon seit Tagen kein Futter mehr gefangen hatte. Ich versuchte mein Tempo zu finden, was mir wirklich schwer fiel. Das Laufgefühl war einfach ein anderes. Stabil und kraftvoll. Aber irgendwie nicht leicht und schnell. Wenn ich bei dem Vergleich der afrikanischen Tieren bleibe, dann eher wie ein galoppierender Elefant. Nicht wie der dynamische Springbock. Meine Atmung war auch schon ein Spürchen zu schnell. Ich musste die Geschwindigkeit drosseln, wenn ich nicht total einbrechen wollte. Ich reduzierte das Tempo und versuchte ein gutes Laufgefühl zu bekommen. Es lief so einigermaßen. 1 km, 2 km, 3 km, 4 km... und dann? Es wurde zäh. Meine Oberkörpermuskeln, die ich mir in den letzten Monaten mühsam gezüchtet hatte, schrien nun voller Empörung und beschimpften mich. Sie bekamen nicht mehr genug Sauerstoff und rebellierten. Die Beine waren auch verwirrt. Was tat ihr Frauchen da eigentlich? Ich brach tatsächlich nach hinten raus ein. Das was ich nicht vor gehabt hatte. So ein Ärger. Ich quälte mich weiter. Oh je, was fühlte sich das schlecht an. "Dafür kann ich aber sehr gut rudern und mehr Kniebeugen als alle anderen." Ging es mir durch mein verwirrtes, mit zu wenig Sauerstoff versorgtes Hirn. Ich lachte mich innerlich tot. Das hatte ich jetzt von meinem "anti-spezialisiertem" Training. Wenn man so wenig läuft wie ich es derzeit tue, dann braucht man sich über dieses Gefühl beim Rennen auch nicht wundern. Wobei ich mich eigentlich auch nicht wunderte. Mir war es klar gewesen. Aber insgeheim hatte ich auf ein kleines Wunder gehofft. Vielleicht würde es sich ja doch besser anfühlen. Die letzten Kilometer fühlten sich ewig an. Ich biss wie selten bei einem 10 km Lauf. Ich erreichte das Ziel in 47:19 und schmeckte das erste Mal seit Monaten den Geschmack von Laktat auf der Zunge. Ein gutes Gefühl. Ich trank etwas und trabte direkt weiter. Ich wollte ja schließlich noch 25 km voll machen. Es war nieselig und kalt. Aber ich zog das Ding durch. 

Mit einem kurzen Zwischenstopp an meinem Auto und warmer Kleidung machte ich noch ganz langsam 25 km voll. Dafür brauchte ich aber wesentlich mehr als eine halbe Stunde. Mein erster langer Lauf seit Urzeiten. Ich war ein bisschen Stolz auf mich und der Schweinehundaffe saß schmollend auf der Couch und guckte beleidigt aus dem rechten Ohr hinaus. 
Bevor ich jetzt noch mehr Unfug schreibe, mache ich lieber Schluss. In diesem Sinne: meine ersten Spendenkilometer sind gesammelt. Aktueller Spendenstand: 10 €

Fallnummer 41843212 – Part 8 – 
Es ist der  13.01.19 und das neue Jahr fühlt sich für mich gar nicht mehr an, wie ein neues Jahr. Gefühlt ist es schon eine halbe Ewigkeit her, dass ich in der Apotheke den Datum-Stempel ein Jahr weiter gedreht habe. Das Leben hat schnell seinen gewohnten Rhythmus wieder gefunden und die Zeit vergeht genauso schnell, wie sie es bereits im vergangenen Jahr getan hat. Ich für meinen Teil habe allerdings keine stumpfe Alltags-Routine, was mein subjektiv empfundenes Zeitempfinden enorm erweitert. Wenn man immer den gleichen Trott abspult, dann vergeht die Zeit ziemlich schnell und ohne neuen Input, der den Horizont erweitert. Wenn man zum Beispiel am Wochenende einen kleinen Urlaubstrip unternimmt oder irgendwas Verrücktes macht, dann wird das Wochenende gefühlt zu einem viel intensiveren  Erlebnis. Ein Wochenende zwischen Bett, Herdplatte und Couch dagegen plätschert unbemerkt dahin und schockiert stellt man plötzlich fest, dass wieder Montag ist und die Arbeitsroutine die Couchroutine ablöst. Zum Glück habe ich weder Arbeitsroutine, noch Hobbyroutine. Zurzeit plane ich meine Wochen tatsächlich im Vorfeld ziemlich genau und keine Woche gleicht der anderen. Arbeit, Training  und was noch so zum Leben eines modernen Homo Sapiens gehört sind immer anders. Dies fühlt sich unheimlich intensiv und voll an. Aber im positiven Sinne. Ich plane sogar meine Ruhephasen und ich war schon lange nicht mehr so entspannt und hatte so viel guten Tiefschlaf. Tiefschlaf ist wirklich schon was Feines. Auch der Zustand bei Entspannungstrainings ist was Tolles und Bewusstseinserweiterndes.  Es wird bei mir niemals den Sport ablösen, da dieser auch einen wunderbaren Zustand herbeizaubert. Naja zaubern pass nicht, da man ja streng genommen schon dafür arbeiten muss. Aber es ist immer wieder beeindruckend wie gut man sich nach einer Trainingseinheit und einer ordentlichen Dusche am Frühstückstisch fühlt. In solchen Momenten könnte ich vor Glück platzen. Und das einfach nur weil ich mich bewegen durfte, schwitzen konnte, mich aus der kuscheligen Komfortzone hinaus gezwungen habe und mich danach zur Belohnung herrlich frisch duschen konnte und mir ein gutes Futter zubereiten konnte. Dafür benötigt man nicht viel Geld und dennoch ist dieser Zustand unbezahlbar. Für diesen Zustand muss man nur eins tun. Man muss anfangen. Den ersten Schritt gehen. Danach läuft es fast von selbst. Auf den perfekten Moment für den ersten Schritt darf man nur nicht warten. Der perfekte Moment ist der, des ersten Schrittes. Also liegt es immer in unserer Macht.


Meine letzte Woche hatte von diesen Zuständen einige zu bieten. Allerdings war diese Woche geprägt von Planänderungen, was nicht so häufig vor kommt. Eigentlich wollte ich diese Woche mit den langen Läufen beginnen und meinen ersten Wettkampfkilometern. Das Wetter machte es mir an dieser Stelle nicht ganz so einfach. Ich wollte nicht bei Sturm und Regen zwei Stunden durch die Gegend traben. Und zwei Stunden auf dem Laufband zu verbringen hielt ich auch für überflüssig. Bzw. mein Schweinehund hielt dies für unnötig. Hinzu kam allerdings auch eine kleine gesundheitliche Beeinträchtigung. Ich hatte mir in meinem kranken Umfeld einen kleinen Erkältungsvirus einverleibt. Dieser kam zwar nicht so richtig zum Ausbruch, aber dennoch beeinflusste er meine Trainingsgestaltung. Der Ruhepuls blieb immer schön unten und das Allgemeinbefinden blieb gut. Dennoch sehe ich davon ab, mit einer noch so moderat verlaufenden Erkältung große Trainingsbelastungen zu absolvieren. Ein bisschen Ausdauer und Bewegung halte ich in dieser Ausprägung sogar für vorteilhaft, da die Atemwege besser belüftet werden und Schleim besser abtransportiert werden kann. Aber dies ist auch nur gut, wenn das Allgemeinbefinden nicht beeinträchtigt ist. Der Ruhepuls ist ein sehr empfindlicher Parameter, der einem zeigt wie es um die Regeneration und den Körperzustand bestellt ist. 
Meine Woche hatte also einen bunten Mix aus moderaten Ausdauereinheiten und ein paar „Turnübungen“. Laufband in Leguanos, Ergometer, Crosstrainer, Rudergerät, Vertikalclimber, Klimmzüge, Kniebeugen und Handstand üben wäre die konkrete Zusammenfassung. Und natürlich Ponyreiten. 


Das Handstandüben hat sich, obwohl es nur ein kurzes Intermezzo war, mal wieder am eindrucksvollsten in meinem Körper bemerkbar gemacht. Ich kann mir zwar nicht vorstellen jemals frei stehen zu können oder gar laufen zu können, aber dennoch ist dies ein Ziel. Ein Marathon auf Händen, das wäre mal was. Auf der anderen Seite gibt es einfachere Methoden, um ein Plätzchen in einer Psychiatrie zu bekommen. Heute hatte ich übrigens einen knackigen Ausdauertag. 60 Minuten Ergometer gefolgt von 30 Minuten Crosstrainer und 30 Minuten Rudern. Das ganze natürlich nüchtern. Ursprünglich hätte ich mich heute in Flierich auf dem Lauf um den Förderturm ausgetobt. Dies wäre in jedem Fall kurzweiliger gewesen. Diese zwei Stunden vor dem Frühstück haben sich schon ganz schön gezogen und meine Schweißproduktion war erheblich. Aber umso schöner, wenn man danach dann entspannt in einen relaxten Sonntag eintauchen kann.


Essentechnisch gibt es bei mir auch noch etwas zu melden. Einer meiner Vorsätze beinhaltet die Reduktion von tierischen Produkten. Ich hatte mir die letzten Wochen und Monate viel von „Vegan ist ungesund“ angeschaut. Dies sind zwei lustige Typen, die auf Youtube FÜR Veganismus werben. Ich find sie wirklich gut und unterhaltsam und sie machen aufmerksam auf die Missstände in der Massentierhaltung. Schaut euch das auch ruhig einmal an. Allerdings möchte ich eine Sache kritisieren. Einer von beiden ist Arzt und es wird immer wieder darauf verwiesen, dass man vegan keinerlei Mängelzustände zu befürchten hat. Und da der eine ja Arzt ist, wird dies auch immer so hingestellt, dass dies ja richtig sein muss. Er muss es ja als Arzt schließlich wissen. Oft machen sie sich dann auch etwas lustig über die allgemeinen Bedenken, dass nicht genügend Eisen, Protein etc. aufgenommen wird. Also, die beiden haben an vielen Ecken wirklich Recht, aber leider ist es einfach so, dass wir Menschen den Darm eines Allesfressers haben und nicht in der Lage sind alle (ALLE) lebensnotwendigen Mikronährstoffe in ausreichender Menge aus rein pflanzlicher Kost zu resorbieren. Entweder man substituiert über Nahrungsergänzungsmittel oder der Körper wird früher oder später die gesundheitlichen Segel streichen. Was fehlt? Eisen, B12, Vitamin A, verschiedene B-Vitamine, Omega 3 und qualitativ hochwertiges Protein mit einer guten Wertigkeit. Desweitern führt ein oftmals hoher Verzehr von Gluten zu einem löchrigen Darm mit nachfolgend entzündlichen Prozessen im gesamten Körper. Das aber nur kurz angerissen. Ich finde die Massentierhaltung natürlich auch vollkommen daneben und aus diesem Grund habe ich mich entschlossen wenigstens einen Schritt in diese Richtung zu gehen. Dies sieht so aus: ich esse viel weniger Fleisch als vorher und ersetze dies mit pflanzlichen Eiweißspendern wie Hülsenfrüchte und Sojaprodukten. Hier zu sehen sind leckere Sojabratlinge im Salatbett. 


Alle tierischen Produkte, die ich kaufe, haben ausschließlich Bio-Qualität. Regionale Herkunft versuche ich hierbei noch vorzuziehen. Fisch bzw. Meeresfrüchte esse ich eigentlich fast immer noch täglich. Achte dabei aber ebenso auf eine Bio-Qualität. Ob überall Bio drin ist, wo es drauf steht, weiß ich nicht. Aber zumindest setze ich damit schon mal ein Zeichen, dass ich für LEBENSmittel mehr ausgeben möchte und nicht dieses Preisdumping unterstützen möchte. In diesem Sinne noch nen schlauen Spruch: „Du bist, was du isst.“


Fallnummer 41843212 – Part 7 – 
Es ist der 30.12.18 und ich durfte dieses Jahr einen ganz besonderen Jahresabschluss feiern. Einen ganz exklusiven Jahres- bzw. Lebensrückblick. Klingt spannend oder? Bevor ich zu diesem sehr besonderen Rückblick komme, möchte ich Dir noch kurz von meiner Trainingswoche über Weihnachten und „zwischen den Jahren“ berichten. Vom 24.12. bis zum 25.12.18 waren wir bei meinen Eltern im wunderbaren Neuss. Neben dem üblichen hyperkalorischen Essen gab es dort einen nüchternen 40 minütigen Leguanolauf. Meine nüchternen Trainingseinheiten gehören mittlerweile zu einem festen Bestandteil meines Alltags. An Ruhetagen fällt dies natürlich flach. Ich liebe es mich danach mit wirklich knurrenden Magen und „echtem“ Hunger an den Tisch zu setzen und das macht dann doppelt Freude, wenn die beste Mama der Welt ein so großartiges Weihnachtsfrühstück gezaubert hat. 


Am Nachmittag des 1. Weihnachtsfeiertages ging es dann wieder Heim und es folgte noch Teil zwei der Familien-Weihnachtsfeier. Am 2. Weihnachtsfeiertag hieß es dann wieder ordentlich keulen. Also schwitzen. Meine Nüchterneinheit bestand aus 60 min Ergometer, 20 min Crosstrainer und 20 min Leguanolauf. 

Sowie dem üblichen Mobilitytraining. 
Bei der ganzen Geschichte habe ich ordentlich Flüssigkeit gelassen. Aber es fühlte sich wieder großartig an. Nach einem genüsslichen Frühstück mit einem etwas höheren Kohlenhydratgehalt ging es zum Pony. 

Zweite Einheit: reiten. Ich erwähnte es zwar schon öfters, aber ich muss es nochmal tun. Reiten ist wirklich anstrengend und mein Puls ist wesentlich höher, als beispielsweise auf dem Ergometer oder Crosstrainer. Nach dem Pony reiten gab es dann zu Hause wieder gutes Futter. Wieder mit etwas mehr Kohlenhydraten. Warum? Weil noch eine zweite Trainingseinheit am Abend auf mich wartete. Eine mit einem Kraftanteil, der mit gut gefüllten Glykogenspeichern besser klappt, als ausgelutscht und leer. Desweiteren habe ich mein Essen etwas mehr gesalzen. Denn durch die hohe Schweißproduktion muss ich den Verlust wieder ersetzen. Außerdem hilft Salz bei der Aufnahme von Kohlenhydraten aus dem Darm. In der Regel haben wir in unserem Essen aber genügend Salz und dieser Aspekt ist eigentlich zu vernachlässigen. Interessant ist dieser Punkt aber übrigens bei der Substitution während des Sportes. Daher sollte ein Spürchen Salz im Sportgetränk enthalten sein. Nun denn, kommen wir zurück zu meinem Weihnachts-Monster-Trainingstag. Abends folgte dann nochmal 20 min Rudern und ein Workout aus Strandschere 20 WH, Reißen mit einem 12,5 kg Hexagon 10 WH je Seite und Hüftheben 20 WH. Davon dann vier Serien. Danach dann wieder eine Portion Mobility. Als Belohnung nach dem ganzen Geackere ging es noch in die Sauna zum Entspannen. Auch das ist ein großartiges Gefühl, wenn man sich zuvor jenseits jeglicher Komfortzone gequält hat.  


Es folgte dann noch eine sehr arbeitssame Woche in der Apotheke. Trainingstechnisch hatte ich nur noch Freitagmorgen um 6:00 Uhr eine erwähnenswerte Anstrengung und ansonsten nur noch Entspannungspraktiken und Arbeitsgedöns. 

Und nun wären wir nämlich bei meinem zu Beginn angekündigten Rückblick. Ungewollt. Ich sag nur: Wasser im Keller. Gestern Abend entdeckten wir das Schlammassel. Im letzten Raum unseres Kellers hatte sich Wasser klamm und heimlich durchs Fenster geschlichen hatte dort sämtliche Kartons mit Klamotten, Büchern und Erinnerungen getränkt. Somit hatten wir heute alle Hand zu Tun. Alles ausräumen, trocknen, waschen etc. Mir vielen dabei unzählige Shirts in die Hände, die ich irgendwann mal eingemottet hatte. Shirts von Marathons. Shirts von meiner ersten Selbstständigkeit als Kühlschrankberatung. Die Vergangenheit hatte mich von einer Minute zur Anderen auf einmal eingeholt. Während ich alles auseinander friemelte, fielen mir bei den meisten Dingen Geschichten und Menschen ein. Menschen, die meinen Lebensweg irgendwann mal begleitet hatten und mir nun hier unten im Keller zwischen Wasser und eingeweichten Kartons wieder begegneten. Meine Güte was hatte ich viel Kram und Sachen. Ich hatte diese Dinge schon seit Ewigkeiten nicht mehr in den Händen gehalten. Ich brauchte sie nicht mehr. Nicht in meinem aktuellen Leben. Aber dennoch waren sie ein Teil von mir. Ein Teil von meinem Leben. Ein Teil von meiner Entwicklung. Und nun waren sie nass und stinkig. Es war irgendwie traurig. Aber zugleich auch schön sich seiner Lebensgeschichte und den vielen Stationen im Leben noch einmal bewusst zu werden. 

Ich war dankbar für all die erlebten Momente und dem unerwarteten Rückblick auf dem nassen Boden unseres Kellers. Irgendwo in diesem Keller-Chaos standen auch meine Krücken. „Jaqueline und Chantal“, wie ich sie liebevoll getauft hatte. Auch sie tragen einen Teil meines Lebensweges in sich. Sie werden mich immer an diesen besonderen Geburtstag erinnern. Und so geht das Leben weiter. Wir packen Kartons und stellen sie irgendwo in die Ecke, weil wir sie im täglichen Leben nicht benötigen. Trennen können wir uns allerdings von diesen Dingen nicht, da sie emotional zu wertvoll sind, auch wenn sie objektiv nicht viel wert sind und niemals mehr einen großen Nutzen haben werden, außer uns an längst vergangene Zeiten zu erinnern. Wie ein Fotoalbum.  
So und nun möchte ich mich aus dem diesem wunderbaren Jahr verabschieden und Dir alles Gute und vor allem einen Haufen Gesundheit und Freude wünschen. Auf dass Du 2019 viele großartige Erinnerung für Deinen Keller und Deine Lebensgeschichte sammelst.
 


Fallnummer 41843212 – Part 6 – 
Es ist der 23.12.18 und meine Waage hat mir heute Morgen stolze 62,2 kg präsentiert. Meine Muskeln wachsen. *zwinker* Neben meinen Muskeln ist mir diese Woche leider seit sehr langer Zeit mal wieder mein „Tibetischer-Monster-Herpes“ gewachsen. Mein ganzes Leben lang hatte ich nie Herpes und hatte die Vermutung, dass ich zu den Geschöpfen gehöre, die immun dagegen sind. Denn die Durchseuchungsrate –klingt fies, heißt aber so – liegt bei nahezu 90 %. Das heißt fast jeder Mensch hatte bereits ein intimes Intermezzo mit Herpes. Bei manchen bricht das Ganze dann in Form einer wunderschönen „Lippen-Blüte“ oder manchmal sogar mit Nasen- und in bösen Fällen mit Augenbeteiligung aus. Zum Glück ist es meistens nur auf die Lippen begrenzt. Wobei das für den Beteiligten schon blöd genug ist. Wie bereits geschrieben habe ich 32 Jahre Ruhe davor gehabt, bis ich auf unserer Erlebnisreise in Tibet mir mein Immunsystem anscheinend so weg gebombt habe, dass das Herpes Simplex 1 Virus in mir die Weltherrschaft oder vielmehr die Marion-Herrschaft übernommen hat. Auslöser für den Ausbruch sind nämlich Stress, schlechte Ernährung, zu viel Sonne, schlechte hygienische Verhältnisse und auch hormonelle Änderungen. Auch der bekannte Ekel vor etwas kann ihn auslösen. 

Damals in Tibet hatte ich alles. Und diese Erstmanifestation im Erwachsenenalter war wirklich die Hölle. Es war sogar noch ein kleines bisschen schlimmer als Männerschnupfen. Wirklich. Seit dem bekomme ich immer wieder mal Besuch von diesem „Schweinevirus“. Jedes Mal ist es mir so schrecklich unangenehm. Es sieht so aussätzig aus und ist ein leuchtendes Aushängeschild für ein angeschlagenes Immunsystem. Tzzzz….von wegen Ernährung macht einem ein solides Immunsystem. Wie kam es nun bei mir zu dem aktuellen Ausbruch? Nun dies kann ich sogar ziemlich klar beantworten. Zum Einen gestehe ich mich schuldig meinen Körper derzeit mit fordernden Trainingsreizen zu konfrontieren. Dies ist natürlich noch nicht der alleinige Auslöser. Lediglich eine Baustelle, die mein Körper zu verarbeiten hat. Dazu kam diese Woche ein leicht amokhafter Vorweihnachtsarbeitsstress. Wie jedes Mal vor den Feiertagen. Ja, die Welt wird höchstwahrscheinlich dieses Mal nach Weihnachten unter gehen. Nun, dadurch musste ich einiges umwerfen, mehr arbeiten und mehr Stress verarbeiten. Was ja an sich keine Tragödie ist, da ich ja seit ein paar Wochen eine Ausbildung zur Entspannungstrainerin begonnen habe und mich viel mit Entspannungsmethoden auseinander setze. Und tatsächlich schlafe ich seit dem wie ein Baby. Kommen wir zu dem letzten Faktor, der mich dann doch umgehauen hat. Um mich herum sind viele kranke und erkältete Menschen. So war auch mein Freund fein erkältet und hat mich aus nächster Nähe mit Erkältungsviren attackiert. Der fiese Möpp. Naja, und dat war dann halt das Quäntchen zu viel. Aber dieses Mal ist es mir egal, wie ich aussehe. Ich habe diese wundervoll strahlende Knospe diesmal nicht versucht zu verdecken oder sonst was. Es ist mir egal bzw. ich nehme es an und verstehe, warum es da ist. Mein Immunsystem war mal kurz überfordert. Ja, auch bei mir. Obwohl ich immer versuche alles richtig zu machen. Und das ist der Grund warum ich hier gerade einen kleinen Herpes-Blog draus mache. 

Ein gesunder Lebenswandel kann einen nicht vor allem bewahren. Aber vor sehr, sehr viel. Und damit komme ich mal direkt zur Sache. Ich überlege noch kurz, ob ich erst etwas zu meinem Training schreibe oder erst zu den wirklich bewegenden Dingen dieses Lebens? Hmmm…erst die schwere Kost würde ich sagen. Den gestrigen Tag habe ich ziemlich neben der Spur verbracht. Man könnte auch sagen, dass ich die meiste Zeit Tränen in den Augen hatte und mich irgendwie entrückt gefühlt habe. Anders kann ich das nicht beschreiben. Vielleicht fällt mir noch ein besseres Adjektiv ein. Meine Operation ist jetzt 5 ½ Wochen her. Ein paar Tage vor der Operation hatte mir ein guter Lauffreund geschrieben und mir alles Gute für die Operation gewünscht. Er hatte mir dabei noch ein paar liebe und lobende Worte verfasst über meine positive Art, wie ich mit dem Beinbruch umgegangen bin. Bei dieser Nachricht stand zwischen den Zeilen, dass es ihm gesundheitlich leider nicht so gut geht. Allein von dem was er dort geschrieben hatte, wurde mir irgendwie schlagartig anders. Mir war in dem Moment sofort klar, dass er etwas Ernstes hat. Keinen popligen Beinbruch. Ich erkundigte mich nach ihm und er berichtete mir, dass bei ihm Krebs mit Metastasenbildung diagnostiziert worden sei.  Die Chemo wurde bereits abgebrochen, weil der Tumor trotzdem weiter gewachsen war. Meine Angst vor der routinemäßigen Operation war damals wie pulverisiert. Ich fühlte mich als würde ich zu einem Pflasterwechsel gehen. Ein klein wenig schämte ich mich für die Angst und das Gedöns, was ich wegen der Operation veranstaltet hatte. In dieser Nachricht hatte er mir geschrieben, dass er leben will und kämpft. Er hänge an seinem Leben und habe fürchterliche Angst vor dem was noch kommt. Diese Nachricht hatte mich so bewegt, dass ich kaum mehr an meine Operation dachte. Natürlich hatte sich eine gewisse Grundangst wieder eingestellt, aber mir war mal wieder klar, wie schnell es zu Ende sein kann mit Zukunftsvisionen und Zielen. Nach meiner Operation hatte ich noch einige Male versucht Kontakt aufzunehmen und habe leider nichts mehr gehört. Ich hoffte, dass es nicht bedeutete, dass er gesundheitlich nicht mehr in der Lage dazu war. Zum Glück las ich ein paar Tage später geteilte Inhalte von ihm in den sozialen Medien. Ihm geht’s vielleicht doch besser dachte ich. Mein Leben geriet dann wieder in die gewohnte Alltagsroutine und ich vergaß. 

Freitagmittag erreichte mich dann die traurige Nachricht, dass er Dienstag gestorben ist. Ich las es und konnte es nicht glauben. Es war so wahnsinnig unwirklich. Da waren die Gefühle in mir. Die damals eigene Angst vor der Operation. Dann seine schreckliche Nachricht mit der Diagnose. Seine Worte, dass er am Leben hänge und kämpft, aber der Kampf so ernüchternd sei. Und nun war er einfach nicht mehr da. Dieser wahnsinnig fröhliche und positive Mensch. Wenn wir uns trafen, haben wir immer so viel gelacht. Und er gehörte zu den Menschen, bei denen man sich wohl fühlte, weil sie einfach von Grund auf positiv waren. Ich meine natürlich, er gehört zu den Menschen! Nicht gehörte. Denn egal wo er jetzt ist, er ist es immer noch und wird es immer bleiben. Ich habe jetzt schon wieder Tränen in den Augen und einen riesenhaften Kloß im Hals. Ich kann manche Sachen nicht begreifen. Ich habe gestern in Dauerschleife das Lied Hallelujah in der Version von Pentatonix gehört und kam dabei auch gar nicht mehr raus aus dem Schluchzen. Ich dachte an seine arme Frau und konnte nur im Ansatz nachfühlen wie schrecklich groß der Schmerz sein muss. Konnte es ein traurigeres Weihnachten geben? 

Ich dachte an Weihnachten 2017. Ich dachte an mich. An ihn und seine Frau. Wir alle hatten ein Weihnachten und einen Jahreswechsel vor der Nase, bei dem wir uns über Ziele und Vorsätze Gedanken machten. Bei mir kam dann bereits im Februar ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk mit Konsequenzen für den Rest des Jahres. Wadenbeinbruch. Ich habe mein Wadenbein nun mit Hilfe einer großartigen medizinischen Versorgung wieder geflickt. Er bekam stattdessen eine Diagnose um die Ohren gehauen mit der er nun dieses Weihnachtsfest nicht mehr erleben kann. Es ist einfach so surreal. Ich kann es nicht fassen. In diesem Jahr sind viele Menschen viel zu früh von uns gegangen. Es passiert immer wieder. Und für einen kurzen Augenblick vergessen wir die belanglosen Dinge unseres Lebens. Aber wenn uns der Alltag dann wieder eingeholt hat, versinken wir wieder in unseren Routinearbeiten. Wir ärgern uns über andere Autofahrer, über schlechtes Wetter, die Steuererklärung, die Benzinpreise,  einen schon wieder mit Haaren verstopften Duschabfluss oder darüber, dass der geliebte Aufschnitt ausverkauft ist. Alles total egal. Nun ja, man sollte sich auch nicht mit diesen kleinen belanglosen Dingen belasten. Das Leben ist zu kurz dafür. Man sollte die Dinge machen, die einem gut tun. Die dem Herzen gut tun. Die anderen Menschen gut tun. Immer. Dazu fällt mir auch noch ein Text von einer ebenfalls viel zu jung verstorbenen Frau ein. Sie appellierte in ihrem Text an die Menschen, dass sie Gutes tun sollen und anderen helfen soll. „Gib, gib, gib!!!“ hatte sie geschrieben. Dieses „Gib, gib, gib!“ schwirrt mir nun seit vielen Wochen in der Birne rum und beeinflusst mein Handeln. 

Im Grunde sind viele Dinge, die ich schreibe absolut abgehalfterte Floskeln und Weisheiten. Nix Neues. Aber ich schreibe sie dennoch. Wieder und immer wieder. Ich werde immer weiter auf eine gesunde Ernährung hinweisen. Du kannst mit dem was ich schreibe machen was Du möchtest. Du kannst Dich aufregen, mich verfluchen, das Gegenteil tun und genüsslich Deine Pizza mit Cola runterspülen. Das ist schade für Deine Gesundheit und ich würde mich darüber freuen, wenn Du netter zu Deinem Körper wärst, aber ich will hier keinen belehren im eigentlichen Sinne. Ich möchte nur darauf aufmerksam machen. Ich möchte ein Bewusstsein für Deinen Körper GEBEN. Unser Körper toleriert sehr, sehr lange eine schlechte Lebensweise. Aber nicht ewig. Und dann kommt die Quittung und das manchmal Knüppelhart. Jetzt magst Du vielleicht denken, was ist mit all den Menschen, die krank werden und immer gesund gelebt habe? Ja, das sind diese paar Prozent, die wir nicht beeinflussen können. Genetik. Vielleicht auch Noxen oder Einflüsse, die wir noch nicht kennen. Das, was wir beeinflussen können ist übrigens viel, viel gravierender. Übrigens stehen ganz oben bei den Risikofaktoren einer Krebserkrankung Ernährung, Bewegung/Sport, Rauchen und Alkohol. Nur mal so neben bei. Und ich möchte noch mal betonen: man kann das Risiko nie auf 0 % bringen! Aber Ernährung und Sport haben den gleichen Stellenwert bei Krebserkrankungen wie Rauchen und Alkohol. Das ist Lehrbuchwissen und keine von mir ausgedachte Weisheit. Also Sport und eine gesunde Ernährung sind an dieser Stelle präventiv und Alkohol und Rauchen krebsfördernd. Nun, ich denke, das war jetzt genug schwerer Stoff. 

Ich kann nur sagen, dass ich noch nie so liebevoll und dankbar Weihnachtsgeschenke eingepackt habe. Nicht, weil diese kleinen, materiellen Dinge so wichtig sind, sondern weil ich dieses Jahr Weihnachtsgeschenke einpacken durfte. Ich durfte mich daran erfreuen Kleinigkeiten zu verschenken. Ich bin so unendlich dankbar dafür, dass meine Familie gesund ist und wir Geschenke auspacken dürfen, spielen können und leckeres Essen verspeisen können. Danke, dass ich mir nur das Bein gebrochen habe. Danke für die Lebenszeit. Danke, für das ganze Training, was ich machen darf. Und damit wäre ich bei meiner Trainingswoche. Oh je, schwer hier noch einen lockeren Weihnachtsabgang hinzubekommen. Zum Glück muss man das ja auch nicht. Man kann ja durchaus noch etwas zum Nachdenken mitnehmen. Aber ich möchte ja auch keinen traurig machen. Im Gegenteil. Ich will, dass Du Dein Leben genießt und Deinen Körper und Deine Gesundheit pflegst und liebst. Mach Dir jeden Tag die zeitliche Limitierung im Spiel des Lebens bewusst. 

Also, mein Trainingsschwerpunkt lag diese Woche eindeutig auf dem Freitag. Leider war dieser Tag auch etwas über den Haufen geworfen, weil ich unplanmäßig arbeiten musste. „Aber nichts desto trotz, aus der Nase fließt kein Honig“ pflegt mein Freund immer zu sagen. Mein Nüchterntraining bestand aus 75 min Ergometer + 200 Kniebeugen + 400 m Laufband + 200 Kniebeugen + 400 m Laufband + 200 Kniebeugen + 400 m Laufband und einem abschließenden Mobilitytraining für bessere Beweglichkeit. Danach war ich dann schon ziemlich erschöpft und habe mich über ein sehr kohlenhydratbetontes Frühstück auf Haferflockenbasis her gemacht. Es gibt nichts Besseres: dieser Moment der körperlichen Erschöpfung und Entspannung, gepaart aus dem Gefühl frisch geduschter, duftender Haut und einem leckeren Bissen Futter im Mund. Dafür lohnt sich jede Kniebeuge. Danach habe ich dann ein paar häusliche Tätigkeiten erledigt, habe eingekauft und mir ein leckeres Mittagessen kreiert.


Ich mache es mir übrigens zu jedem Essen gemütlich, zünde Kerzen an und versuche das Essen maximal zu genießen. Auch wenn ich wenig Zeit habe. Dann ging es zur Arbeit und danach wartete Part 2 der sportlichen Betätigung an diesem Tag auf mich. 20 min rudern + 10 min Vertikalclimber + ein weiteres Mobilitytraining, gespickt mit insgesamt 41 Klimmzügen. Danach habe ich mir einen leckeren Granatapfelsaft gegönnt, sowie ein gemütliches Basenbad bei Kerzenschein. Danach gab es noch ein leckeres Abendbrot, was so aussah. 

Samstag konnte ich mich dann erholen von diesem Mamuttraining. Und heute steht mein erster Lauf in der freien Wildbahn an. Seit der der Operation war ich noch nicht draußen und dies werde ich heute im Rahmen des „Wir warten aufs Christkind Marathon“ tun. Dieser wird von zwei lieben Lauffreunden aus Wadersloh organisiert und führt über Lippstädter Boden. Mein Revier. Hier habe ich mir eine kleine Runde raus gepickt, die ich vielleicht schaffen werde.


So und nun war’s das vor Weihnachten von meiner Seite aus. Genieß die Zeit, geh zwischen dem guten Weihnachtsfutter auch mal spazieren oder treib etwas Sport. Oder mach zwischen den Gängen ein paar Kniebeugen oder Liegestützen.  ;)


Fallnummer 41843212 – Part 5 – 

Es ist Sonntag der 16.12.18 und ich habe heute Morgen festgestellt, dass mein Quark nur bis zum 16.12.18 haltbar ist. Aber damit nicht genug. Es schneit zu allem Überfluss.  Auch wenn der weiße Kram da draußen ganz nett aussieht und zu den weihnachtlichen Beleuchtungen und Dekorationen recht hübsch aussieht, mag ich ihn nicht.


Ich finde zwar Spaziergänge im knirschenden Schnee schön und finde es gemütlich vor dem Ofen zu sitzen oder vor dem Laptop, einen köstlichen Kaffee zu trinken und auf der Tastatur rum zu hämmern, während draußen der Schnee vom Himmel rieselt und alles in ein friedliches Weiß einhüllt. Warum ich ihn nicht mag liegt an den vielen ungünstigen Begleiterscheinungen. Das erste was mir dazu einfällt: meine Fahrradfahrt zur Arbeit ist gefährdet. Schnee, Glatteis und starker Sturm sind die drei Kriterien, die meiner täglichen „Radtour“ zur Arbeit den Gar ausmachen. Das heißt dann Auto fahren. Und dann wären wir bei Punkt 2. Ich finde es eigentlich ganz lustig im Schnee Auto zu fahren, aber halt auch nur eigentlich. Wäre ich alleine im Straßenverkehr fände ich es auch ohne eigentlich toll. Aber nicht mit den anderen vielen wilden, nichtwilden, ängstlichen, unkontrollierten und natürlich zum Glück auch kontrollierten Autofahrern. Ich bin selbst absolut kein Autofahrprofi und eher vorsichtig und zurückhaltend, aber irgendwie muss man sich ja bei dem Wetter von A nach B bewegen. Ein weiterer Punkt warum ich Schnee doof finde, ist die Tatsache, dass das frische, jungfräuliche Weiß mein weißes Auto immer noch schmutziger aussehen lässt, als es ohne hin schon ist. Ich könnte die Lise noch endlos weiterführen. Auch die Tatsache, dass man im Schnee nicht vernünftig Laufen kann finde ich blöd. Natürlich kann man laufen, aber nicht wirklich gut. Wer schon mal eine Marathonvorbereitung im Schnee gemacht hat, weiß wovon ich rede. Zum Glück bin ich gerade in keiner Marathonvorbereitung. *kicher* 


Apropos Marathonvorbereitung. Heute in 19 Wochen ist es so weit. Der Düsseldorf Marathon. Diese Woche habe ich auch endlich wieder  mit dem Laufen begonnen. Mittwoch stand die erste easy Leguano-Laufband-Einheit von süßen 10 min an. Es funktionierte wirklich richtig gut. Kein Zwicken, Zwacken oder andere Unpässlichkeiten. Mittwoch stand trotz des „Laufstartes“ im Zeichen der Klimmzüge. Nach dem 10 minütigen Lauf war ich noch 30 Minuten rudern und habe danach noch ein ausgiebiges Mobilitytraining inklusive 24 Klimmzügen absolviert. Mittwochnachmittag folgte dann Teil zwei meines Trainings mit 100 Liegestützen, 180 Kniebeugen und 45 Klimmzügen. So kam ich dann an diesem Tag auf insgesamt 69 Klimmzüge. Eine meiner liebsten Übungen. Sie sind eigentlich furchtbar, aber wenn man sie einmal beherrscht, dann sind sie großartig. Natürlich dennoch ziemlich anstrengend, aber ich liebe sie. Und die Wahrscheinlichkeit sich dabei das Bein zu brechen ist normal noch geringer, als beim Laufen. Es sei denn die Klimmzugstange reißt ab und ich komme so unglücklich auf, knicke um und breche mir auf diese Weise das Wadenbein. Aber nun gut, wollen wir davon mal nicht ausgehen. Meine wahrlich verdienten Abendessen gestalten sich zurzeit sehr reich an Mikronährstoffen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Man muss seinem Immunsystem in dieser Jahreszeit ordentlich unter die Ärmchen greifen, damit Erkältungsviren und Co. keine Schnitte haben. 


Die restliche Woche gestaltete sich wie die Wochen zuvor auch sehr abwechslungsreich. Neben rudern und dem endlich wieder begonnenen laufen, habe ich mich auf dem Crosstrainer und dem Vertikalclimber vergnügt. Dazu natürlich viele Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, sowie Übungen mit Gewicht. Wenn ich über meinen bevorstehenden Marathon nachdenke und das gezielte Training dafür, bekomme ich im Moment irgendwie Zweifel. Nicht daran diesen Marathon zu laufen, sondern über die Art und Weise meiner Vorbereitung. Die letzten Jahre habe ich schon sehr viel Crosstraining, also diese sehr fassettenreiche Art und Weise des Trainings mit Elementen aus dem Ausdauersport, Turnübungen und Gewichtübungen, praktiziert. Und ich muss immer mehr fest stellen, dass ich dies mehr liebe, als das reine Laufen. Ich muss mir eingestehen, dass ich kein heißblütiger Läufer mehr bin. Der Läufer, also ich meine jetzt DER Läufer an sich läuft und tut alles, um hier das optimale und beste Potential auszuschöpfen. Werden „Stabi-Übungen“ praktiziert, dann nur um im Laufen davon zu profitieren. Ich habe seit gut zwei Jahren diese Praxis bei weitem verlassen. 2018 lag natürlich im Schatten meines Beinbruches. Die freie sportliche Entfaltung war dadurch mehr als beeinflusst. Sie war gänzlich limitiert. Es war zwar einiges an sportlicher Aktivität möglich, ich würde sogar sagen, dass ich den letzten Monaten fast nichts mehr von dem Titan gemerkt habe, aber psychologisch hat mich die zweite Operation das ganze Jahr ziemlich ein gebremst. Aber nun gut, ich habe genug über mein gebrochenes Bein geschrieben. Auch wenn ich das Kapitel jetzt nach der erfolgreichen zweiten Operation nicht gänzlichen schließen kann, da die Spuren bleiben, möchte ich mich gedanklich und emotional nicht mehr damit aufhalten. 


Ich habe in diesem Jahr viel gelernt und das Leben und die Gesundheit neu zu schätzen gelernt. Auch wenn ich das schon immer meinte zu wissen, habe ich einen wahrlichen  Crashkurs absolviert, um am eigenen Leib zu spüren was Abhängigkeit von anderen Menschen und die Angst vor Operationen etc. bedeutet. Ich habe auch gespürt wie sehr man an anderen Menschen hängt, wenn man Angst hat und vor allem wie wichtig es ist, dass Menschen für einen da sind. Auch wenn ich nur ein Bein gebrochen hatte, hatte ich eine furchtbare Angst vor der Vollnarkose und der Operation. Ich hatte schlicht und ergreifend Angst nicht mehr wach zu werden. Ein Risiko ist bei der läppischsten Routine-Operation immer da. Aus diesem Grund hatte ich den Gedanken ehrenamtlich bei den Grünen Damen zu beginnen, um kranken Menschen, die nicht mehr viel Besuch bekommen einfach etwas Nähe und Aufmerksamkeit zu schenken. Ihnen einfach mal zuzuhören und Zeit zu schenken. Vielleicht sogar Hoffnung und Lebenskraft. Ich habe viel darüber nach gedacht, weil ich Angst habe, dass die schweren Schicksalsschläge mich vielleicht fertig machen würden. Voller Aufgeregtheit hatte ich mit den grünen Damen Kontakt aufgenommen und hatte mein erstes Gespräch mit ihnen. Ich denke, dass ich zum nächsten Jahr mit der ehrenamtlichen Tätigkeit bei den grünen Damen starten werde. Auch wenn ich gerade nicht weiß, wie sehr es mich belasten wird, möchte ich es zumindest versuchen. So viel zu einem meiner Vorsätze für 2019. Mehr für andere Menschen da zu sein. 
Ganz passend zu diesem Thema hatte ich diese Woche im Rahmen eines Rotary-Hilfsprojektes ein Mittagessen mit Menschen ohne Wohnsitz. Früher nannte man sie obdachlos. Rotary hatte diesen Menschen in Lippstadt ein feines Mittagessen spendiert. Mit allem was dazu gehört. Aber es ging nicht nur darum ihnen das Essen zu schenken, sondern auch darum mit Ihnen etwas Zeit zu verbringen. Einfach von Mensch zu Mensch. Insgesamt zehn Rotarier und geschätzt ca. 25-30 „Obdachlose“ mischten sich in bunter Reihe an liebevoll dekorierten Weihnachtstischen. Ein paar von den Menschen ohne Wohnsitz reagierten zu Beginn etwas gestresst und scheu. Sie fühlten sich unsicher. Ein sehr junger Mann von 19 Jahren war furchtbar ängstlich und rannte mehrmals weg. Er setzte sich alleine an einen Tisch und sagte, dass er das nicht könne. Er käme mit so vielen Menschen nicht klar. Er tat mir so leid. Eine der Betreuerinnen überredete den jungen Mann mit an einen gemischten Tisch zu kommen. Nach einer guten Viertelstunde hatte sich ein unglaubliches Bild ergeben. An allen Tischen wurde sich angeregt unterhalten. Mit geschlossenen Augen hätte man niemals gedacht, dass sich hier gerade Menschen austauschten, die unterschiedlicher hinsichtlich des sozialen Umfeldes gar nicht sein konnten. Ich hatte einen jungen Mann an meinem Tisch, der eine schlimme Vergangenheit hinter sich hatte. Von starkem Drogenkonsum bis hin zu Knast hatte er in seinem Leben schon alles durch gemacht. Er hatte sich von den Drogen frei gekämpft und einen Entzug hinter sich. Ich sprach mit ihm über seine Zukunftsvisionen, Ziele und Motivationen. Keinen Moment dachte ich dabei über mich, meinen Sport, mein Bein oder sonst was nach. Ich hörte einfach zu. Meine Güte, es gibt Menschen auf diesem Planeten, die haben wirklich andere Probleme. Echte Probleme. Wobei Probleme immer subjektiv sind und auch wenn sie im Vergleich zu richtigen Problemen lächerlich sind, sollte man jedes ach so belanglose Problemchen ernst nehmen. Und vor allem den Menschen vor einem ernst nehmen. Egal, um was es sich handelt. Der Mensch und sein subjektiver Leidensdruck sind egal wie groß das objektive Problem ist, immer wichtig. 

Nach einer sehr bewegenden Lebensgeschichte und einem Einblick in das Leben von Obdachlosen, die gerade bei dieser Jahreszeit ein wirklich hartes Leben haben, ging es für mich wieder zurück zur Arbeit. Zurück in das System. Zurück zu den Problemen des Alltags. Dankbar. Ich fühlte mich irgendwie zurechtgerückt. Man hatte für einen kurzen Augenblick sein Leben verlassen und war eingetaucht in ein fremdes Schicksal und hatte gespürt, wie sich Leben auch anfühlen kann. Drogen, Perspektivlosigkeit, Resignation, fehlender Lebenssinn, Angst, Not, Beschaffungskriminalität, Ablehnung. Ich bewundere die Menschen, die sich aus solch einer Situation wieder raus gewühlt hatten und konnte nach empfinden wie groß die Angst war, wieder rückfällig zu werden und die klare Welt mit all ihren wundervollen Möglichkeiten zu verlieren und wieder im Dunst des Drogenkonsums keinen Horizont mehr zu sehen. Nach ein paar Stunden normaler Arbeit war aber auch ich wieder gestrandet in meinem Leben und dachte an die kleinen belanglosen Dinge und Freuden meines Alltags, wie zum Beispiel an mein abendliches Workout. 15 Minuten Leguanolauf auf dem Laufband, sowie drei Serien Beinscherencrunches 100 WH – Schräges V-Up 50 WH + Mobility. 

Den gestrigen Tag verlebte ich mit einer Freundin in einer Sauna-Landschaft in Düsseldorf. Wellness Tag quasi. Ein beinahe skurriler Kontrast zu den Lebenseinblicken, die ich am Tag zuvor erfahren durfte. Irgendwie war es befremdlich sich im Luxus zu suhlen und zu genießen, wo man gerade gestern noch gespürt hat, wie sich Leben an der sozialen „Untergrenze“  anfühlt. Aber war nicht jeder Mensch selbst für sein Leben verantwortlich? „Jeder ist seines Glückes Schmied“ heißt es doch so schön. Ist das wirklich so? Oder haben wir nur einen marginalen Einfluss auf das Leben und den „Startpunkt“, den unsere Eltern uns genetisch, familiär und sozial mit auf unsere Lebensreise geben? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mit offenen Augen durch mein Leben gehen möchte und mit meinen Möglichkeiten versuchen will, anderen zu helfen. Und nun wünsche ich Dir einen wunderbaren dritten Advent und viel Freude mit der weißen Pracht jenseits der Fensterscheibe. Ich werde auch noch einen kleinen Schneespaziergang machen und mein Pony besuchen. Ah, da fällt mir ein: reiten kann ich übrigens endlich auch wieder. 


Fallnummer 41843212 - Part 4-

Es ist der 06.12.18. Nikolaus. Ich hatte heute nichts in meinem Stiefel, dafür aber pralle 62 kg auf der Waage. Das straffe Krafttraining in Verbindung mit ein paar aufbauenden Kohlenhydraten hat seine Spuren hinterlassen. Ich fühle mich heute so wahnsinnig voll. Nicht im Sinne von voll gegessen. Das bin ich nämlich so gar nicht. Nein, mehr im Sinne von aufgepumpt. Die Muskeln haben sich voll gesaugt mit Glykogen und Wasser. Mein Kittel spannt sich gefährlich über meinem Kreuz. Eine falsche Bewegung und einmal zu kräftig eingeatmet und mir reißt der Kittel in zwei. Dies sorgt wieder einmal für ein lustiges Kopfkino. Es wäre einfach zu schön, wenn mir der Kittel in einem Kundengespräch vom Leibe platzen würde. Wie damals bei meiner Examens-Feier… Damals wurde ich aufgerufen, damit ich mein Zeugnis entgegen nehmen kann. Ich hatte eine Bluse an. Und ich gestehe, dass ich noch nie wirklich gerne Blusen getragen haben, weil die sich schon immer mit meinem Latissimus nicht verstanden haben. Ich nahm also vor versammelter Mannschaft mein Zeugnis entgegen und meine Bluse verlor mit einem lauten Reißen ihren Kampf mit meinem Latissimus. Da stand ich nun mit einem großen, langen Riss in der Bluse.

Gute alte Zeit. Aber kommen wir zurück ins verregnete Jetzt. Meine heutige Woche hatte bisher seinen Trainingshöhepunkt am Montag. Das ist schon ganz cool, wenn man seine Woche direkt vernünftig startet. Der Wecker holte mich Montagmorgen schon zeitig aus dem Schlaf. Etwas verschlafen habe ich mich dann angezogen und habe mich in unseren Trainingskeller geschleppt. 30 min Crosstrainer stand auf dem Plan. Der Crosstrainer ist zugegeben eine Bewegung mit der ich mich erst anfreunden musste.

Was ein eigenartiger Bewegungsablauf. Eine Kombination aus Radfahren und Laufen mit Armeinsatz. Ich habe es aber irgendwie lieben gelernt. Auch wenn ich insgeheim doch vom richtigen Laufen träume. Aber damit lasse ich mir noch Zeit. Nächste Woche werde ich damit ganz sachte starten. Nach der schweißtreibenden halben Stunde auf dem Crosstrainer gab es dann noch ein kleines Workout. Und zwar: Bergsteiger 25 WH – Beinscherencrunch 50 WH – Liegestützen auf Bügeln 10 WH -> 4 Serien. Danach noch ein wenig Mobility für die Beweglichkeit. Dieser Part, sowie die Sache mit der anschließenden Körperhygiene fällt mir dann immer etwas schwer, weil ich mich vor lauter Hunger am liebsten direkt in den Kühlschrank setzen würde. Mit ganz viel Disziplin schaffe ich es dann aber doch, mich erst noch zu säubern.

Nach dem Frühstück habe ich mir dann wieder mein Mittagessen vorbereitet und habe mich dann durch ein feuchtnasses Wetter mit dem Fahrrad zur Apotheke gekämpft. Die Erkältungskrankheiten freuen sich derweil wieder über das wunderbare virenfreundliche Klima. Dies merkt man auch an den Produktwünschen unserer Kunden, sowie ihrer schniefenden Performance bei der Bestellung.

Zum Mittagessen gab es dann meinen leckeren Salat. Diesmal mit einem extra Anteil Kohlenhydrate in Form von Dinkel und Quinoa. Schließlich wartete nach der Arbeit noch ein weiteres Training auf mich. Und dafür wollte ich meinen Körper und meine Muskeln fein auftanken.

Nach der Arbeit ging es durch den absolut armageddonartigen Regen auf dem Fahrrad nach Hause. Zwischendurch bin ich noch kurz in einem Laden rein gesprungen, um noch ein paar Lebensmittel für die nächsten Tage einkaufen.

Ich war klitsch nass und bin mit patschenden Schritten durch den Laden geschlappt.

Tropfend und triefend stand ich vor dem Kassierer, der mich etwas belustigt musterte. „Regnet es?“ fragte er mich. „Nein, warum?“ Ich grinste ihn debil an. Er lachte. Tropfend watschelte ich mit meiner Beute aus dem Laden.

Nach dem ich mich trocken gelegt hatte,  gab es Teil zwei meiner sportlichen Aktivität: 30 min Rudern + 10 min Climber. Letzteres schimpft sich auch in Gänze „Vertikal-Climber“ und ahmt eine Art Kletterbewegung mit Armbeteiligung nach. Nach der halben Stunde Rudern ein absolutes Fest für die Ärmchen. Aber damit noch nicht genug für das obere Extremitäten-Gedönse. 5 x 5 WH Reißen je Seite mit einem 12,5 kg schweren Hexagon. Reißen kann man sich in etwas so vorstellen: man hat eine Art Kurzhantel in einer Hand zwischen den Füßen auf dem Boden. Man ist dabei in der unteren Stellung einer Kniebeuge und richtet sich explosionsartig mit einer Hüftstreckung auf und reißt den Arm, inklusive Kurzhantel nach oben über den Kopf. Zum „Runterkommen“ gab es danach dann noch Mobility mit wundervollen Klimmzügen in folgender Wiederholungszahl: 2/6/3/5/2/3/ 5/2/1/1. Insgesamt also 30 Klimmzüge.

Danach waren meine Arme Mus und hatten die gleiche Konsistenz wie der Belohnungsquark mit Banane, Kakaonibs, Zuckerrohrmelasse und Gelatine. Urgh… magst du jetzt vielleicht denken, aber es war soooooo gut. Und vor allem war es absolut guter Stoff für meinen mit Trainingsreizen bombardierten Körper. Nach dem Abendessen haben wir dann noch eine Runde Mini-Rummy gespielt. Ein schönes Spiel bei dem man seine graue Masse ordentlich anstrengen muss.

Das war also der Killer Montag. Die folgenden Tage waren entspannter.

Beruflich gab es einen meiner Workshops zum Thema Energielieferanten. Ich mag es den Menschen mehr über ihr Futter und seine wahnsinnig wichtige Funktion zu erzählen. Es ist halt meine kleine Leidenschaft und ich bin einfach davon überzeugt und das aus jahrelanger Praxis, dass die „richtige“ Ernährung ein sehr wichtiges Instrument ist, um voller Tatendrang und Energie durch den Tag zu hüpfen.


Und nun werde ich noch die letzten Tage meiner 2. Trainingswoche abarbeiten.

21 Wochen to go.


Fallnummer 41843212 - Part 3-

Es ist Freitagabend und neben mir zieht gerade eine Tasse Kamillentee. Draußen ist es irgendwie den ganzen Tag nicht so wirklich hell geworden. Die dunkle Jahreszeit macht derzeit ihrem Namen alle Ehre. Die ganze Woche über, war es draußen nicht so richtig einladend bzw. "ausladend" und ich war heilfroh, dass ich mit meinem Schweinehund keine Grundsatzdiskussionen über Lauftraining im dunklen und "nass-kalten-pfui-draußen" führen musste. Ich habe mir meinen ersten Trainingsplan für Düsseldorf konzipiert und habe diesen brav jeden Tag abgearbeitet. Oh, wie ich Pläne liebe! Ich könnte mir jeden Tag neue Pläne machen. Der Plan hängt nun in unsere Küche an der Mikrowelle und erinnert mich jetzt jeden Tag an mein Vorhaben...


...diesen Marathon, diese 42,195 km, die Ende April von mir gelaufen werden wollen. Zum jetzigen Zeitpunkt eine etwas skurrile Vorstellung, da ich nach der Operation noch keinen Schritt gelaufen bin. Aber das macht nichts. Ich glaube an meinen Körper und daran, dass ich gesund durch die Vorbereitung komme. Solange ich nicht laufe, werde ich meine Ausdauerleistung mit Training auf dem Ergometer, der Rudermaschine, dem Crosstrainer und meinem lustigen Vertikalclimber aufpolieren. Dazu gibt es für den Anfang auch jede Menge Crosstraining, dass sich aus Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, sowie verschiedenen Aufgaben mit Gewichten zusammensetzt. Dazu ein ganz entscheidendes Element: die Beweglichkeits- und Mobilityübungen. Nur durch eine optimale Bewegungsmechanik, kann man die bestmögliche Leistung aus seinem Körper rausholen und was noch viel wichtiger ist bei der Angelegenheit: man bleibt dabei  gesund und neigt nicht zu so starken Verschleiß- und Verletzungsreaktionen. 

Meine Haare sind übrigens irgendwie total aufgeladen und stehen mir zu Berge. Wie ich das liebe. Ich sehe aus, wie Sideshow Bob von den Simpsons nur mit deutlich dünneren und fusseligeren Haaren. 



An den meisten Tagen dieser Woche weckte mich der gemeine Wecker zu einem viel zu frühen Zeitpunkt aus meinen wundervollen mit Einhörnern und Sternenstaub versehenen Träumen. Das Nüchterntraining wartete auf mich. Entweder Rudern, Ergometer oder eine Kombination aus Rudern und Crosstrainer standen diese Woche auf dem Plan. Ergänzend folgte nach der Ausdauereinheit dann noch etwas Mobility und ein paar Übungen mit dem eigenen Körpergewicht. Nach dem Frühsport freue ich mich jedes Mal wie verrückt über das Frühstück. 


Und dieses hat sich im Laufe der Woche hinsichtlich der Kohlenhydratmenge ordentlich verändert. Mittwochabend hatte ich den ersten Hinweis in meinem Körper auf einen latenten Mangel an Kohlenhydraten festgestellt. Die Beine waren leer und kraftlos. Nach meiner Fahrradfahrt von der Arbeit nach Hause waren die lieben Treter zu Gummibeinen mutiert. Was für eine Metamorphose. Vom Titan-Killer-Bein zum Schwabbel-Gummi-Bein. Da die restliche Woche auch noch geprägt war von mehreren Krafteinheiten gab es demzufolge doppelten Grund die Kohlenhydrate im Essen anzuheben. Mein Mittagessen bereite ich jeden Morgen nach dem Frühstück frisch zu und nehme es in einer Plastikschüssel mit auf die Arbeit. So ist mein Tag da "draußen" immer sicher und die Gefahr von ungesunden Mittagssnacks ist so gut wie 0. 



Desweiteren gab es diese Woche zwei Neuigkeiten zu meinem Gesundheitszustand. Zum Einen sind die Fäden gezogen und ich bin nun frei von jeglichen Fremdmaterialien. Desweiteren hat mir ein Arzt nun diagnostiziert, dass meine schmerzende Vene unter einer Thrombose leidet und dieses Gefäß nun kaputt ist. Es wird vernarben und seine Tätigkeit als "Schlauch" zwecks Blutabtransport einstellen. Der Körper wird sich einfach umorganisieren und neue Gefäße schaffen, die den Job von nun an übernehmen. Die Gefahr, dass sich der Thrombus löst und eine Embolie auslöst sei wohl nicht gegeben. Warum dies entstanden ist, erklärte der Doc damit, dass wohl zu viel Narkose zu schnell in meinen Körper gespritzt wurde. Was musste ich auch so viel reden mit den Schwestern? Hätte ich mal schön den Schnabel gehalten, hätten sie es mit Sicherheit etwas relaxter gemacht. Aber egal. Mittlerweile tut das Thrombosen-Mopped an meinem Arm auch nicht mehr weh und ich kann ohne Einschränkungen trainieren, essen und mir die Schuhe zu machen. 


Ansonsten habe ich mich mittlerweile gedanklich und sogar auch schon körperlich mit meinem neuen Fernstudium zur Entspannungstrainerin angefreundet. Flow Yoga, Atemübungen und Mentaltraining gehören schon seit längerem zu meinem Trainingsalltag, aber ich gestehe, dass ich hier auch gerne mal schwächel. Aber nicht jetzt. Ich lerne und verinnerliche es. Ohhhmmmm.


Der Kumpel hier im Bild hat kein Entspannungstraining mehr nötig. Er saß neulich als ich im Keller meinem Ausdauertraining nach ging in einer Ecke und machte mich nervös. Meine Güte er war beinahe so groß wie ich, hatte dazu aber noch einen fetten Panzer und vier Beine mehr als ich. Grund genug, um Respekt vor dem Kerl zu haben. Als mein Freund ihn dann netterweise mit einem Glas einfangen und nach draußen setzen wollte, konnten wir leider nur noch seinen Tod fest stellen. Seit dem sitzt er als Anschauungsmaterial bei uns auf dem Esstisch. Neben meinen Titanschrauben sorgt er für eine weihnachtliche Atmosphäre. Ich kenne mich aus mit Deko und Feng shui.

So und zu guter letzt kann ich auch noch vermelden, dass ich mein süßes Pony auch endlich wieder etwas bespaßen kann. Auch wenn es noch nicht zum reiten reicht, so kann ich wenigstens wieder Zeit mit ihm verbringen. Zeit mit Tieren hat auch etwas wahnsinnig entspannendes und lösendes. 


In diesem Sinne starte ich nun in ein total entspanntes Wochenende. Der Samstag steht gänzlich im Zeichen der Regeneration. Sonntag gibt es die erste Mammut-Nüchtern-Einheit auf dem Ergometer. 80 min. Ob mein Hintern mir das jemals verzeihen wird?


Fallnummer 41843212 - Part 2 – 

Es ist der 22.11.18 und ein dunkler, trüber Donnerstag. Ich habe wieder angefangen zu arbeiten. Gestern hatte ich meinen ersten Tag in der wilden Arbeitswelt, wenn auch nur für ein paar Stunden. Nach 5 Minuten war mir klar, dass ich mal wieder ein paar Gänge zu langsam bin für das Alltags-Tempo. Ich bemühte mich einen Kompromiss zu finden zwischen einer angemessenen Schnelligkeit und einem Bewegungsmuster, dass keinerlei Schmerzen in meinem Knöchel und meiner Wunde auslöst. Nicht ganz so leicht. Und tatsächlich musste ich feststellen, dass mein Fuß bzw. Bein noch nicht so weit ist für das normale Maß an Gehstrecke im Arbeitsalltag. Daher habe ich mich not gedrungen öfters mal in sitzende Positur verfrachtet. Meine Gedanken wanderten immer wieder zu meinem Vorhaben. Zu meinem persönlichen Battle mit der Marathon-Distanz. Ein merkwürdiger Gedanke in Anbetracht meiner derzeit ramponierten Verfassung. Ich konnte keine 100 m flüssig gehen und vor meinem geistigen Auge blitzte immer wieder die Röntgenaufnahme von meinem durchlöcherten Wadenbein auf. Dort wo sich die letzten neun Monate sieben Schrauben heimisch gefühlt haben, klafften nun viele Löcher. Aber ich hatte nun mal Zeit. Es gab keinen Grund zur Sorge. Ich hatte schließlich fünf Monate. Knapp 22 Wochen. Ob ich mich wohl schon anmelden sollte? Ich war mir nicht sicher. Irgendwas in mir war da ein Spürchen unsicher.

Ein kleiner Teil in mir wollte nicht mehr planen. Letztes Jahr waren meine sportlichen Pläne mit einem kurzen, schmerzhaften Knacks dahin gewesen. Aber nicht so 2019. Also los, einer Anmeldung stand nichts im Weg. Metro Marathon 2019. Eine große Runde durch die Stadt, in der ich das Licht der Welt entdeckt habe. Die Strecke sieht mit etwas Fantasie oder den richtigen Medikamenten aus wie vierblättriges Kleeblatt. Auf dem Weg in mein privates Fitness Studio hängt die Startnummer von 2015 und erinnert mich täglich an den Kampf, den ich dort bereits ab Kilometer 9 hatte. Ich werde auf den passenden Moment warten, um dann meine Anmeldung ausgiebig zu zelebrieren.

 Aber jetzt werde ich langsam wieder ein normales Maß an Beweglichkeit und Belastbarkeit erarbeiten. Jeden Tag ein bisschen mehr. Ein paar Schritte mehr. Mein Bein bekommt erst mal nur ein Schonprogramm. Die Zeit in der ich viele Kilometer schrubben werde und diese entspannte Zeit der Faulheit zurück haben möchte, wird früh genug kommen. Meine kleine Thrombophlebitis am linken Arm beschäftigt mich auch noch ein klein wenig. Die Vene zieht hart und sehnig an meinem Handgelenk entlang und schreit bei Berührung garstig auf. Ich kühle, schmiere und wickel. Und rede gut ein auf das brave Ärmchen. Ach wie wundervoll doch ein gesunder Körper ist.

Und wenn man sein Essen immer so plant wie ich, dann hat man auch ohne Training eine gewisse Beschäftigungstherapie. Seit ein paar Wochen versuche ich meinen Fleischkonsum einzuschränken. Dies hat den Hintergrund, dass ich die Massentierhaltung nicht weiter unterstützen möchte. Nicht, dass dies jetzt eine unglaublich neue Erkenntnis ist. Vielleicht habe ich auch nur eine wahnsinnig lange Leitung in mancher Hinsicht. Vielleicht bin ich auch zu bequem bestimmte Dinge in meinem Leben zu ändern. Ich glaube, ich habe dieses Thema lange Zeit verdrängt und von mir weg geschoben.

Der Mensch benötigt Fleisch als Eiweiß- und Eisenquelle. Auch verschiedene andere Vitamine sind aus dem Fleisch wesentlich besser verfügbar, als aus den pflanzlichen Produkten. Allein diese Tatsache hat mich immer von dem vegetarischen Gedanken fern gehalten. Und ich werde auch nun kein Vegetarier werden. Aber ich werde nun sehr viel weniger Fleisch essen und wenn dann nur noch ausgewähltes Fleisch von der Kuh um die Ecke. Als Ersatz gibt’s viele Bio-Eier, Bio-Lachs und Hülsenfrüchte wie zum Beispiel meine geliebten Kichererbsen, die ich immer am Abend vorher in einem Glas Wasser einlege. Ich liebe es am nächsten Morgen die monstermäßig angeschwollenen Erbsen aus dem Kühlschrank zu fischen.

Nun gut, neben meinen Bemühungen Stück für Stück ein umsichtigeres Menschlein zu werden, werde ich mich nun noch weiterbilden zum Entspannungstrainer. Aber dies wird noch nicht alles sein. Es werden noch weitere Ausbildungen und Änderungen folgen, um meinen Horizont noch etwas zu weiten. Denn da geht noch was in meinem Oberstübchen.

Und nun soll dies für den Moment reichen. In Sachen Training kann ich noch nicht viel berichten. Zwei „Sitzungen“ zu jeweils 45 Minuten hatte ich diese Woche bereits auf meinem Ergometer. Dies funktioniert sehr gut, da mein Bein und im Speziellen mein Sprunggelenk dabei sehr ruhig und ohne große Belastung ist. Außerdem habe ich schon ein paar kleine Mini-Workouts gemacht mit erschreckend schlechter Ausdauer und Muskelkater-Ausbeute. Was ist denn da los? Nach einer Woche bekomme ich nen‘ Kater von Sachen, über die ich letzte Woche noch gekichert hätte. Naja, ohne Titan-Energie läuft der Hase halt anders.

 

 

Fallnummer 41843212 - Part 1 - 

Es ist Sonntag, der 18. November. Ein klarer, sonniger Tag mit einem Hauch von Winter in der Luft. Für mich schließt sich gerade ein kleines Lebenskapitel. Ein Kapitel aus dem ich noch nicht zu 100 % schlau geworden bin. Aber warum muss man auch immer alles verstehen. Vor ziemlich genau neun Monaten hatte ich Geburtstag und habe mir selbst als kleines Überraschungsgeschenk mein rechtes Wadenbein gebrochen. Offizielle Diagnose: Weber-B-Fraktur. 

Eine Jahresplanung ging schneller zu Ende, als ich Weber-B-Fraktur sagen konnte. All meine Wettkämpfe und Pläne waren im Hand um drehen bzw. im Knöchel umdrehen Vergangenheit. Eine neue Aufgabe erfüllte mein kleines Menschenleben. 


Lerne erstmal wieder Laufen und mach das Beste aus Deiner Zeit. Ich bemühte mich das vermeintlich Positive aus der ganzen Sache zu machen, schrieb ein weiteres Buch zu meinem Lieblingsthema Ernährung und versuchte in sportlicher Hinsicht irgendwie am Ball zu bleiben. Beruflich versuchte ich mich auch irgendwie weiter zu entwickeln und fühlte mich bei allem was ich tat etwas ausgebremst und nicht wirklich überzeugt. Dennoch funktionierte einiges, aber andere Dinge klappten vorne und hinten nicht. War das normal oder einem generell nur mittel verlaufenden 2018 geschuldet? Irgendwie fehlte an vielen Stellen der richtige Spirit und die Überzeugung. Wohin wollte ich eigentlich genau? Bei allen Fragen stolperte ich als allererstes über diesen Haufen Titan in meinem Knöchel. Ich musste nämlich noch einmal unters Messer. Im Laufe der Monate hatte ich einiges veranstaltet, damit sich mein Knöchel und mein Gelenk ordentlich entwickelt, nicht steifer oder unbeweglicher wird. Ich wollte irgendwann wieder richtig laufen können. Auch mit Titan konnte ich wieder ganz schön gut laufen. Das Laufen hatte sich die letzten Wochen wieder richtig dynamisch angefühlt. Aber dann rückte diese Operation näher. Mit jedem Krankenhausbesuch fühlte ich mich kränker und gebrechlicher und das obwohl ich nur eine Materialentfernung vor mir hatte. Der Operationstermin stand fest: 14. November 2018. Ich hatte Angst. Keine Frage. 

Zwei Tage vor der Operation musste ich zwecks Voruntersuchung ins Krankenhaus. Blutabnahme, Aufklärung und eine allgemeine Anamnese, in der mein physischer und psychischer Zustand erfasst wurde. Als ich auf die Aufklärung des Anästhesisten wartete, ließ ich meinen Blick über die Anamnesebögen schweifen. Appetit: Ja, Erscheinungsbild: stabil, Psychisch: unauffällig. Ich musste grinsen. Unauffällig. Stabil. Und mit gesegnetem Appetit. Die Ärztin hatte mich gar nicht gefragt, ob ich Appetit hatte. Aber anscheinend sah ich auf Grund meiner "Stabilität" nach gutem Appetit aus. Nach einer ziemlich einsilbigen Aufklärung eines eher unmotivierten Anästhesisten war ich an diesem Tag fertig mit meinem Krankenhausbesuch. Ich durfte nach Hause. 

Zwei Tage später fand ich mich um 7:00 Uhr morgens nüchtern wieder im Krankenhaus ein. Ich war gefasst, aber dennoch feierte mein Sympathikus ein riesen Fest. Ich war aufgeregt wie vor einem Marathon. Mein Magen-Darm-Trakt hatte sich schon zeitig von allem entledigt, was er nicht mehr benötigte und meine Hände waren klamm und eiskalt. Obwohl ich fröstelte, hatte ich nasse Achseln. Ich mag diesen Zustand nicht. Aber was solls. Ich war ansonsten relativ entspannt und machte Witze mit den Schwestern. 

Wie bei meiner ersten Operation musste ich relativ lange auf meinem Zimmer warten. Ebenfalls wie bei meiner ersten Operation war ich auf der Station der Onkologie untergebracht. Auf meinem Zimmer wartete eine ältere Dame mit einem Speiseröhrenkrebs im ersten Stadium auf ihre Entlassungspapiere. Sie erzählte mir ihr halbes Leben und der bevorstehende Eingriff an meinem Wadenbein fühlte sich schlagartig belanglos an. Dennoch blieb mein Nervensystem im Fluchtmodus. Gegen kurz nach zwölf bekam ich dann endlich meine Prämedikation. 7,5 mg Dormicum und 600 mg Ibuprofen. Ich genoss die paar Tropfen Wasser mit denen ich die beiden Tabletten runter spülte. Seit halb sieben heute morgen hatte ich keinen Tropfen mehr getrunken und von der Nervosität einen ganz trockenen Mund. Um 12:30 Uhr kamen zwei super liebe Schwestern, lösten die Bremsen meines Krankenbettes und brachten mich ins Erdgeschoss, in die Chirurgie. Es ist ein merkwürdiges Gefühl im Krankenbett durch die Gegend gefahren zu werden. Selbst wenn man gesund ist, wird einem ganz schummrig. Mein Blick flog über die Decke und Lampen des Krankenhauses. Die Fahrt bis zur Schleuse ging viel zu schnell und dann musste ich mich von meinem Freund verabschieden, der mich nur bis hier hin begleiten durfte. Nun wurde es steril, kalt und ungemütlich. Das Dormicum, was mich hätte schon etwas einschläfern sollen, machte gar nichts. Ich war hellwach, gesprächig und albern. Also alles wie immer. Aus meinem Krankenbett musste ich mich auf eine Art "Fließband" hiefen. Ich witzelte, dass ich mich fühle wie ein Stück Bio-Lachs beim ALDI auf dem Kassenband. Die Schwestern lachten. Vom Fließband wurde ich auf den sterilen Metalltisch verfrachtet, der mich schlussendlich in die Metzgerei... sorry ich meinte in den Op brachte.  

Ich kam in den Vorbereitungsraum. Ich erzählte der Ärztin, dass es etwas problematisch gewesen war beim letzten Mal einen Zugang zu legen. Sie bedankte sich für die Information und bemühte sich eine meiner linken Handvenen davon zu überzeugen hervor zu kommen. Mit viel Mühe schaffte sie es und legte eine zart rosafarbene Verweilkanüle in meine Handvene. Und schon hatte ich eine Maske mit Sauerstoff vor der Nase und spürte sofort etwas brennendes in meinen Arm laufen. "Ist das das Fentanyl?" fragte ich durch die Maske. "Ja." bekam ich zur Antwort. Ich redete weiter und fragte nach dem Propofol. "Das läuft auch schon." Ah. Ich redete weiter. Weder der Sauerstoff, noch das Propfol schienen mich mundtot zu machen. Die Schwestern und die Ärztin guckten sich etwas irritiert an. "Gib ihr 150." Und mit einem Mal ging mein Licht aus. Bam! 150 also. Wie mir Dr. Google nachher verriet war ich am oberen Ende der Propofol-Dosierung. Aber was will man erwarten von einem Körper, der sich sonst durch 1000 Kniebeugen durch beißt? 

Ich öffnete meine Augen und richtete mich auf. "Habe ich wieder Atropin bekommen?" rief ich der Schwester am anderen Ende des Aufwachraums zu. Sie blickte überrascht zu mir rüber. Sie blickte in meine Akte und verneinte meine Frage. "Darf ich meinen Fuß sehen?" Ich wollte unbedingt schauen, ob noch alles da war. Ich probierte die Zehen zu bewegen und tatsächlich bewegte sich etwas unter der Bettdecke. Die Schwester schlug die Bettdecke auf. Da war. Ein prächtiger orange eingefärbter Fuß, eingewickelt mit einer Mullbinde. Gott sei dank. Alles war gut verlaufen. "Habe ich schon Dipidolor bekommen?" sprudelte es weiter aus mir heraus. Die Schwester fragte nun nach, was ich beruflich machte und antwortete, dass ich nur Novalgin bekommen hatte. Mehr noch nicht. Die Schmerzen krochen langsam in mein Bewusstsein. Beim letzten Eingriff waren die Schmerzen so groß, dass ich gleich mehrere Portionen Dipidolor (Ein Opioid-Schmerzmittel) verlangt hatte. Sowie ein Päckchen Paracetmaol i.v. Diesmal bekam ich nichts weiter und wurde direkt wieder aufs Zimmer gebracht. Im Zimmer blickte ich auf die Uhr. Es war gerade mal 13:30 Uhr. Vor einer Stunde war ich abgeholt worden. Meine Güte, das ging in der Tat genauso schnell wie das Abscannen eines Bio-Lachses an der Kasse. Ich hatte Hunger und wollte mein Essen. Die Schwestern wollten allerdings noch etwas Zeit vergehen lassen. Besser ist das wohl nach der Narkose. Um 14:30 Uhr bekam ich dann endlich mein Essen. So viel zum Thema Appetit:Ja. 

Den restlichen Tag verbrachte ich mit trinken und der Ausscheidung des zuvor Getrunkenen. Meine Niere schien auf Hochtouren zu arbeiten, um die ganzen Medis auszuspülen. Da ich noch nicht aufstehen sollte, bekam ich mehrmals ein "Steckbecken" gereicht und so wurde mein Bettchen nicht nur zum Esszimmer, sondern auch zur Kloschüssel. Ein wirklich nur mittel schönes Gefühl. Aber nun denn, was solls. Nach ein paar wunderbaren Momenten auf der Bettpfanne bekam ich dann mein eigenes Klo auf Rädern. Ein "Drive ins Klo" quasi.

Damit bewegte ich mich den restlichen Tag fort. Auf meinem Zimmer herrschte ansonsten Leere. Außer meinem Klowagen und meinem mitgebrachten Glücksbringer-Kuscheltier Bone war keiner da. Abends bekam ich noch mein Abendessen gebracht. Aber ansonsten war ich alleine. Einzelzimmer ist natürlich super, aber sooooo alleine war es irgendwie auch nur mittel. Aber man hat ja immer etwas zu mosern. Was mich irritierte war die Tatsache, dass ich keinerlei Schmerzmittel bekam. Beim letzten mal hatten sie mich damit zugeworfen und nun hatte ich selbst nach dem Eingriff nichts bekommen. Also gar nichts. Es war noch nicht einmal ein Arzt vorbei gekommen, um zu pusten oder mir zu sagen, dass alles gut verlaufen ist. Aber ich dachte mir, wenn irgendwas nicht so gelaufen sein sollte, dann hätte ich es mit Sicherheit schon längst erfahren. Und so blickte ich beruhigt in einen wunderschönen Sonnenuntergang und versuchte zu entspannen. Alles war gut. 

Nach einer mittelmäßigen Nacht bekam ich dann beim Frühstück Besuch von meinem Arzt. Natürlich hatte ich gerade einen großen Bissen in mein Brötchen gemacht und mir hing wie immer 30 % des Frischkäses in meinem Gesicht, als die Tür aufschwang und die Visite herein kam. Ich sag nur: Appetit: ja. Mehr muss man dazu wohl nicht sagen. 

Nach einem netten Gespräch mit meinem Chirurgen und dem Öffnen des Verbandes, bekam ich grünes Licht für die Entlassung. Nur noch einmal Röntgen und dann ab nach Hause. Die letzte Hürde ist geschafft. 


Beim Warten auf die Entlassungspapiere bekam ich noch eine neue Zimmernachbarin. Eine Bekanntschaft, die mich tief in meinem Herzen traf. Eine Lebensgeschichte, die einem zu denken gibt. Es gibt Schicksale, die einem wirklich so sehr unter die Haut gehen, dass sich fast schon eine chronische "Gänsepelle" einstellt. Ich bin sehr dankbar für diese Bekanntschaft oder vielleicht sogar Freundschaft, die sich innerhalb von ein paar Stunden entwickelt hat. Ich wünsche ihr alles Gute und alle Kraft dieser Welt für den Kampf gegen den Krebs. Und schon wieder wird mir klar, wie lächerlich ein Beinbruch ist. Eine temporäre Einschränkung. Mehr nicht. 

Nun sitze ich zu Hause und denke über meine nächsten Lebensschritte nach. Ich bin hin und her gerissen von verschiedenen Ideen und Inhalten. Und wahrscheinlich werden verschiedene Funken einfach im Alltag erlöschen. 
Aber einen Funken möchte ich beschützen und hüten. Will ihn weiter befeuern. Er soll nicht ausgehen. Es ist der Funken des Marathons. Ich würde gerne zurück. Und ich habe auch einen Ort. Einen Marathon. Es war mein erster im Jahr 2010 und der schwierigste im Jahr 2015. Nun soll er herhalten für mein Comeback. 

Die Fallnummer 41843212, meine Krankenhausnummer, macht sich auf den Weg. Dies hier war Part 1. Es sind gut fünf Monate bis zum Termin. Und jetzt werde ich erstmal meine Wunden lecken. Mein Bein und meinen venösen Zugang. Denn dieser hat sich wiedereinmal entzündet. Ein kleiner, harter Thrombus sitzt ein paar Zentimeter hinter dem Einstich und tut schrecklich weh. Zum Glück sind die Entzündungszeichen nur sehr leicht ausgeprägt. Es tut mehr weh, als es den Anschein macht. Genug gejammert. 

Auf gehts. Der Winter steht in den Startlöchern. Und mit ihm die ersten Schritte ohne Titan. 


Donnerstag, 08. November 2018

Gewicht: 62,6 kg

Liebes Tagebuch,

eine Woche Urlaub liegt hinter mir. Eine Woche voller Erholung, Essen und sportlicher Betätigung. Diesen Urlaub hatten wir bereits Anfang des Jahres geplant. Ziel dieses Urlaubes war noch mal eine kleine Stippvisite in die Sonne zu unternehmen und die letzten Tage vor meiner zweiten Operation mit allen Sinnen zu genießen. Einmal mit Titan unter Palmen liegen.

Wir hatten uns für Gran Canaria entschieden. Eine Insel, die alles zu bieten hat, was das Herz begehrt. Strand, Palmen, Dünenlandschaften und Berge. Und natürlich ein tolles Hotel mit leckerem Futter, schönen Pools und einer kleinen, gut bestückten „Mucki-Bude“.

Auf dem Hinflug ließ ich das Jahr Revue passieren. Meine Güte, wo war es nur geblieben? Ich weiß noch ganz genau, wie wir anfänglich meiner Rekonvaleszenz nach den ersten Monaten mit versorgtem Wadenbeinbruch diesen Urlaub gebucht hatten. Ich hatte mir überlegt vor meiner Materialentfernung noch mal eine richtige Auszeit zu nehmen. Eine unter Palmen. Eine zum erholen. Und nun war es soweit. Und mit dieser Auszeit war auch die Materialentnahme in greifbarer Nähe. Würde ich diesen Urlaub überhaupt richtig genießen können? Denn vor mir lag diese gruselig OP. Würde diesmal der venöse Zugang einen besseren Weg in meine Venen finden? Würden die Operation und die Narkose genauso gut verlaufen, wie die erste? Und wie stark werden die Schmerzen nach dem Aufwachen werden? Wieder so stark, dass zwei Portionen eines Opioidanalgetikums nicht ausreichen würden? Naja, bei meiner ersten Operation wurden sieben Löcher in mein Wadenbein gebohrt und danach mit Schrauben versehen. Nun würden die mittlerweile festgewachsenen Schrauben NUR raus geschraubt werden. Sprich: Schnitt, das bisschen Fleisch über dem Knöchel auseinander klammern, Schrauben raus drehen und das ganze Schlamassel wieder zu nähen. Eigentlich ganz easy. Wäre da nicht meine unangemessene Angst vor der Narkose. Irgendwie macht es mir Angst von einem Medikament so von der Welt geholt zu werden. Aber nun gut, ich sollte aufhören mich anzustellen wie ein kleines Mädchen. Es gibt bei weitem Schlimmeres. Und aus diesem Grund habe ich meinen Urlaub Tag für Tag und Stunde um Stunde genutzt und genossen. Wahrscheinlich wie noch nie. Ich habe mein Handy ausgemacht und war einfach nur mit leben beschäftigt.

Morgens vor dem Frühstück ging es entweder auf der Strandpromenade auf einen Nüchternlauf oder aber in den Pool ein bissl Schwimmen.

Letzteres fiel mir allerdings besonders schwer, da ich schwimme wie ein Zementklotz. Das Frühstück danach schmeckte dann besonders gut.

Nach dem Frühstück ging es dann an den Pool, den Strand oder in die Berge. Zum Mittagessen gab es nur eine kleine Quarkspeise mit ein paar mitgebrachten Supplementen (Hefeflocken, Weizenkleie,  geschroteten Chiasamen, Lecithin und Paranüsse). Dazu Verschiedenes an regionalem Obst. Danach ging es dann wieder an den Pool. Entweder zum Plantschen, Lesen oder zum Kniffel spielen. Bei den unzähligen Spielen habe ich genau einmal gewonnen, was zeigt wie groß mein Glück im Würfel-Spiel ist. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht. Zwischendurch habe ich dann all meine Kreativität mobilisiert und habe mir ein Nachmittagsworkout geschrieben. Und so ging es dann jeden Tag gegen 16 Uhr in das hoteleigene Gym.

Dort habe ich mich dann für ca. eine Stunde mit Mobilisierungs-, Beweglichkeits- und anderen lustigen Übungen ausgetobt. Auch meine Faszienrolle und mein Lacrossball durften etwas Gran Canarische Luft schnuppern. Während andere Urlauber für jeden Tag ein tolles Kleid oder Kostüm mit in der Reisetasche hatten, waren in meiner Reisetasche eine Faszienrolle, ein Terraband, ein Lacrossball, zwei Liegestützbügel, ein Paket Weizenkleie, Hefeflocken, Chiasamen, Lecithin, Paranüsse und Gelatine. Keine Spur von schicker Garderobe und stylischen Anziehsachen. Meine Klamotten hatten lediglich funktionellen und sportlichen Charakter. Meine Abendgarderobe unterschied sich nicht sonderlich von jener, mit der ich mich in der „Mucki-Bude“ schwitzte. Aber da ich mich so am wohlsten fühle und ich mich in Kleidern nur „verkleidet“ fühle, ziehe ich auch nur das an, in dem ich mich „echt“ fühle.

Während unserer ganzen Urlaubstätigkeiten haben wir immer wieder die Menschen beobachtet. Morgens beim Reservieren ihrer Liegen oder morgens und abends am Buffet. Ich beobachte liebend gerne Menschen. Fast genauso interessant wie das Begutachten von Einkaufswagen ist das Inspizieren der Teller. Denn das was die Menschen so auf ihren Teller laden, entspricht in den allermeisten Fällen ihrer optischen Verfassung. Um das mal ganz neutral zu formulieren. Ich gestehe, dass ein noch längerer Aufenthalt in diesem Hotel auch meine optische Verfassung verändert hätte. Denn allein nach einer Woche hatte ich ein Plus von 2 kg auf der Waage zu verzeichnen. Aber was soll es. Das Essen war einfach zu lecker. Dagegen kam ich selbst mit meiner eisernen Disziplin nicht an. Und wollte es auch nicht. Ich wollte doch jeden Moment genießen und wenn das Resultat dann halt ein Zustand war, in dem man sich nicht mehr bewegen konnte, dann sollte es halt so sein. Jeden Abend dachte ich mir, dass ich vielleicht am nächsten Tag nicht ganz so viel von diesem leckeren Buffet in mir aufnehmen würde und jeden Tag aufs Neue wurde ich Opfer dieser leckeren Speisen. Keine Chance.

Menschen im Urlaub finde ich spannend. Eigentlich sollten sie voller Freude und Losgelassenheit ihr Leben genießen. Aber statt dies einfach zu tun, sind sie zu sehr damit beschäftigt, dass alles perfekt sein muss. Nun kann man natürlich nie alle über einen Kamm scheren, aber ein Großteil der klassischen Hotel-Urlauber ist primär daran interessiert, dass der Urlaub perfekt ist. Sie wollen ihre eigene Liege in perfekter Lage und den schönsten Tisch im Restaurant. Sie pressen ihre von der Sonne verbrannten Körper in schicke Kleider und stolzieren erhaben zwischen den üppigen Essenangeboten hin und her. Ich bin von Natur aus offen und lächel die Menschen an. Dies führt sehr oft zu irritierten Reaktionen, weil nicht jeder Mensch damit zu Recht kommt einfach angelächelt zu werden. Anders ist es bei den Reaktionen von Menschen auf kleine Kinder. Kinder erzeugen in den allermeisten Menschen instinktiv ein freudiges Lächeln, aber erwachsene Menschen und ich zähle mich mal mit meinen enormen 1,65 m und 34 Lebensjahren dazu, erzeugen diese Reaktion nicht mehr. Aus irgendwelchen Gründen verlieren viele Menschen das instinktiv freudige Verhalten anderen „ausgewachsenen“ Menschen gegenüber. Vielleicht liegt es auch an meinem debilen Gesichtsausdruck und die Menschen empfinden eher Angst, wenn ich sie angrinse. Wie dem auch sei, ich kann nichts dafür und werde nach wie vor meinem Bestreben Menschen mit einem offenen und freundlichen Gesichtsausdruck zu begegnen, nach gehen. Auch wenn der ein oder andere mich damit vielleicht als schlecht gekleideten Psychopathen abstempelt. Sei es drum. Ich mag es.

Der Urlaub ist nun vorbei. Ich konnte die Zeit nicht daran hindern zu verrinnen. Keine einzige Sekunde konnte ich davon überzeugen langsamer zu vergehen. Und jetzt ist es an der Zeit für das mäßig stylische Menschlein sich auf den Krankenhausaufenthalt vor zu bereiten. Nächste Woche ist es soweit. Schnipp, schnapp, Beinchen auf, Titan raus und Beinchen wieder zu. Ganz einfach. Ohm. Ich bin entspannt und voller positiver Energie. Glaub ich. Vielleicht. Mal gucken… oder… Nein, wirklich. Ich bin sowas von entspannt und positiv. Punkt.


Sonntag, 28.10.18

Gewicht: 61,1 kg

Liebes Tagebuch,

es ist mal wieder Sonntag und es sind mal wieder einige Wochen vergangen seit meinem letzten Beitrag. Man sollte meinen, dass sich in so viel verstrichener Lebenszeit auch genügend Schreibstoff angehäuft hat. Vielleicht etwas Unterhaltsames, Lustiges, Informatives oder gar Inspirierendes. Aber nein, ich muss gänzlich enttäuschen. Es ist nicht viel passiert. Bis auf ein paar Kleinigkeiten. Mein Trainingszustand hat sich in so fern geändert, als das ich weniger trainiere, um meinen Körper auf die bevorstehende Operation vorzubereiten. Nicht, dass er dann wieder von heute auf morgen aus einem riesenhaften Aktivitätszustand heraus gerissen wird. Desweiteren betreibe ich etwas Muskelaufbau durch Crosstraining, aber das hatte ich hier ja bereits erwähnt. 

Laufen tue ich derzeit 3-4 mal wöchentlich nüchtern vor dem Frühstück. Ein etwas mäßiger Genuss, da es dabei in der Regel immer noch stockdunkel ist. Bezüglich meiner Operation hatte ich vergangenen Mittwoch meinen Termin im Krankenhaus, zwecks Röntgenaufnahme und Terminplanung. Wie man auf diesem Bild wunderbar erkennen kann, ist alles prächtig zusammengewachsen und darf somit operiert werden. 

Ich habe ehrlich gesagt wirklich Angst vor der Operation auch wenn es ein Routine Eingriff ist. Aber gerade die Routine ist oft gefährlich. Aber wenn es danach geht, müsste man jeden Tag Angst haben, wenn man seine Füße vor die Haustüre setzt. Schließlich kann bei dem Weg zur Arbeit bereits einiges passieren. Aber das habe ich ja schließlich auch nicht, sondern das tiefe Vertauen und die positive Einstellung, dass ich gesund auf der Arbeit ankomme und das alles gut geht. Und mit dieser Einstellung versuche ich auch an diese Operation heran zu gehen. Außerdem habe ich den besten Unfallchirurgen überhaupt. Was soll da noch schief gehen?! Bezüglich meiner aktuellen Zielsetzung bin ich derweil etwas unschlüssig. Ich war noch nie in meinem Leben so unschlüssig. Obwohl doch...nach dem ABI war ich das auch. Dieser Operationstermin schwebt seit ein paar Monaten, wie eine kleine Regenwolke über mir und wartet darauf endlich ihren Regen auf mich herab zu lassen. Wie nass ich danach sein werde, weiß ich nicht. Wie mein gesundheitlicher Zustand dann sein wird, weiß ich auch nicht. Aber wie auch eben mit dem Weg zur Arbeit schon geschrieben, eigentlich weiß man mit Sicherheit nie, wie es einem in zwei, drei oder sechs Monaten geht. Wir gehen nur immer davon aus, dass alles soweit beim Alten ist bzw. womöglich noch besser. Vielleicht hat man ein paar lästige Kilos weniger, man kann vielleicht schneller laufen oder mehr Gewicht heben oder die ein oder anderen Schmerzen sind besser geworden. Nun denn, wie auch immer es sein wird und in welche Richtung ich gehen werde, wird spontan entschieden, wenn die Zeit gekommen ist. Ich werde einfach mal meinen Blick schweifen lassen und gucken wo es ganz schön aus sieht und dort werde ich dann hin gehen. Dabei werde ich versuchen auf die inneren Stimmen meines Körpers zu hören. Auf die große Kraft der Gefühle. Ein schwieriges Unterfangen, denn wenn ich im Moment auf diese Gefühle hören würde, dann würde ich mich schließlich nicht operieren lassen, weil ich schlicht und ergreifend Angst habe. Ich habe Angst vor der Narkose, vor dem Ausschalten, dem Kontrollverlust über meinen Körper. Auch wenn ich etwas Ähnliches jede Nacht beim Schlafen selbst konstruiere. Ich habe natürlich auch Angst vor dem Aufgeschnitten werden. Vor allen möglichen Komplikationen, mit denen ich mich jetzt allerdings gar nicht auseinander setzen möchte. Der Titan-Kram ist definitiv ein Störfaktor in meinem Knöchel und möchte dort wieder abgeholt werden. Punkt. Keine weiteren Diskussionen über die Sinnhaftigkeit der Materialentnahme. Der Termin steht. Die Tage des Titans sind gezählt. Jetzt mache ich noch kurz Urlaub und dann geht es ins Krankenhaus. Und nun wünsche ich Dir eine gute Zeit. Bleib gesund und pass gut auf Dich auf. Auf jedem weg zur Arbeit und jeder Routine, die Du jeden Tag so verarbeitest. Danke für das Lesen und Deine Interesse. 

Sonntag, 30. September 2018

Gewicht: 60,4 kg

Liebes Tagebuch,

diese Woche habe ich das erste Mal wieder die 61 kg gesprengt. Mit 61,5 kg in der Spitze hatte ich somit gute 3 Kilogramm mehr als noch vor ein paar Monaten. Mein Idealgewicht nach stumpfen Formeln ist demnach weit entfernt, aber zum Glück interessiert mich das nicht die Bohne. Es fühlt sich zwar manchmal etwas "prall" an, aber nun ja pralle ist ja durchaus ein Begriff, der etwas Positives implizieren kann. Also warum die Gewichtszunahme? Ich trainiere derzeit bis auf Samstags, wo ich meinen Ruhetag zelebriere, zwei mal täglich. Morgens renne ich meine Nüchtern-Laufeinheiten ab und habe dafür sogar schon meine Lampenausrüstung rausgekramt. Denn die dunkle Jahreszeit hat für meine Nüchternläufe bereits begonnen. Um sechs Uhr hat die Welt die Lampen noch nicht an bzw. nur die Straßenlaternen und nicht die große Sonnen-Funzel am Himmel. In Abhängigkeit von meiner noch wartenden zweiten Einheit gestaltet sich dann mein Post-Lauf-Frühstück. 

An den Tagen mit Workout und dementsprechend mehr Kraftkomponente gibts mehr von den fröhlich machenden Kohlenhydraten. Nach dem Frühsport folgt eine unterschiedlich gestaltete Phase der Geldbeschaffungsmaßnahme. Entweder in der Apotheke, im Personal Training, in der Ernährungsberatung oder bei Vorträgen und Workshops in Firmen. Bloß keine Langeweile und Eintönigkeit aufkommen lassen. Vor dem Abendessen geht es dann in meine persönliche zweite Trainingseinheit. Diese variiert ebenfalls täglich und je nach Intensität verändert sich danach dann auch die Nahrungsaufnahme hinsichtlich der aufbauenden Kohlenhydrate. So, und nun weißt Du warum ich so schön aufgebaut bin. Es liegt an einem gezielten Aufbau durch verschiedene Kraft-Übungen und einem dementsprechenden Futter. Jetzt mag man denken "Super, die Sache mit dem Aufbauen geht auch einfacher. Morgens, mittags, abends einfach eine Einheit MC Donald's zwischen schieben und evoila die Waage belohnt mich ebenfalls mit Aufbauresultaten." Aufbau ist allerdings nicht gleich Aufbau. Auch wenn der Aufbau von Muskulatur niemals ohne Fettaufbau funktioniert, kann man durch die richtigen Reize (Training) und Nahrungsbestandteile schon Einfluss nehmen auf das Resultat. Wenn man seinem Körper die wichtigen Baustoffe für ein gesundes tägliches Leben serviert, dabei viele natürliche Lebensmittel futtert, hin und wieder eine Nahrungskarrenz duldet, sich bewegt, ein vernünftiges soziales und artgerechtes Lebens praktiziert, dann darf man natürlich zwecks "Aufbau" auch Fast Food essen. 

Aus eigener Erfahrung kann ich aber nur sagen, dass man dies nicht mehr möchte, wenn man besseres Essen gewohnt ist. Denn dann entscheidet man sich ganz unbewusst für das "gute" Essen. Mein Ziel ist es gerade jeden Tag als aktiver Sportler zu genießen und weiter an meinen Träumen zu arbeiten. Denn ich will zurück. Auf die Straße. Also nicht als Obdachloser, nein, in den Wettkampf. Auf die Marathon-Distanz. Aber im Moment ist dieses Ziel noch weit weg und ich trainiere noch unspezifisch. Für Spezifik habe ich noch viel Zeit. Vorher steht mir noch meine Zwangspause bevor. Meine zweite Operation. Der Kontroll-Termin rückt erschreckend schnell näher. Damit auch die Operation. In ca. 1 1/2 Monaten wird es dann wohl so weit sein. Ein klein wenig Angst habe ich vor der Operation. Auch wenn es Routine ist. Aber vor allem die Routine birgt immer eine Gefahr in sich. Aber ich bin ja optimistisch und will mich mit den etwaigen Problemen nicht zu viel auseinaner setzen. 

Ich habe letzte Nacht bereits von der Operation geträumt. Und es war etwas lustig, da mein Chirurg mit einem Schraubenzieher vor mir stand und meinte "Na, dann wollen wir mal." Ohne Narkose und aufschneiden versuchte er durch die Haut meine Schrauben aus dem Knochen zu drehen. Ein Traum, der darauf schließen lässt, dass an anderer Stelle in meinem Körper nicht alle Schrauben fest sind. 


In diesem Sinne, einen wunderbaren Start in den Herbst mit vielen bunten Blättern, gemütlichen Abenden und jeder Menge festgezogener Schrauben im Oberstübchen


Montag, 17. September 2018

Gewicht: 60,3 kg

Liebes Tagebuch,

hinter mir liegt ein spannendes Wochenende in Kassel. Und nebenbei wieder einmal ein Trainingsblock von drei Wochen. Vor mir liegt eine relaxte Buddha-Woche, in der sich mein Körper mit friedlichen Regenerationseinheiten vergnügen kann. Aber bevor ich Dir etwas von meinem ersten Relax-Tag erzähle, gibt’s ein paar Erlebnisse vom Wochenende.

Ich hatte mich Freitagmittag auf den Weg nach Kassel gemacht, um mich dort zwei Tage mit meinen Büchern auf der Marathon-Expo auszutoben.

Neben einem ganz erfolgreichen Buchverkauf habe ich so wahnsinnig viele tolle Gespräche geführt und nette Menschen getroffen. Unter anderem auch eine liebe Laufbekannte mit ihrem Freund, mit denen ich den Samstagabend bei einem Italiener verbringen durfte. Ganz genau, Du hast schon richtig gelesen, bei einem Italiener. Und gegessen habe ich sogar fürchterlich schreckliche Kohlenhydrate in Form eines krass leckeren Fladenbrotes mit Rosmarin und Olivenöl. Und dieses habe ich nicht nur wegen der ähnlichen Namensgebung gewählt, sondern einfach weil ich Lust darauf hatte. Danach gab es aber auch noch einen Salat mit Rinderfilet-Streifen und ein paar Pizzareste der anderen. Seit nun vier Wochen bin ich was den Kohlenhydratkonsum angeht etwas gelockerter. Ich genieße quasi gerade einen gewissen Aufbau. Dies kann man auch deutlich an meinem Gewicht erkennen. Kohlenhydrate lassen einen wachsen. So viel ist klar. Wenn man den Aufbau von Körperfett limitieren möchte, dann sollte man die Bilanz im Auge behalten. Wer immer mehr ober reinstopft, wird evolutionsbedingt seine Reserven schaffen. Das muss so. Wer Muskeln aufbauen will, der kann die zauberhafte Wirkung der Kohlenhydrate und des Insulins bestens ausschöpfen. Grundsätzlich sollten wir eine gewisse Periodisierung praktizieren. Und dazu gehört immer wieder auch mal Hunger zu haben. Ein schweres Unterfangen in unserem Schlaraffenland. Apropos Schlaraffenland, beim Italiener hatten wir einen wunderbaren Abend mit bestem Futter und einem nachfolgend super spannenden Rückweg zum Hotel. Denn hier sollte ich mein erstes „Geocaching-Erlebnis“ haben. Gegenüber unserer Hotels war in nächster Nähe ein Geocach lokalisiert. Im Dunkeln suchten die beiden ambitionierten „Cacher“ eine große Röhre ab. Denn der Geocach stand unter dem Motto „In die Röhre gucken“. Ich hatte bisher keine Ahnung von diesem Spiel und dachte nur, dass bestimmt nicht diese riesenröhre gemeint ist und dass hier noch irgendwo eine kleine Röhre versteckt ist. Während die anderen beiden die große Röhre im Dunkeln absuchten, suchte ich nach einer unscheinbareren Röhre und wurde an einem Baum fündig. Ich rief die beiden Profis herbei und tatsächlich steckte in dem kleinen Rohr die Geocach-Beute. Ich freute mich wie ein kleines Kind. Irgendwie ein tollen Spiel.

Nach einer erholsamen Nacht im Hotel habe ich mir dann morgens die Laufschuhe geschnürt, um meinen letzten Trainingslauf der Woche zu starten. Heute stand mein „Langer“ an. Und lang ist natürlich in meiner Welt relativ. Also gut, lang ist immer relativ. Für mich ist lang ein Lauf, der zeitlich zwischen 75 Minuten und 120 Minuten liegt. Ich wollte rauf zur Wilhelmshöhe laufen. Es war zehn vor sieben und die Welt schlief noch. Vor dem Hotel auf dem Gehweg musste ich direkt einen kleinen Slalomlauf um ein paar Kotz-Pfützen hinlegen. Hier hatte jemand wohl einen etwas aufregenderen Abendaufenthalt in Kassel erlebt. Ich präferiere da den gesitteten, ruhigen Verlauf mit kleinem Geocach-Höhepunkt und friedlichen Einschlummern im Bettchen. Ich lief in den Park und passierte meinen ersten Geocach-Schatz.

Dann ging es weiter durch einen einsamen Park. Ein wunderschöner Tag mit strahlend blauem Himmel kündigte sich an. Die Luft war noch ganz schön kühl, aber das stetige bergauf Richtung Wilhelmshöhe strengte mich zumindest soweit an, dass mir warm wurde. Nach ein paar Kilometern verließ ich den Park und lief durch die Stadt. Vorbei am Krankenhaus und von dort aus auf die Wilhelmshöher Allee mit Blick auf das Schloss. Ein atemberaubender Anblick für den sich das frühe Aufstehen bereits gelohnt hatte. Ich lief die Allee hinauf und war immer noch ziemlich alleine. Vor mir auf dem Gehweg erblickte ich dann eine ältere Dame, die anscheinend auch schon den frühen Morgen bei einem Spaziergang genoss. Als ich neben ihr war, blickte sie zu mir rüber. Ich blickte in eine fürchterliche Grimasse. Zwei Zähne oben und zwei Zähne unten ragten aus ihrem Mund und sie keifte mich an. „SOWAS MACHEN WIR NICHT!!!“ Ich erschrak so dermaßen, dass ich als einzige Antwort auf diese verbale Attacke nur ein hysterisches Kichern hervorbrachte. Etwas ängstlich forcierte ich das Tempo und rannte was das Laufgestell hergab. Immer wieder gingen mir diese Worte durch den Kopf. „Das machen wir nicht!“ Anscheinend waren zu dieser Zeit nur Leute mit „Ausgang“ unterwegs. Inklusive mir. Ich lief rauf zum Bergpark des Schlosses und drehte mich rum zur Stadt. Die Sonne kroch am Horizont hinauf und strahlte durch die Wilhelmshöher Allee. Der Anblick erinnerte mich an die Bilder, die ich von San Franzisco kannte: die Gleisen der Straßenbahn und das bergige Profil der Straßen. Ich war sprachlos. Das sah einfach wundervoll aus. Ich drehte noch eine Runde im Bergpark und lief wieder zurück zum Hotel.

Nach gut einer Stunde und vierzig Minuten war ich wieder am Hotel und freute mich auf ein opulentes Frühstücksmahl. Aber bevor es soweit war, gab es einen erfrischenden Kokoswasser-Drink und noch etwas Faszientraining mit meinem Tennisball und meiner Faszienrolle. Es war mittlerweile fast neun Uhr und ich überlegte, ob das Frühstücksbuffet wohl schon geplündert war. Mein Magen knurrte und ich war etwas grelle auf die Nahrungsaufnahme.

Ich lachte im Anbetracht der Sorge, dass ich vielleicht nicht mehr genügend Futter abkriegen würde. Als ob, sowas passieren würde. Ich machte in Ruhe meine Faszien-Übungen zu Ende, duschte und zog mich an. Und dann ging es zum Frühstück. Eine Schlange bildete sich an der Anmeldung zum Frühstück. Ein kurzer Alarm meiner Überlebenszentrale schrillte auf. Würde ich jetzt doch verhungern? Nach dem Check-In suchte ich vergebens nach einem freien Platz. Der riesenhafte Frühstücksraum war brechend voll und nirgends ein freier Tisch. Ich fand im Wintergarten einen Tisch, der zwar schon benutzt war, aber an dem keiner mehr saß. Ich bezog mein Lager und machte mich ans Frühstücksbuffet. Die Brötchen-Brot-Abteilung war bereits ziemlich ausgeräubert. Ein anderer Gast neben mir kommentierte den kargen Anblick mit den Worten „Hier ist anscheinend auch schon alles aus geplündert.“ Nun ja, für mich reichte es geradeso noch. Ich stapelte mir einen netten Berg Futter auf den Teller, holte mir eine leckere Tasse Kaffee und genoss mein wohlverdientes Futter. Ein einfach gutes Gefühl, wenn man sich sein Essen erarbeitet hat.

Nach dem Frühstück machte ich noch eine kurze Stippvisite am Auestadion, wo der Zieleinlauf des Halb- und Marathons war. Eine tolle Stimmung erinnerte mich an meinen Zieleinlauf, den ich hier 2015 gehabt hatte. Meine Beine fingen bei den aufkommenden Emotionen an zu zucken. Sie freuten sich irgendwann bald auch wieder zu rennen. Aber nicht heute. Heute ging es nach Hause. Schnurstraks zurück in die bevorstehende Ruhewoche.

Und so begann heute meine Woche mit einem relaxten Barfuß-Lauf in meinen neuen Five-Fingers. So eine Marathon-Messe ist auch immer gut für die Aufrüstung in Sachen Laufschuhe. Ich werde natürlich nicht von den Leguanos auf Five-Fingers umsatteln, viel mehr benutze ich die Five-Fingers gezielt um meine Disposition für einen Hallux-Valgus zu behandeln. Denn durch die Spreizung durch die einzelnen Kammern, kann ich die Tendenz meines linken, dicken Zeh immer weiter nach links zu wandern, verhindern. Normale Schuhe und auch die Leguano-Socke haben hier vorne bei Veranlagung zu viel Zug und drücken den dicken Zeh noch weiter in die Richtung, in die er nicht soll.


Ich bin gespannt, was der Five-Fingers mit meinem dicken Zeh in den nächsten Wochen und Monaten so anstellt. Zum Glück habe ich noch keinerlei Schmerzen oder Probleme mit der eigenwilligen Wanderung des dicken Zehs.

Nach meinem Lauf standen heute nur noch etwas Arbeit und Regenerationsmaßnahmen an. Ein bisschen Mobility, Faszienrolle, Tennisball, Flow Yoga und Kältetraining. Und natürlich jede Menge gutes Futter. Auf Grund der reduzierten Trainingsumfänge auch etwas kohlenhydratreduzierter. Wer nicht viel Pulver verschießt, muss auch nicht viel Pulver nach stopfen. Und nun geht’s weiter in Sachen erholen. Sonntag gibt es wieder eine Runde Wettkampfluft schnuppern. Denn dann werde ich beim Hochsauerland-Waldmarathon in Bestwig meinen Freund supporten, der sich dort in der Königsdisziplin im Langstreckenlauf austobt.


Sonntag, 19.August.2018

Gewicht: 59,4 kg

Liebes Tagebuch,

es sind schon wieder zwei Wochen vergangen. Zwei Trainingswochen. Das bedeutet ich bin kurz davor in eine weitere Regenerationswoche oder auch Buddha-Woche einzutauchen. Diesen Begriff habe ich vor vielen Jahren einmal eingeführt, um der Erholungswoche einen würdigen Namen zu geben. Damals habe ich mich noch auf Marathons und dergleichen vorbereitet. Nun bereite ich mich auf irgendetwas vor, dass noch keine definierte Form besitzt. Im Grunde passe ich mich trainingstechnisch permanent an die Fähigkeiten meines "Titan-Knöchels" an. Ich hatte mir ja vorgenommen nicht mehr so viel auf diesem Missgeschick herum zu reiten und zum reiten lieber mein Pony zu verwenden, aber da diese ganze Geschichte noch nicht aus meinem Leben entfernt ist und mich täglich begleitet, ist es halt nach wie vor noch ein Thema für mich. Ich hoffe, dass sich das mit der Entfernung des Materials irgendwann ändern wird und mich nur noch hin und wieder der Anblick der Narbe an mein Überraschungsgeburtstagsgeschenk 2018 erinnern wird. Aber für den Moment werde ich erstmal so weiter leben. Mit sieben Schrauben im Wadenbein und einer netten Platte. Und wer weiß, wahrscheinlich auch noch mit ein paar lockeren Schrauben im Oberstübchen. 

Mein heutiger Tag startete, wie die meisten anderen Tage der Woche mit einem Nüchternlauf. Ich hatte mir zwar keinen Wecker gestellt, aber meine innere Uhr hatte mich schon um 6:00 Uhr aus dem Schlaf geholt. Aus einem zugegeben schlechten Schlaf. Diese Nacht war eine der unruhigen Sorte und dies lag daran, dass ich am Vortag tatsächlich meinen Chirurg in der Stadt getroffen hatte. Eigentlich hatte mich das Gespräch sehr beruhigt, aber uneigentlich hatte mich die Konfrontation mit der Bevorstehenden Operation etwas aufgekratzt und in einen leicht hysterisch-ängstlichen Zustand manövriert. Wer will schon gerne aufgeschnitten werden und mit einem "Akkuschrauber" sieben Schrauben aus seinem Wadenbein rausgeschraubt bekommen? Ich hatte vor ein paar Monaten den fatalen Fehler gemacht, dass ich mir einen Lehrfilm zu dieser Operation angeschaut hatte. Somit waren die Bilder in meinem Kopf ein klitzekleines Bisschen zu lebhaft. Irgendwie ewas befremdlich. Auch die Vorstellung, dass ich dann erstmal sieben kleine Löcher im Knochen habe. Im Unterschied zu meinem Bücherregal Billy wachsen diese Vorborungen zum Glück mit der Zeit wieder zu.  
Also, mein Tag startete also früh und irgendwie etwas müde. Weiter schlafen ging aber nicht. Dafür war ich schon viel zu "an". Ich kletterte aus dem Bett und ließ das Sonnenlicht rein. Ein schöner, sonniger Sommertag wartete  auf mich. Ich machte mich laufbereit und startete auf einen wunderbaren Lauf. 

Mein Körper fühlte sich trotz der unruhigen Nacht gut an. Kein Wunder, schließlich hatte er einen Tag "Cheat" und Ruhe hinter sich. Mein Knöchel fühlt sich auch derzeit super an. Klopf mächtig auf Holz. Ich drehte eine Runde, die ich schon wirklich lange nicht mehr gelaufen war. Als ich mich 2017 auf meinen Marathon vorbereitet hatte, war ich diese Strecke eigenltich jede Woche gelaufen.


Man musste schließlich auf einen angemessenen Kilometerumfang kommen, daher hatte man kaum die Möglichkeit immer eine neue Strecke zu laufen. Irgendwie hatte man dann seine festen Routen für die jeweiligen Trainingsschwerpunkte. Über Trainingsschwerpunkte musste ich mir im Moment zum Glück keine Sorgen machen. Sämtliche Tempoeinheiten oder anderen Späße hatte ich gestrichen. Es war ein Versuch, den ich jedoch auf Grund von "Unverträglichkeit" abbrechen musste. Und so schrubbe ich im Moment nur meine Laufminuten. Von Kilometern kann man nämlich auch nicht sprechen, da ich sehr langsam unterwegs bin. Für den Kilometer benötige ich zwischen 7:00-7:30 min. Manchmal laufe ich auch eine 8-er Pace. Aber ich muss wirklich sagen, dass ich mich im Moment beim Laufen pudelwohl fühle. Ich träume davon wieder richtig schnell laufen zu können und weiß, dass ich mit jedem ruhigen und langsamen Kilometer daran arbeite eines Tages dort wieder hin zu kommen. Ich gehe sechs mal die Woche morgens nüchtern laufen. Die Hälfte davon in Leguano-Barfußschuhen, mache abends noch mein Mobility, an drei Tagen noch mein Workout und auch noch Ergometerarbeit. Und das Allerbeste daran: ich habe keine Schmerzen und mächtig viel Freude dabei. Die Tatsache, dass ich für meine Verhältnisse so langsam unterwegs bin, ist absolut sekundär. Es fühlt sich gut an. Und was sich gut anfühlt, ist auch gut. Zumindest subjektiv für einen persönlich. Denn das Leben muss sich genau für einen Menschen immer gut anfühlen und das ist man selbst. Klingt jetzt total egoistisch, aber wenn man selbst nicht glücklich und zufrieden ist, dann kann man dieses Lebensgefühl nicht an seine geliebten Mitmenschen abgeben. Nur aus einer gesunden und glücklichen Lebensweise kann man Kraft schöpfen, um seiner Familie und Freunden davon abzugeben. Beim Laufen hat man viele, tiefgehende Gedankengänge. So denke ich dann auch viel nach. Über das Leben, über belanglose und lustige Dinge und oft auch stundenlang über das, was ich als nächstes essen werde. 

Für den heutigen Morgen hatte ich mir einen Lauf über eineinhalb Stunden auf die Fahne geschrieben. Ich bog nach 1:27 h in unsere Straße ein und schaute auf die Uhr. So ein Ärger, es fehlten knapp zwei Minuten. Wie blöd. Meistens lasse ich es dann auch gut sein und gebe mich mit ein paar Minuten weniger zufrieden, aber manchmal habe ich auch so einen Furz im Kopf und höre erst auf zu laufen, wenn ich mein persönliches Tagesziel erreicht habe. Und so einen Furz hatte ich heute zwischen den vielen Windungen meines Kleinstadtfrauenhirns hängen. Ich lief zu Hause vorbei und machte eine Miniextrarunde mit absolut vollem Erfolg. Denn mit diesem Auf- und Abgelaufe hatte ich die Nachbarshunde geweckt und die schlugen nun volles Rohr Alarm. Damit hatte ich dann wohl die komplette Nachbarschaft an diesem wunderbaren Sonntagmmorgen aus dem Bett geholt. Ich schlich mich schnell und möglichst unbemerkt nach Hause. Aber immerhin hatte ich meine 1:30 h voll. Danach gab es ein wohlverdientes Frühstück. Hier siehst Du das making off:


Und es ist auch tatsächlich eine Digitalwaage auf dem Bild, mit der ich mein Essen abwiege. Von nichts, kommt nichts. Muss man nicht, kann man aber. Nach dem Frühstück ging es eine Runde ins Büro. Papierkram etc. will hin und wieder auch etwas Aufmerksamkeit. Dabei gab es dann noch etwas Kaffee und jetzt halt Dich fest: einen Schoko-Erdnuss-Riegel. Mit anderen Worten also Süßigkeiten. Es ist alles eine Frage der Bilanz, des Maßes, des Timings und der Versorgung mit essentiellen Nährstoffen, die den Stoffwechsel aktiv halten. 
Und nun wartet noch mein Pony auf mich, sowie meine zweite Trainingseinheit. Und natürlich auch noch eine Mittagspause. Und dann gehts ab in eine neue Woche, welche im Zeichen der Erholung sein wird. 


Sonntag, 05. August.2018

Gewicht: 58,7 kg

Liebes Tagebuch,

hinter mir liegen ein paar wunderbare Tage in Greetsiel. Es war eine Art "Mini-Trainingslager" mit meiner Mutter. Ich hatte mein Fahrrad in mein Auto gepresst, sowie meinen halben Küchen- und Trainingshausstand und mich Mittwochabend nach der Arbeit auf den Weg nach Norddeutschland gemacht. Die Fahrt dort hin war eine wahre Wohltat. Kaum Verkehr und ein quasi müheloses durchgleiten von A nach B.


Schön blöd, wenn man dann so schnell in B ankommt, den Haustürschlüssel von B in A liegen gelassen hat und die Mutter mit dem Haustürschlüssel von B noch nicht da ist. Aber was solls, bei dem schönen Wetter kann man es sich auch durch aus vor der Haustür gemütlich machen und beten, dass die Blase nicht platzt. Insgesamt belief sich meine Wartezeit dann auf eine Stunde, was das Fassungs- und Haltevermögen meiner kleinen Miniblase leider gnadenlos überschritten hat. 


So kam es, dass ich mich kurz im Garten verziehen musste und dem trockenen Rasen etwas Flüssigkeit gespendet habe. Unsere zwei Tage in Greetsiel begannen für mich in aller Früh gegen 6:30 Uhr mit einem Nüchternlauf. An Tag 1 mit normalen Schuhen und an Tag 2 mit Leguanos. Es waren beides wunderbare Läufe, entlang an den Salzwiesen, auf dem Deich und durch den Hafen von Greetsiel. 

Die Sonne kroch den Horizont hinauf und tauchte die Deichlandschaft in ein warmes Licht. Überall waren Vögel zu hören und die salzige Meeresluft wehte mir erfrischend um die Nase. An meinem ersten Tag hatte ich eine Strecke gewählt, die nicht ganz so gut zu laufen war für mein "broken-bone-bein". Die einzelnen Platten auf dem Deich waren so rumpelig, dass man die Füße nicht gerade aufsetzen konnte. Im Normalfall eigentlich nicht der Rede wert. Aber mit einem verheilten Weber-B irgendwie doch der Rede wert. Der Fuß beschwerte sich und ich versuchte ihm gerecht zu werden und die Schmerzen zu vermeiden. Leider kann ich überhaupt nicht einschätzen, was einfach normal ist und durch die sieben Schrauben und die Platte zustande kommt und was vielleicht nicht normal ist und was ich auf jeden Fall vermeiden sollte. Ich probiere zumindest alles "richtig" zu machen und keinen Schaden anzurichten. 



Nach dem einstündigen Nüchternlauf gab es dann mein wohlverdientes Frühstück. An Tag 1 "normal" und an Tag 2 in Form eines fetten "Cheats" mit Brötchen und einem Mohnkuchen. Ich liebe Mohnkuchen. 

Nach einer kleinen Ruhephase haben wir dann jeweils eine Radtour gemacht. Einmal 1 1/2 Stunden und einmal 2 1/2 Stunden. Zum Glück gibt es E-Bikes, mit denen man dann unterschiedliche Leistungsklassen kompensieren kann. So konnte ich zusammen mit meiner Mutter zwei tolle Trainingsausfahrten genießen. Für mich folgte dann natürlich wieder Futtern, ein wenig Blackroll- und Tennisballmassage, Mobility, ein kleines Workout und Basenfußbäder.





Die Abende gestalteten sich mit einer unterhaltsamen Spielerunde, bei der meine Mutter mir gezeigt hat wo der Frosch die Locken hat. So muss das auch sein. Der dritte Tag war dann im Zeichen der Regeneration und der Heimreise. Die Regeneration wurde übrigens durch ein kleines Käsekuchen-Cheat abgerundet. 

Und nun bin ich wieder gestrandet im Alltag. Eine heiße Woche wartet auf uns. Wenn man viel schwitzt, verliert man viel Salz. Generell braucht der Körper mehr Flüssigkeit, denn die Gefäße stellen sich bei den hohen Temperaturen weit, um dadurch mehr Wärme abzugeben. Dies sieht man an einem niedrigeren Blutdruck. Damit der Kreislauf einem nicht wegbricht brauchen wir Salz und Flüssigkeit. Natürlich auch noch andere Elektrolyte. Die bekommt man am Besten durch viel Salat, Rohkost und Gemüse. Und Salz logischerweise durch Salz. Entweder durch Salz am Essen oder einer Prise Salz im Tee, Wasser etc. In diesem Sinne, kommt gesund durch die heiße Woche.


Montag, 16. Juli 2018

Gewicht: 59,3 kg

Liebes Tagebuch,

ein spannendes Wochenende liegt hinter mir. Und nicht zu vergessen eine anstrengende Trainingswoche. Ich freue mich derweil wie ein Schneekönig oder vielmehr wie eine Schneekönigin darüber wieder richtig zu trainieren. Unter der Woche gibt es jeden Morgen ein Nüchterntraining in den unterschiedlichsten Ausführungen. Hierbei variiert nicht nur die Intensität, sondern auch die Disziplin. Von laufen, Rad fahren bis hin zu rudern ist alles dabei. Drei mal die Woche gibt es nachmittags noch ein Komplex aus Mobility, Kraft und Leguanolauf. Weitere drei Mal auch noch einen Termin mit meinem Pony. Mit den Laufumfängen passe ich noch sehr gut auf, denn der Fuß mit seinem ganzen Titangedöns ist nicht wie ein normaler Fuß. Das unbewegliche Metall in meinem Knochen führt zu einer schlechteren Flexibilität des Knochens. Es entstehen letztendlich „Sollbruchstellen“ an den Punkten wo das Metall aufhört und nur noch Knochen ist. Das ist halt leider so. Ich würde so wahnsinnig gerne wieder richtig rennen und Wettkämpfe laufen. Im Moment blutet mein Herz besonders doll, wenn ich bei Facebook die ganzen Berichte von Laufveranstaltungen sehe. Ich bin so motiviert und würde gerne durchstarten, aber mir ist so zusagen  „das Bein gebunden“. Gut Ding will Weile. Ich werde weiter davon Träumen und im Bereich meiner Möglichkeiten trainieren. Und dafür bin ich dankbar.

Das Wochenende startete ungewöhnlich früh um 5:00 Uhr. Es stand eine Reise nach Rheinland Pfalz an. Zu einer Heilpraktikerin-Kollegin und Freundin in Heltersberg. Dort durfte ich meinen Vortrag „Auf den Spuren unseres Schweinehundes – Warum abnehmen so schwer und die Couch so anziehend ist“ halten. Da an diesem Wochenende Ferienbeginn war, entschloss ich mich besonders früh los zu tuckeln, um dem Verkehrschaos zu entgehen. Mein Essen hatte ich am Vorabend bereits fertig gemacht und in Döschen verpackt. Wenn man nicht dem Heißhunger und dem eher ungünstigen Nahrungsangebot an Rasthöfen zum Opfer fallen möchte, muss man etwas planen.


Ich kam bestens durch und erreichte planmäßig ein Zwischenziel, das ich mir zuvor für ein Frühstück eingeplant hatte. Ich suchte mir einen netten Platz und futterte mein mitgebrachtes Frühstück. Danach ging die Reise weiter und auch die letzte Rutsche der Strecke funktionierte ohne Stau und andere Komplikationen.

Ich begrüßte meine Freundin und wir bereiteten alles für den Abend vor.
Als alles soweit angerichtet war, erhielt ich noch eine traumhafte Massage für die angestrengten Beine. Dazu noch etwas Wellness mit Honigmassage und anderen tollen Spezials.

Tiefenentspannt habe ich mich dann in mein Nachtquartier zurück gezogen, um noch etwas zu ruhen. Mein Quartier war ein Naturfreundehaus, das mitten in einem sehr idyllischen Wald liegt. Tagsüber ist es ein begehrtes Reiseziel für Wanderer, Radfahrer oder andere Menschen, die sich gerne eine leckere Speise einverleiben möchten. Ich lag in meinem Bettchen im ersten Stock und von unten schallte lautstark Ziehharmonika-Musik herauf. Ich fühlte mich wie auf einer Berghütte. Die Wände waren dünn. Es klang so, als würde die Ziehharmonika direkt neben meinem Bett stehen. Mit Schlafen war wohl nix. Mein Körper fühlte sich müde an. Müde von der anstrengenden Trainingswoche. Müde von der kurzen Nacht. Müde von der Autofahrt. Nach einer guten Stunde hin und her Gewälze hatte ich das Bedürfnis nach einer eiskalten Dusche. Ich inspizierte das Zimmer nach Handtüchern. Es gab keins. Hätte ich mir auch denken könnten. Daran hatte ich leider vorher nicht gedacht. Ich schlich leicht bedusselt nach unten. Immer der Musik nach und suchte nach Personal. Ich fand nur einen Herrn hinter der Theke. „Kommen Sie ruhig rein, Sie brauchen keine Angst zu haben!“ rief er mir entgegen. Hat der ne Ahnung, bei der Musik konnte man nur Angst bekommen. Ich tapste vorsichtig in den Raum mit der Ziehharmonika-Party. Ich fragte nach einem Handtuch. Ich kam mir etwas fehl am Platz vor und kämpfte gegen einen aufkeimenden Schwall hysterischen Gekicherns an. Ich bekam mein Handtuch und verzog mich für ganze drei Minuten unter eine eiskalte Dusche. Das tat gut.

Frisch geduscht und angezogen ging es dann zum Vortrag. Trotz der geringen Nachtruhe war mein Hirn einigermaßen potent und leistungsfähig. Es lief. Das Publikum war aufmerksam, interessiert und gut gelaunt. So ein Vortrag macht das Vortragsherz glücklich. Dafür lohnt sich jeder Kilometer Anfahrt.

Nach spannenden Gesprächen, Abbau und Heimfahrt endete mein Samstagabend in meinem süßen Zimmer im Naturfreundehaus. Es war totenstill. Nichts war zu hören. Keine Ziehharmonika. Keine Autos. Keine Menschen. Nichts.

 Irgendwann schlummerte ich ein und wurde schon früh wieder wach. Ein Nüchternlauf mit meiner Heilpraktiker-Freundin stand an. Ich freute mich mit ihr durch den wunderschönen Pfälzer Wald zu laufen. Also los, raus aus dem Bett. Oder wie mein Uhr-Alarm zu sagen pflegte: „Komm in die Gänge!“ Mein Magen knurrte. Die Beine waren schwer. So schwer. Eigentlich stand auf meinem Sonntags-Plan ein Tempolauf bzw. etwas Intensiveres.

Um 7:15 Uhr starteten wir pünktlich auf unsere Runde. Die Beine mokierten sich über das, was ich da mit ihnen vor hatte. Dieses Gefühl kannte ich sehr gut von den vielen Ruhetagen, die ich in meinem Leben schon gemacht hatte. Ein interessantes Phänomen. Wenn man im Training ist und einen Ruhetag macht und dann wieder durchstarten will, sind die Beine mit jeder Menge Beton gefüllt.

Wir liefen eine schön wellige Strecke durch den Wald. Nach gut 5 km kamen wir an einen Anstieg. Wir hatten vereinbart, dass ich ab hier losziehe und meine Tempoeinheit absolvierte. Quasi Sprint am Berg. Nur nicht wirklich gesprintet. Laut Aussage von meiner Freundin ging es nun 2 km bergauf. 2 km ziehen dürften kein Problem sein. Ich rannte und rannte. Meine Atmung war ziemlich schnell „an“. Was sind schon 2 km berghoch. Der „Berg“ wollte nicht enden. Große Güte, ich hatte überhaupt keine Leidensfähigkeit mehr. Ich zog weiter. Komm schon, nur noch ein bisschen. Irgendwann lichtete sich der Wald ein wenig und ich war oben. Schnaufend drehte ich auf dem Absatz um und trabte wieder zurück. Irgendwann tauchte meine Freundin auf. Ich lief noch ein Stück an ihr vorbei und machte dann noch einen kurzen Sprint den Berg rauf. Ich hatte wirklich vergessen, wie anstrengend sowas ist. Die letzten 600 m trabten wir uns zusammen aus und ich freute mich wie ein Kind auf Weihnachten auf das Frühstück. Denn heute war mal Cheat angesagt.

Nach dem Lauf gab es wieder eine wunderbar kalte Dusche und dann ein wohlverdientes Frühstück. Böse Brötchen. Als kleine Überraschung hatte meine Freundin einen ganz besonderen Gastbesuch organisiert. Udo Bölts, ehemaliger Profi-Radsportler. Er hatte seiner Zeit zu Jan Ulrich den Ausspruch getätigt „Quäl Dich, Du Sau!“ Damals war ich noch knallharter Rennrad-Fan. Das war die Zeit vor dem Laufen. Wir unterhielten uns über alles Mögliche, einfach von Sportler zu Sportler oder von Mensch zu Mensch. Er war vollkommen bodenständig, locker, lustig und einfach nett. Ich zeigte ihm meinen gebrochenen Haxen und erzählte wie es dazu gekommen war.


 Knochen brechen konnte man sich nämlich auch beim laufen, nicht nur beim Rennrad fahren. Als Antwort darauf zitierte er einen Chirurgen mit den Worten „Geflickt ist geflickt und wird nie wieder so, wie vorher“. Tja, da hatte er wohl Recht. Aber eigentlich war diese Tatsache gar nicht schlimm. Wenn man lebt, hinterlässt das Leben seine Spuren am Körper. Spuren in Form von Narben, Brüchen, Erfahrungen und Erkenntnissen. Man lernt jeden Tag dazu oder sollte dies zumindest. Jeder Tag ist dafür da zu wachsen. Mental und Körperlich. Letzteres natürlich nicht im Sinne einer stetigen Gewichtszunahme. Immer wieder komme ich zu der Erkenntnis, dass man immer bestrebt sein sollte den Weg zu genießen, dankbar zu sein, Ziele zu suchen, „neue“ Menschen kennen zu lernen, nach neuen Herausforderungen zu suchen und sich unaufhörlich zu fragen, was einen glücklich macht.

Auf dem Heimweg nach Hause musste ich meine Fahrt unplanmäßig unterbrechen. Ich hatte zwar nur noch gut 120 km bis nach Hause, aber ich war gar, müde und hungrig. Ich fuhr von der Autobahn ab und kurvte durch das wunderschöne Sauerland, auf der Suche nach dem „Place to be“ für eine schöne Pause.

Ich fand ein Landkaffee mit toller Terrasse in einer schönen Landschaft und einem noch viel schöneren Kuchensortiment. Heute war mein Cheat-Pensum noch nicht erfüllt. Ich genoss zwei Stücke Kuchen, einen doppelten Espresso und einen kleinen Waldspaziergang mit zwei Bremsen-Stichen. Die restliche Fahrt lief danach wieder wie neu und mein Wochenende endete zufrieden in meiner Hängematte.



Freitag, 29. Juni 2018

Gewicht: 59,3 kg

Liebes Tagebuch,

eine wahnsinnig aufregende Reise liegt hinter mir. 14 Tage Namibia. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll und wo ich enden soll. Unsere Reisegruppe bestand aus neun „Urlaubern“ und zwei Guides, die uns durch das wunderschöne Land manövriert haben. Nach unserer Ankunft am Flughafen von Windhoek wurden wir von einem Kleinbus der Autovermietung abgeholt. Ich war schrecklich müde. Auf dem zehnstündigen Flug hatte ich so gut wie kein Auge zugemacht. Neben der Müdigkeit nagte ein furchtbarer Hunger in mir. Das kohlenhydratreiche Fast Food im Flieger förderte in meinem Körper den Appetit und Heißhunger. 

Auf der Fahrt zur Autovermietung sahen wir bereits die ersten Giraffen in der Ferne. Aber wir erhielten nicht nur den ersten tierischen Eindruck, sondern konnten auch erahnen welch grandiose Weite in diesem Land auf uns wartete. Nach einer reibungslosen Autoübernahme machten wir uns zusammen mit unseren beiden Guides auf die Reise in das Land. Wir verließen die Stadt und waren im Handumdrehen in einer quasi unberührten Natur. So weit das Auge reichte war nur Land zu sehen. Keine Häuser, keine Menschen, keine anderen Autos. Die asphaltierte Straße hörte irgendwann auf und wir fuhren auf staubigen Pisten weiter. 

Immer weiter weg von der Zivilisation. Nach einer langen und doch irgendwie anstrengenden Fahrt erreichten wir unser Camp im Naukluft Park. Wir hatten die ersten wilden Tiere, wie Springböcke, Zebras, Orix und Strauße aus dem Auto heraus gesehen. Während die Sonne in den schönsten Farben am Horizont verschwand, bauten wir unser Nachtlager auf. Ruck zuck war es stockdunkel und still. Ein Sternenhimmel, den ich in der Form noch nie gesehen hatte, entfaltete sich über uns. Ich war sprachlos. Die Milchstraße war deutlich zu erkennen und eine Dichte von Sternen, die wir bei uns auf Grund des Streulichtes der Städte nie zu Gesicht bekommen. Wir bekamen von unseren Guides unser erstes Dinner gekocht und kletterten danach mit vollen Bäuchen in unsere Dachzelte. In dieser Nacht schlief ich wie ein Stein und das obwohl ich mir eigentlich ein paar Gedanken machte auf Grund der Anwesenheit der wilden Tiere. 

Der nächste Tag startete mit einem für mich ungewöhnlichen Frühstück. So genannte Biskuits, die man einfach nur in den Kaffee tunkt und aus der Hand futtert. Sie bestehen aus Müsli, Kleie und natürlich Zucker. Man könnte also sagen Kohlenhydrat-Power pur. Nach dem Frühstück machten wir uns mit einem üppigen Lunch-Paket auf eine spannende Wanderung über den Olive-Trail. Für mein Bein eine ordentliche Herausforderung, da der Trail weite Strecken über Geröllfelder ging. Gegen Ende des Trails wurden wir überrascht mit einem Streckenabschnitt, mit dem wir in der Form nicht gerechnet hatten. Dass wir ein Stück an einer „Kette“ gehen mussten, war bekannt. Aber dass es sich dabei um eine nackte Felswand handelte, die keinen wirklichen Tritt mehr für die Füße aufwies, war nicht klar. Wahrscheinlich war über die Jahre ein Teil dieser Kette aus der Wand gerissen und so hing die Kette nun an einer unbrauchbaren Stelle. Wir mussten uns irgendwie an dieser Kette langhangeln. Für meine Höhenangst und den Fuß eine kleine Katastrophe. Mit Hilfe und Zuspruch meiner lieben Gruppe habe ich die Hürde zum Glück gesund und heile überstanden. Mit der im Voraus getätigten Einschätzung des Trails, dass dieser „eigentlich“ einfach sei, war der running Gag des Urlaubes geboren. Von nun an war alles „eigentlich“ ganz easy. Eigentlich. 

Die folgenden Tage reisten wir weiter durch das Land, besichtigten die Dünen, das Deadvlei -eine imposante Salzpfanne mit abgestorbenen Bäumen in mitten einer roten Dünenlandschaft- und wurden langsam aber sicher routiniert im Auf- und Abbauen unseres Camps. Jeden Abend vor dem Abendessen stellten wir uns in einem Kreis auf, nahmen uns alle an die Hand und unser Guide, der nebenbei auch Pfarrer ist, betete und bedankte sich für den Tag, die gesehenen Tiere, die heile Ankunft am Nachtlager und für das Essen. Jeden Morgen nach dem Abbauen und Losfahren gab es via Funk ein morgendliches Begrüßungslied von einem aus unserer Gruppe und eine andere unserer Gruppe hatte den Job der allgemeinen Informationsübermittlung bezüglich Natur, Tieren, Fahrplan und doch hin und wieder entgegenkommenden Autos. Sie begrüßte uns jeden Morgen fröhlich mit den Worten „Hier ist wieder Channel one Namibia, Ihr Lieblingssender.“ Nach den ersten Informationen gab sie immer offiziell ab in die Musikredaktion bzw. unseren sogenannten „Sambabus“, was das andere Auto war, und wir erhielten unser Morgenlied. Oft war es „Morning has broken“ was in der aufgehenden Sonne und der traumhaften Natur einfach nur schön war. Im Laufe des Tages erhielten wir von einer weiteren Mitreisenden lyrische Ergüsse zu der Natur, den Tieren, unserer Gruppe und allen Erlebnissen. Jeder hatte so seine Rolle und die Gruppe war einfach eine großartige Zusammenstellung, die im Grunde das Sahnehäupchen der Reise darstellte. Meine Rolle in der Gruppe entpuppte sich nach ein paar Tagen als gesundheitliches Wrack. Es war unsere dritte Nacht in Namibia. Ich wurde gegen 2:00 Uhr nachts wach und spürte wie sich mein Hals zu schnürte. Mir stand das fette und reichhaltige Essen der vergangenen Tage bis zum Hals. Mir war speiübel. Schlafen konnte ich nicht mehr und ich wälzte mich auf der relativ harten Matratze des Dachzeltes hin und her. Ich war furchtbar müde und bekam in dieser Situation mit jeder weiteren wachen Minute mehr Angst vor den wilden Tieren auf der anderen Seite des dünnen Dachzeltes. Der kommende Tag war geprägt von einer permanenten Übelkeit. Mein Magen machte gar nichts mehr. Ich probierte mit Iberogast die Tätigkeit wieder zu normalisieren. Aber irgendwie tat sich nichts. Ich hatte Angst, dass es zum Erbrechen kommt. Wir ruckelten in der Sonne über die Schotterpisten. Ein Albtraum wenn einem so schlecht ist. Die Essensaufnahme ließ ich für diesen Tag ausfallen und machte mich abends nach dem Aufbau unserer Zelte direkt ins „Bett“. Es folgte eine lange, lange Nacht. 

Insgesamt schlief ich 14 Stunden und war am nächsten Morgen einigermaßen wieder hergestellt. Unsere Fahrt hatte uns derweil an die Atlantikküste gebracht. Es war neblig und kalt. Nach einem kleinen Minifrühstück besuchten wir die Robbenkolonie. Eine riesenhafte Population von Robben, die sich hier niedergelassen hatten. Ein strenger Geruch hing in der Luft. Die Robbenweibchen lagen hier zusammen mit ihren Babys und überwinterten hier ohne die passenden Robben-Kerle. Sie grunzten, rülpsten und machten Geräusche wie eine Schafherde. Mir war vorher nicht klar, was Robben für merkwürdige Laute von sich geben. In mitten dieser Kulisse von stinkenden und schreienden Robben und Schakalen, die kleine Robbenbabys zum Fressen gern hatten, war ich heil froh, dass mir nicht mehr schlecht war. Nach dem Robbenbesuch ging es wieder zurück ins Landesinnere. Zurück in die Sonne. Zurück in eine menschenleere Landschafft. Ich probierte meinen Körper wieder mit etwas Nahrung zu füttern. Ich hatte einen merkwürdig trockenen Mund und eigentlich keinen Appetit. Da war es wieder, dieses eigentlich. Am Abend gab es eine großartige Spaghetti Bolognese mit einem fürchterlich leckeren Nachtisch. Ich verputzte eine gute Portion davon und endete schließlich in meinem Dachzelt mit einer exponentiell gestiegenen Übelkeit. Die Übelkeit von den Tagen zuvor war nichts dagegen. Ich kippte mir immer wieder Iberogast in den Schlund und betete, dass ich mich nachts nicht übergeben muss. Da ich so schnell aus dem Dachzelt gar nicht raus kommen würde, hatte ich eine Plastiktüte neben mich gelegt. Während ich mit der Übelkeit kämpfte gesellten sich heftige Halsschmerzen dazu. Mein Zustand wurde so allmählich irgendwie grenzwertig. Am nächsten Morgen war mir nicht nur schlecht, sondern ich hatte ausgewachsene Halsschmerzen und zu allem Überfluss auch noch Blasenschmerzen auf Grund der geringen Trinkmenge. Großartig. Eigentlich fast perfekt. Eigentlich. Mir stand die Bolognese vom Vorabend noch bis zum Hals und an eine Aufnahme von einer größeren Flüssigkeitsmenge zwecks Blasenspülung war „eigentlich“ gar nicht zu denken. Ich ignorierte das Gefühl des Essens in meinem Hals und trank 1,5 L Wasser. Ein Kampf gegen die Übelkeit war entfacht. Der Hals schmerzte. Aber die Blase beruhigte sich langsam aber sicher. 

Wir machten uns wieder auf die Reise. Sonne, Staub und Geröllpisten. Der Gedanke an Essen löste sofort einen Brechreiz in mir aus. Mein Darm gluckerte fröhlich vor sich hin und das Geschuckel im Auto trug nicht gerade zu einer Beruhigung in meinem Verdauungstrakt bei. Aus meinem Mund strömte ein unangenehmer Geruch nach faulen Eiern. Meine Augen waren schwer. So schwer. Ich probierte dennoch nach Tieren zu schauen und die Landschaft zu genießen. Mach das Beste draus. Während die anderen ihr Lunch in mitten einer wunderschönen Landschaft zu sich nahmen, hockte ich zwischen Hyänenkot und vervollständigte die Landschaft mit flüssigen Menschenexkrementen. Große Güte, was war das nur für ein Lotto-Gewinn. Wenn es einen Place-to-be für einen ausgewachsenen Magen-Darm-Infekt gibt, dann war es die Wüste und die Wildnis. Vor meinem inneren Auge tauchte immer wieder der Löwe auf, wie er mich mit hungrigen Augen bei meinen Entleerungen beäugte. Trotz der bescheiden schönen Situation musste ich lachen. Zum Glück blieb es beim Kopfkino und ich konnte nach meinen Entleerungen wieder im Auto in einem schlafähnlichen Zustand versinken. Nach gut zwei Tagen hatte ich es dann endlich überstanden und konnte mich wieder voll und ganz der traumhaften Landschaft, den Tieren und dem wahnsinnig leckeren Essen widmen. Das einzige, was mich bis zum Schluss beglückte war eine kleine Erkältung. Aber nun gut, zum Glück war es ja kein Männerschnupfen. 

Wir erlebten unbeschreiblich schöne Tage im Damaraland, mit einer Landschaft, die mit Worten kaum wiedergegeben werden kann. 

Weißes Gras auf dunkelbraunem Boden, Hügel und Berge mit Zeichnungen und Formen, die kein Künstler hätte schöner gestalten können. Eine Stille, die beinahe schon weh tut. Wir fuhren durch tiefen Sand und über steile Geröllstraßen. Nicht wirklich Straßen. Es waren vielmehr Strecken auf denen schon andere Autos gefahren sind. Mehr aber auch nicht. Wir scannten die Landschaft auf Tiere. Die Guides und die Männer entpuppten sich als die Könige der Tiersuche. Ich indes überzeugte in meinem Vermögen Steine, Bäume und andere tote Dinge in Tiere zu verwandeln. Immer wieder dachte ich einen Elefant oder einen Orix zu sehen. Und jedes Mal mutierte das vermeintliche Tier zu einem Busch. Oder einem Stein. Oder einem Baum. Die echten Tiere erblickte ich dagegen nur, wenn sie wirklich nicht mehr zu übersehen waren. 

Unser nördlichster Punkt auf der Reise war ein geradezu paradiesischer Fleck. Ongongo oder auch Warmquelle genannt. Eine warme Quelle, in der man sogar schwimmen kann. Unsere Männer nutzten dies um ein Bad mit Bier zu nehmen. Das Bier war im Übrigen über die Tage zu einem festen Ritual geworden. Immer wenn wir heile unser Lager bezogen hatten, die Zelte aufgebaut hatten gab es zur Belohnung das sogenannte „Landebier“. Und in Ongongo gab es dieses halt in einer paradiesischen Quelle. Es folgten die letzten Tage in freier Wildbahn. Wir suchten nach Tieren und fanden unterm Strich mehr Tierspuren und Tier-Kot. Elefantenspuren und Nashornspuren. Zum Teil super frisch. Aber von den Tieren war weit und breit nichts zu sehen. Wie war das möglich? So große Tiere können sich doch nicht in Luft auflösen. Aber scheinbar konnten sie das doch. Denn ihre Tarnung und Anpassung an die Landschaft war exzellent. Die einzigen Tiere, die unserer grandiosen Beobachtungsgabe nicht entgingen, waren viele, viele Giraffen. Nach zwei Tagen im Paradies ging es Richtung Etosha-Park. Dort warteten hoffentlich außer Giraffen auch noch andere spannende Tiere auf uns. Wir fuhren bis an das westliche Gate des Etosha-Parks und suchten uns zur Übernachtung einen Camping-Platz. Wir wurden fündig. Ein absolut genialer Camping-Platz mit eigenem Wasserloch. In dieser Nacht wurde ich das erste Mal in meinem Leben geweckt von Löwengebrüll. Es war einfach unbeschreiblich. Und obwohl der Löwe sehr weit entfernt war, richteten sich bei mir sämtliche Haare auf und ich bekam eine ausgewachsene Gänsehaut. Diesen Moment werde ich nie wieder vergessen. Der pure Ausdruck von Kraft und Macht. Würden wir Menschen dem Löwen ohne Waffen gegenüberstehen, wären wir absolut hilflos. 

Am nächsten Morgen machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zum Wasserloch und entdeckten tatsächlich drei Löwinnen und einen Löwen. Majestätisch lag er im Schatten und blickte gerade zu gelangweilt zu uns Menschlein hinauf. Er interessierte sich nicht die Bohne für uns. Zum Glück. Er erhob sich nach einer Weile und zog mit seinen Löwinnen davon. Wahrscheinlich zum nächsten Wasserloch. Wenn wir uns beeilen würden, dann könnten wir sie dort noch mal bewundern. Gesagt, getan. Wir rüsteten ab und fanden die vier Löwen tatsächlich am nächsten Wasserloch. Aus nächster Nähe konnten wir die Löwen beobachten. Einfach unglaublich. Nach dem Date mit den Löwen setzten wir unsere Reise fort und durchquerten die Tore des Etosha-Parks. Bereits auf den ersten Kilometern und den ersten Wasserlöchern sahen wir das erste Nashorn und die ersten Elefanten. Endlich sahen wir die Verursacher der vielen Spuren, die wir die letzten Tage gesichtet hatten. Die Größe und Ausstrahlung dieser Giganten ist einfach wahnsinnig. Wir erlebten in den zwei Tagen Etosha-Park eine unglaubliche Nähe zu den Tieren. Giraffen, die keine 5 Meter vor uns standen oder Elefanten, die ebenfalls keine 5 Meter entfernt waren. 

Diese Tiere in quasi freier Wildnis zu sehen hat nichts mit einem Zoo-Besuch zu tun. Die Tiere wirken hier so immens stolz, selbstbewusst und „ungebrochen“. Wenn man einem Tier im Zoo in die Augen schaut, dann sieht man außer Gefangenschaft und Unterdrückung nicht mehr viel. Das, was man als Mensch spürt, wenn man einem freien Tier gegenüber steht, ist absolute Unterlegenheit. Zumindest wenn man unbewaffnet ist. Ich kann zwar nur für mich sprechen, aber die Konfrontation mit der nackten Wildnis und den mächtigen Tieren in ihrer perfekten Adaption an die harten Bedingungen hat mich mit voller Ehrfurcht erfüllt. Was bin ich nur für ein kleiner, mickriger Wurm. Aber ein glücklicher und dankbarer. Denn diese Erfahrungen in der kargen Natur, inklusive meiner Magen-Darm-Episode haben mich ein weiteres Mal gelehrt wie wichtig die Gesundheit und ein Leben mit und in der Natur sind. Ohne die Natur können wir Menschen nicht existieren. Wir sollten uns dessen bewusst sein und im Rahmen unserer Möglichkeiten auf sie Acht geben. Desweiteren habe ich wieder einmal festgestellt, wie bereichernd und wertvoll ein harmonisches Miteinander ist. Ich danke allen Beteiligten, von der tollen Gruppe angefangen bis hin zu unseren Guides, den Tieren und der Natur. Dieses Erlebnis wird für immer in meinem kleinen Herzchen bleiben. Danke. 


Samstag, 09. Juni 2018

Gewicht: 59,7 kg

Liebes Tagebuch,

es liegt eine fast endlos lange Nacht hinter mir. Ich kann mich nicht daran erinnern, das letzte Mal so lange im Bett gelegen zu haben. Neuneinhalb Stunden laut meiner Fitbit. Der Tiefschlaf ist zwar etwas kurz, aber REM und Leichtschlaf dafür um so ausgeprägter. Vor allem der REM, also die Schlafphase in der man das ganze Gedöns träumt, ist bei mir extrem intensiv und lang. Als ich heute morgen dann nach dieser halben Ewigkeit meine Extremitäten und Restkörperteile wieder zusammen gesammelt und aus dem Bett gepult hatte, überlegte ich was ich tun soll. Ein paar fixe Termine für diesen Tag standen fest. Aber wo drüber ich mir Gedanken machte, war etwas anderes. Etwas extrem Belangloses. Und zwar die Frage nach meiner "Baustein-Umsetzung". 

Ich esse und lebe nach einem bestimmten Bausteinschema und dieses hatte ich gestern Abend kurzer Hand über Bord geworfen. Oder man könnte auch sagen, dass ich gestern Abend ein weiteres Cheat-Meal eingeschoben hatte. Um dieses Baustein-Konzept kurz zu erklären: Ich esse eine bestimmte Menge an Bausteinen pro Tag. Sie setzen sich aus Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettbausteinen zusammen und haben immer ein festgelegtes Verhältnis. Dieses variiert nur durch den Einfluss der sportlichen Betätigungen, bei denen nämlich durch den Einsatz von Sportbausteinen der Kohlenhydratanteil angehoben wird. Wenn Du Dich damit noch näher befassen möchtest, dann kannst Du dies gerne in meinem Buch "Auf den Spuren unseres Schweinehundes" vertiefen. *Immer diese Schleichwerbung*

Wie dem auch sei, ich liebe es jedenfalls mit meinen Bausteinen zu spielen und mir mein Futter durch diverse Tätigkeiten zu verdienen. Ich hatte nun also gestern Abend diesen spontanen Anflug von Cheat. Und das habe ich extrem genossen. Mein Körper wollte es und ich habe ihm gegeben, was er wollte. Remoulade, Röstzweibeln, Mozarella, dicke XXL Knäckebrote, Ziegenkäse, Lachs, Schinken und ummantelte Erdnüsse mit Wasabi. Es war großartig und danach war ich voll und satt. Ich hatte dann die Überlegung, dass ich einfach jetzt schon mit meinem Urlaub beginne. 

Doch heute morgen sah die Welt wieder anders aus. Ein Blick auf meine Baustein-Wochenbilanz verriet mir, dass ich mit meinem Cheat einen Überschuss von 5 Bausteinen hatte. Dies wieder auszugleichen war eigentlich kein Problem. Ich war wieder soll drin in meinem Bausteindenken und hatte schlicht und ergreifend Lust dazu. Ich duschte 3 Minuten kalt und machte mir mein 3 Baustein-Frühstück. Danach hatte ich ein paar berufliche Termine. Gegen 13:00 Uhr war ich durch und konnte mit meinem Sportprogramm starten. Ich zog mir meine Laufsachen an und machte mich auf eine warme Runde in meinen Leguanos. Mein Körper fühlte sich gut an. Der Blick auf den Puls konnte mir dieses gute Gefühl allerdings nicht bestätigen. Der Puls hämmerte um die 170 herum. Und das bei wirklich langsamen Tempo. Ich probierte das Tempo noch weiter zu drosseln und trabte ruhig weiter. Es war knapp unter 30°C, da durfte der Puls auch mal etwas Gas geben. Nach ein paar Kilometern hatte sich der Puls schlagartig beruhigt und zwischen 120 und 130 eingependelt. Da durfte er bleiben. Ich beendete meinen Lauf nach 7 Kilometern und knapp 50 Minuten. Mein Bein hatte brav die vielen gelaufenen Schritte über sich ergehen lassen. Nach dem Lauf habe ich dann noch 15 Minuten lang mein Beweglichkeitstraining gemacht. Durch die gute Stunde Sport hatte ich mir zwei Sportbausteine verdient und durch das Beweglichkeitsprogramm, sowie 10.000 zurück gelegte Schritte jeweils einen Extrabaustein. Aus den beiden Sportbausteinen und einem normalen Baustein habe ich mir dann ein super leckeres Mittagessen gemacht. Angebratene Süßkartoffeln, Champignons, drei Spiegeleier, Salat und aufgepimptes Dressing. 


Nachmittags ging es dann zu meinem kleinen Pony, eine Runde reiten. Das funktioniert mit dem Bein noch nicht ganz so perfekt, da der Fuß im Steigbügel eine ungünstige Drehung hat. Aber es klappte heute soweit ganz gut und mein Pony nutzte nur geringfügig die Schwäche von Frauchen aus. 

Abends gab es dann noch ein weiteres Workout. 400 Beinscherencrunches, 12 kg Kettlebell-Farmers Walk über Kopf und 3 x 20 Kettlebell Swings. Das Ganze immer Wechsel in einer Art Zirkeltraining. Diese spaßige Prozedur habe ich draußen im Garten absolviert und ich warte auf den Tag, an dem meine Nachbarn die Männer mit den weißen Mänteln rufen. Wahrscheinlich sieht es ziemlich sonderbar aus, wenn ich mit über den Kopf gestemmter Kettlebell in Bikini durch den Garten spaziere und merkwürdige Kreisformationen um die Bäume und Büche mache. Aber wie sagt man so schön: ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Dieses Workout dauerte ca. 30 Minuten und brachte mir einen weiteren Sportbaustein und einen normalen Extrabaustein ein. Mein Abendessen bestand dann aus insgesamt vier normalen Bausteinen und einem Sportbaustein. Ein Teil davon sah so aus:

 
Als Nachtisch habe ich mir im Garten dann noch frische Johannisbeeren und Himbeeren gesammelt und habe es zusammen mit Quark, Walnüssen aus dem Garten, Weizenkleie, Ashwagandapulver, Maulbeeren, Gojibeeren, Salz und Zimt verputzt. Mit den vielen Aktivitäten habe ich heute ein Minus von stolzen sechs Bausteinen erreicht. Damit habe ich den Überschuss von fünf Bausteinen durch mein gestriges Cheat mehr als kompensiert. Ich starte den letzten Tag der Woche demnach mit einem Extrabaustein.

Das soll aber für heute reichen zum Thema Bausteine. Nun werde ich mich mental mit unserer bevorstehenden Reise beschäftigen. Namibia. Eine Tour durch den Nordwesten. So richtig mit Dachzelt und fern ab von dem luxuriösen Lebensstandard der westlichen Welt. Ich freue mich auf das viele "Nichts", auf die Leere, die Reduktion auf das Wesentliche, die Stille, die Gemeinschaft unserer großartigen Gruppe, die vielen Sonnenuntergänge und Aufgänge und natürlich die wilden Tiere. So fern es mir dort schon gelingt ein paar Worte zum Abenteuerurlaub zu verfassen und hochzuladen, werde ich dies tun. Wenn dies nicht möglich oder meinerseits auf Grund der wunderbaren Entkopplung aus der modernen Welt nicht gewollt ist, folgt der Bericht wenn ich wieder in heimischen Gefilden bin. Ich freue mich riesig. Auf die Eindrücke, die neuen Lebenserfahrungen und überhaupt. Pass auf Dich auf. Bis bald. 


Freitag, 1. Juni 2018

Gewicht: 59,3 kg

Liebes Tagebuch,

ich schreibe nun schon seit einer langen, langen Zeit Tagebuch. Lange bevor ich mit der öffentlichen Tagebuch-Veröffentlichung begonnen habe, habe ich schon privat ganze Romane in dieser Form verfasst. Und schon damals habe ich mich öfters kaputt gelacht, wie schnell ich meine Meinung ändern kann. Gemäß dem Motto „der denkende Mensch ändert seine Meinung“. Das ist das Leben. Und als weibliches Wesen hat man ja ohnehin seine Schwankungen. Wenn man Tagebuch schreibt, kann man dies schwarz auf weiß nach lesen.

In den letzten Tagen haben mir viele Menschen gut zu geredet und mich ermutigt weiter zu schreiben und zu posten. Da waren auf einmal die vielen stillen Leser, die meine Beiträge mochten, die aber leider nicht zu spüren waren, weil sie von dem lauten negativen Gedöns vollkommen überlagert wurden. Ich muss auf hören ein kleines Mädchen zu sein, das sofort heulend zu ihrer Mutter läuft, weil Menschen einem nicht so nett gegenüber treten, wie man es gerne hätte. Ich trete jedem Menschen positiv gegenüber und habe mir zu einer täglichen Challenge gemacht jeden Menschen in dieser Weise zu beeinflussen. Egal, ob ich den Menschen kenne oder nicht. Und es macht mir eine riesenhafte Freude, wenn es funktioniert. Nur in sehr, sehr seltenen Fällen begegnet mir im echten Leben ein Mensch, der komplett immun dagegen ist und in seiner „Zorn-Verfassung“ bleibt. Dies zeigt mir, dass die meisten Menschen eigentlich positiv und gut sind. Sie verlieren sich nur leider zu oft in der scheinbar schlechten Welt, was uns immer wieder suggeriert wird. Dies auch leider in einer sehr intensiven Form bei den sozialen Netzwerken.

Ich werde für die Zukunft einfach weiter „kämpfen“ auch bei Facebook etwas Gutes und Fröhliches unter die Menschen zu verstreuen. Und die paar Individuen, die sich daran aufreiben und erbost auf dem Haar in der Suppe rum kauen und dies zum Besten geben, sollen das tun. Ich werde es ignorieren und es wie im wahren Leben zum Anlass nehmen noch mehr Dankbarkeit für die vielen lieben und herzlichen Menschen zu haben.

An dieser Stelle möchte ich allen Menschen danken, die mir über die Jahre immer wieder ihr positives Feedback auf die unterschiedlichsten Wege, entgegen gebracht haben. Vielen, lieben Dank!

Und nun möchte ich euch wieder mit nehmen in meinen Alltag. Nach einem erholsamen, gestrigen Feiertag stand heute noch ein kurzes „Arbeits-Intermezzo“ an bevor es dann in das wohlverdiente Wochenende geht.Wobei ich ja streng genommen auch am Wochenende arbeite, aber diese Form der Arbeit ist mir so angenehm, dass sie dem Wochenende keinen Abbruch tut. Meine derzeitige Morgenroutine besteht darin meine Augen zu öffnen und den Tag lächelnd mit den Worten „Heute ist sowas von mein Tag“ zu beginnen. Manche von euch wissen warum ich das tue. *Schleichwerbung für mein neues Buch*

Mein heutiges Prozedere sah allerdings etwas modifiziert aus. Ich stand fröhlich, den üblichen Blödsinn quakend auf und marschierte ins Bad. Anmerkung: ich quake nicht mit mir alleine, sondern mit meinem Partner und meiner Plüschrobbe Rupert und dem Plüschwachhund Bone. Daher besteht keinerlei Grund zur Sorge, dass ich irgendwie verrückt bin. ;) Erst im Bad habe ich die kostbare mentale Programmierung vorgenommen. Ich habe in den Spiegel geschaut, mit dem Finger auf mein Spiegelbild gezeigt und laut „Heute ist sowas von mein Tag“ gesagt. Dies mache ich immer mit einem nachgeschalteten Schwall von hysterisch-amüsiertem Gekicher. Aber ich bin davon überzeugt. Danach ging es wie jeden Morgen für 3 Minuten unter die kalte Dusche. Kältetraining. Ich liebes es. Leider ist im Sommer das Wasser nicht ganz so kalt wie im Winter. Danach stelle ich mich noch für ein paar Minuten auf die Terrasse und nehme ganz bewusst das Tageslicht und die frische Luft in mir auf. Ich freu mich dabei auf den neuen Tag, auf mein persönliches „battle“ mit meinen Mitmenschen. Ich will die Menschen um mich herum bewusst wahrnehmen, ihnen einen Lächeln schenken und im besten Fall sie sogar zum Lachen bringen. Ich suche sogar nach Situationen, in denen ich helfen kann. Klingt vielleicht ganz schön altruistisch, aber es macht Spaß und gibt einem wahnsinnig viel zurück.

Nach meinem Kälte- und „Start-in-den-Tag-Ritual“ gab es ein Frühstück aus Magerquark, Weizenkleie, Nachtkerzenöl, Lebertran, Blaubeerpulver, Cranberrys, Hanfproteinpulver, Erdnüssen, Sojalecithin und frischen Brombeeren. Oh wie ich dieses Frühstück liebe! Wenn ich manchmal einen richtigen Cheat-Tag mache mit Brunch und Brötchen passiert es nicht selten, dass ich dieses Frühstück tatsächlich vermisse. Obwohl das Cheat-Futter ja eigentlich noch mehr Befriedigung hervorrufen sollte. Was es mit all den Zutaten auf sich hat, werde ich mit der Zeit hier erklären. Als Topping kamen übrigens noch Zimt und etwas Meersalz drauf. Salz ist zwar bei einem süßen Frühstück etwas ungewöhnlich, aber wir benötigen es zum Einen für eine reibungslose Aufnahme der Glukose aus dem Darm ins Blut und haben bei dem warmen Wetter einen größeren Verlust durch den Schweiß zu kompensieren. Da ich kein Fertigfutter esse und wenig gesalzene Dinge esse, achte ich darauf meine Speisen etwas zu salzen. Zu wenig ist genauso schlecht, wie zu viel. Wer genügend Salz zu sich nimmt, muss sein Frühstück nicht unbedingt salzen.

Der Zimt wiederrum verbessert die Aufnahme der Glukose in die Zellen und macht uns „insulinsensibler“. Denn wo müssen alle Energiesubstrate und Baustoffe hin? IN unsere Zellen! Nur dort helfen sie uns gesund und agil durch den Tag hüpfen zu lassen. Auch wenn ich derzeit in Sachen hüpfen weniger versiert bin und dieses Potenzial nicht ausschöpfen kann, helfen fitte Zellen einem zufrieden und motiviert durch den Tag zu kommen. Was das Hüpfen angeht, bin ich aber gerade auf dem besten Weg auch wieder durch zu starten. So war ich gestern tatsächlich das erste Mal für 1,6 km laufen. Am Stück. In Barfußschuhen. Und richtig geritten bin ich gestern auch. Schritt, Trab und Galopp. Beides Dinge, die mir die letzten drei Monate verwehrt waren. So geil, das endlich wieder tun zu können, auch wenn die Ausführung noch ganz schön hakt. Entschuldige bitte diese ordinäre Wortwahl, aber es war einfach geil! Yeah! Wenn die Emotionen mit einem durchgehen, dann kann so eine verbale Entgleisung schon mal passieren. Das hört bestimmt bald wieder auf. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Nach dem Frühstück habe ich dann mein Essen für den Tag vorbereitet. Für das Mittagessen habe ich Folgendes zusammen geschustert: kurz angedünsteter Brokkoli, angebratener Mandel-Tofu, Pflücksalat, Paprika, Rote Beete und aufgepimptes Frenchdressing. Letzteres wurde mit Kurkuma, Pfeffer, Chili und einer Barbecue-Gewürzmischung verfeinert. Damit Kurkuma besser aufgenommen wird und seine gesunden Wirkungen entfalten kann, benötigt es das Piperin aus dem Pfeffer. Fachlich formuliert könnte man sagen, dass Pfeffer die Bioverfügbarkeit von Kurkuma verbessert. Daher die beiden immer zusammen futtern. Ach ja und damit Du weißt, was Dein Vorteil von dieser besseren Wirksamkeit von Kurkuma ist, hier ein paar Wirkungen: Kurkuma wirkt antibakteriell, antiviral, entzündungshemmend, hilft bei Atemwegsbeschwerden und beugt der Entartung von Zellen vor.


Für den Nachmittag habe ich mir einen Körnigen Frischkäse mit Kokosmehl, Acaibeerenpulver, Gojibeeren, Kürbiskernen und einem kleinen Stück Banane vorbereitet. Jammi! Wie Du siehst ist mein Futter etwas außergewöhnlich und ich gebe mich nicht mit einem spontan erworbenen belegten Brötchen vom Bäcker zufrieden. Die Nahrung kann Einiges. Im Guten, wie im Schlechten. Ich hoffe Du bist Dir dessen bewusst. Der stete Tropfen höhlt den Stein. Jeden Tag, bei jeder Mahlzeit.


Montag, 28. Mai 2018

Gewicht: 59,6 kg

Liebes Tagebuch,

dies hier wird ein besonderer Eintrag. Einer mit wahrscheinlich weniger Lesern, einer geringeren Reichweite und keinem Feedback. Ich habe mich heute nach langen Überlegungen von der weiteren PR-Arbeit auf Facebook getrennt. Nicht nur die neuen Datenschutzrichtlinien sind daran schuld, sondern auch die grundsätzliche Kommunikation, Negativität und Anonymität.

Meine Intention bei meinen Beiträgen war stets eine Positive. Ich wollte immer einen Samen säen für eine gesunde Ernährung und Lebensweise. Das Feedback war zum Teil sehr motivierend und positiv und hat mich weiter angetrieben. Es war wie Dünger für neue Ideen und Berichte. Doch neben den positiven Feedbacks gab es zunehmend auch „shit-stormartige“ Kommentare. Sie haben mich leider immer getroffen. Auch wenn ich sie durchaus einzuordnen weiß. Menschen haben ihre eigene Sicht und Meinung. Das ist gut so. Ich möchte mich von Menschen distanzieren, die voller Wut und Negativität immer nach dem Haar in der Suppe suchen. Von diesen Menschen gibt es ohne hin genug auf dieser Welt. Auf Facebook sind diese in einer unheimlich offensiven, meist im Schutz eines anonymisierten Profils besonders aktiv. Sie sollen unter sich glücklich oder auch nicht glücklich werden.


Ich für meinen Teil möchte mich mit den positiven Menschen befassen. Aus diesem Grund werde ich in Zukunft davon absehen meine Berichte auf Facebook oder sonst wo zu teilen. Ich hoffe, dass ich vielleicht auch ohne Facebook ein paar interessierte Leser behalte. Ich danke Dir dafür, dass Du Dich für meine Berichte und Seite interessierst. Vielen herzlichen Dank! Ich hoffe, dass Du es für Dich auch schaffst Deine Welt durch eine positive „Brille“ zu sehen. Wenn Du Lust hast, werde ich Dich hier regelmäßig mitnehmen auf meine persönliche Reise durch Alltag, Training, Ernährung und andere Abenteuer. Das nächste Abenteuer steht bereits in den Startlöchern. Was genau passiert ist noch ein kleines Geheimnis. Aber es wird heiß. In zwei Wochen geht es los. Der Spannungsbogen wäre damit gespannt.


Freitag, 18. Mai 2018

Gewicht: 60,1 kg

Liebes Tagebuch,

eine kleine Odyssee des Cheats liegt hinter mir. Die vergangenen Wochen waren geprägt von diversen Ausnahmen. Ausnahmen sind großartig! Aber ich find es auch immer wieder schön, wenn meine geliebte Routine wieder eingekehrt ist. Eigentlich ganz cool, wenn man seinen Alltag besser findet als die Ausnahme. Und die Ausnahme ist ja schließlich auch toll. Meine Güte, so viel Gutes ist ja kaum zu ertragen.

Letzte Woche waren wir in einem Kurzurlaub in Greetsiel. Normalerweise hätte ich die wunderbare Seeluft und schöne Landschaft zum Rennen genutzt. Aber mit Rennen ist ja derzeit noch immer nicht viel los. Man könnte auch sagen, dass in dieser Hinsicht ziemlich Ebbe herrscht. Selbst das Gehen ist zurzeit nur mittel. Seit ich wieder den ganzen Tag arbeite, rebelliert der Knöchel mit seinem ganzen Titan-Gerümpel. Aber was soll’s. Ich übe mich einfach weiterhin in meinen Ersatzhandlungen. Und eigentlich liebe ich sie. Auch wenn nichts über einen vernünftigen, richtigen Lauf mit Flugphasen geht. Was würde ich gerne wieder traben, laufen und springen. *träum*. Egaaaaaal. Irgendwann. Wird. Es. Wieder.

Da ich in Greetsiel trotzdem etwas von der schönen Seeluft haben wollte, bin ich mit meiner 10 kg Kurzhantel zu einem kleinen See unterhalb des Deiches spaziert. Der Weg dorthin war bereits anstrengend, da 10 kg im Rucksack schon deutlich zu spüren sind. Am See habe ich dann an einer Bank Quartier bezogen und habe dort 1000 Kniebeugen, 300 erhöhte Liegenstützen auf der Bank und 50 Bizepscurls gemacht. Die größte Hürde dabei waren nicht etwa diese etwas extrem hohen Wiederholungszahlen, sondern die ganzen Touristen.

Das Wetter war geradezu perfekt und in Greetsiel wimmelte es nur so von Urlaubern. Mein Workout an der „See-Bank“ war daher ein gefundenes Fressen für die Menschenscharen. Die Akustik am Deich war so gut und klar, dass ich jedes Wort verstehen konnte. Ich versuchte weg zu hören und einfach meine Übungen durch zu ziehen. Eigentlich bin ich nicht so exhibitionistisch veranlagt, aber ich wollte einfach auch ein bisschen draußen sein und eine schöne Landschaft genießen. Es war schon schlimm genug, dass ich jetzt schon seit drei Monaten nicht laufen konnte. Also, war es mir einfach egal was die Menschen über mich dachten. Ich bekam mit, wie sich verschiedene Grüppchen über mich lustig machten. Auf diese Weise sorgte ich wenigstens für ein amüsantes Unterhaltungsprogramm auf dem entspannten Urlaubsspaziergang. Die Belohnung für meine Dickhäutigkeit war eine kleine Gruppe, die über den Deich spazierte und deutlich zu erkennen die Titelmusik von Rocky nachmachte. Singen konnte man dies zwar nicht nennen, aber es war dennoch auf Grund der charakteristischen Melodie sehr gut zu erkennen. Ich lachte vor mich hin. Ein klein wenig durch geknallt war ich ja schon mit meinem sportlichen Animationsprogram.

Nach meinem Workout packte ich meine Hantel wieder ein und machte mich auf den Rückweg. Zu Hause wartete ordentlich Cheat auf mich. Kuchen, Schokolade und Co. Ordentlich Input für meine brav durch gekneteten Muskeln. Es gibt kaum was Besseres als einen Insulin-Peak nach dem Sport, um den Muskelaufbau und die Regeneration zu stimulieren. Nun mag in diesem Futter nicht genügend Bausubstanz für Muskeln, Hormone und viele andere Körperstrukturen stecken, aber da meine grundsätzliche Eiweiß- und Mikronährstoffzufuhr sehr reichlich ausfällt, ist dieses Belohnungsmahl ohne schlechtes Gewissen zu verkraften. Und außerdem vermag der Mensch einiges an Mangelernährung zu kompensieren. Und dies ist auch der Grund dafür, warum sich viele Menschen so schlecht ernähren. Der Körper duldet es. Über sehr lange Zeit. Und unsere medizinische Versorgung bügelt die entstehenden Entgleisungen erfolgreich aus. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er Eigenverantwortung für seinen Körper übernehmen möchte oder nicht.

So und nun werde ich mich heute Abend zumindest als Zuschauer in den Lippstädter Altstadtlauf schmeißen und den fleißigen Läufern zujubeln. Und ab morgen früh werde ich die Ruhr unsicher machen. Denn dann beginnt der Kampf mit den 230 km. Von der Quelle bis zur Mündung. Zum Glück muss ich das nicht selber laufen. Manchmal ist laufen lassen eindeutig die bessere Wahl.


Montag, 7. Mai 2018

Gewicht: 59,8 kg

Liebes Tagebuch,

ein Wochenende im Zeichen des „Cheats“ und eines Kurzurlaubes in Marburg liegt hinter mir. Warum in die Ferne reisen, wenn es auch in der Nähe so wunderbare Städte gibt, um dem alltäglichen Lebensraum zu entkommen?!

Das Wochenende war nicht nur geprägt von einem Schwerpunkt auf Nahrungsaufnahme und Sportentzug, sondern auch von diversen Besichtigungen und Führungen. Von Städteführung über Fledermausführung bis hin zu einem botanischen Exkurs. So bekam mein Hirn auch endlich mal ein wenig Input, das nichts mit Ernährung und Sport zu tun hatte. Durch die vielen Führungen kam ich mit meinem rekonvaleszierenden Bein auf ca. 13 km und über 17.000 Schritte allein am Samstag. Das Ganze natürlich in meinen Barfußschuhen.

Seit ich auf „freiem“ Fuß bin und die Krücken und den Gehschuh aus meinem Leben verband habe, habe ich noch keinen Tag in normalen Schuhen verbracht. Das heißt, ich bewege mich seit dem nur „barfuß“. Mein Bein ist in einem super Zustand. *Klopf mächtig auf den Holzkopf*. Auf dem Laufband bin ich in der vergangenen Woche auch schon mehrmals für ein paar Meter gelaufen. Also im Sinne von laufen mit richtiger Flugphase. Dies praktiziere ich allerdings derweil eher seltener. Ich träume zwar jeden Tag davon wieder richtig durch die wunderschöne Natur zu rennen, aber mein Bein ist noch nicht so weit und ich gebe ihm die Zeit, die es benötigt, um wieder heile zu werden. Ich bin so froh, dass ich normal gehen kann und wieder alltagstauglich bin, dass ich auf den Luxus rennen zu können sehr gut verzichten kann. Somit erfreue ich mich zurzeit nur am Anblick laufender Menschen und freue mich für sie, dass sie dieser großartigen Betätigung nachgehen können.

Zum Glück gibt es ja diverse andere Formen der sportlichen Umsetzung, der ich in aller Ausführlichkeit nach gehen kann. Kniebeugen, Liegestützen und Beinscherencrunches. Meine Basics. Nach diesem opulenten Wochenende hatte ich für den heutigen Tag eigentlich vor wieder einen 1000er Tag zu machen. 1000er Tag steht übrigens für 1000 Kniebeugen. Aber irgendwie habe ich heute Morgen noch nicht so recht die Kurve bekommen und hänge gerade mal bei 200 Kniebeugen. Immerhin kommen da noch 100 erhöhte Liegestützen und 200 Beinscherencrunches zu. Und mein ausgesprochen amüsantes Beweglichkeitstraining. Ach ja und 3 Minuten Kältetraining im Garten unter dem Gartenschlauch. Klingt alles ein klein wenig durch gedreht?! Vielleicht. Warum ich diese Dinge tue, wird Dir demnächst mein neues Buch verraten. Auf dieses warte ich nun seit einer Woche geduldig und voller Vorfreude. Ein Best-Off meines „fachmännischen“ Wissens vermengt mit meiner speziellen Form der Wortwahl und einem Transfer für die Integration in den Alltag. Ich will es endlich in den Händen halten, es durchblättern und an den frisch gedruckten Seiten schnuppern. Zum Glück bin ich seit meiner Weber-B-Fraktur Experte im geduldig sein.

Apropos geduldig. Geduldig muss man auch sein, wenn man 230 km am Stück laufen möchte. Nein, nein, keine Sorge ich habe gerade nicht vor 230 km am Stück zu laufen. Das würde den Rahmen meiner Geduld bei Weitem sprengen. Ich werde in 12 Tagen Frank bei der Tortour de Ruhr begleiten. 230 km von der Ruhrquelle in Winterberg bis zur Ruhrmündung am Rheinorange in Duisburg. Natürlich werde ich ihn nicht alleine auf diesem Ritt begleiten. Eine ganze Crew wird ihn dabei unterstützen. Ich werde den ersten Part von Winterberg bis Arnsberg übernehmen. 81 km werden das sein bzw. Samstag von morgens 8:00 Uhr bis ungefähr abends 19:00 Uhr. Allein diese Strecke ist für mich eine unvorstellbare Distanz. Wenn ich mich dann zum Ausruhen abseile, wird Frank maschinenartig weiter laufen und wird weiter betreut von seinem Team. Nach einer kleinen Nachtruhe werde ich Sonntagmorgen wieder dazu stoßen. Mit einem ausgeruhten Körper, der Tiefschlaf, REM-Phasen und jede Menge Regeneration praktizieren durfte, werde ich auf jede Menge Läufer und Crewmitglieder von sämtlichen Startern treffen, die sich durch die ganze Nacht gekämpft haben. Kein Tiefschlaf, kein REM, keine Regeneration. Im Gegenteil. Laufen, laufen, laufen. Hin und wieder etwas Trinken und essen. Vielleicht mal ein paar andere essentielle Dinge, die man so tätigt innerhalb eines Tages. Ich bewundere alle, die sich derart durchboxen. Einfach nur Hammer!

Um schon mal in Stimmung zu kommen, habe ich gestern der Ruhrquelle und den ersten Verpflegungspunkten einen kleinen Besuch abgestattet. Ich kannte bisher nur die mächtigeren Stellen der Ruhr. Das kleine, unscheinbare Bächlein, das irgendwo im Sauerland seine Reise antritt, kannte ich bisher noch nicht.Es ist schon etwas Besonderes, mit diesem zarten Rinnsal los zu laufen und mit immer schwerer werdenden Beinen mit zu erleben, wie der Fluss immer breiter und kräftiger wird. Mit der schwindenden Muskelkraft wächst der Fluss immer weiter und wird auf dem langen Weg nach Duisburg zu einem eindrucksvollen Fluss. 


Auf seinem Weg dahin geht die Reise durch idyllische Landschaften, insgesamt sieben große Stauseen und eine ganze Reihe Großstädte. Da ich noch nie weiter davon entfernt war, solch eine Laufleistung zu vollbringen, kann ich mir sowas nur im Geiste vorstellen.


Nach einer durch gemachten Nacht wird man vollkommen übermüdet, mit schweren Beinen, die Abschnitte des Ruhrgebiets durchlaufen. An einem Wochenende mit schönem Wetter bedeutet das eine enorme Frequentierung von Fußgängern und Radlern. Eine zusätzliche Herausforderung für die nachlassende Spritzigkeit und Reaktionsfähigkeit.

 

Ein Wahnsinn. Aber das sagte ich bereits. Nun gut. Das soll für den Moment reichen. Ich werde mich die nächsten zwei Wochen noch etwas mit der Strecke beschäftigten und dann bin ich sowas von gespannt, was an Pfingsten passiert. Wie wird das Wetter? Wie sind die Beine? Was sagt der Kopf? Franks Vorbereitung konnte bisher besser nicht laufen. Er ist fokussiert und hat ordentlich Kilometer gefressen. Er wird das Ding rocken, wie der Rocky der Laufszene. Für die Tapering-Phase heißt es nun, Daumen drücken und gesund bleiben.


Mittwoch, 18. April 2018

Gewicht: 59,7 kg

Liebes Tagebuch,

meine Rekonvaleszenz läuft soweit ich das beurteilen kann ziemlich gut. Ich bin stabil ohne Krücken mit meinen Barfußschuhen unterwegs und habe jeden Tag etwas über 10.000 Schritte auf dem Tacho. Hinzu kommen viele Kniebeugen, Liegestützen und Beinscherencrunches, sowie Ergometereinheiten. Nächste Woche werde ich dann auch wieder „normal“ arbeiten. Es ist schon wirklich ein Wahnsinn wie die Zeit vergeht. Ich bin jetzt in der 8. Woche post-op. Wo ist die Zeit geblieben? Immerhin muss ich mich nicht mehr fragen wo meine Muskeln geblieben sind. Die sind nämlich fast wieder ganz da. Zumindest was das Messbare angeht, hat sich meine Wade wieder an den Ausgangsumfang angenähert. Auch meine Fußmuskulatur ist wieder schön fest und kräftig. Ich habe keine Wadenkrämpfe mehr und auch der Fuß jammert nicht mehr über mein Gewicht. Die Beweglichkeit des Sprunggelenkes ist auch gut. Nicht perfekt, aber gut. Ich kann auch ganz normal Treppen runter gehen. Damit hätte ich so schnell nicht gerechnet. Jedes Mal wenn ich eine Etage zu Fuß und einigermaßen vernünftig herab gestiegen bin, strecke ich wie ein kleiner, affektgestörter Psychopath meine Faust in die Höhe und rufe laut „Yes!“ Da ich aber in der Regel dabei alleine bin, hatte dieses merkwürdige Verhalten noch keine Konsequenzen. 


Meine Gedanken schwirren derweil immer wieder um das Thema Marathon. Wie diese Gedanken konkret aussehen, will ich noch nicht laut äußern. Sie dürfen sich für die nächsten Wochen damit zufrieden geben, eine Existenz als gehirninterne Schmeißfliege zu führen. Sie müssen sich noch etwas gedulden. So ganz gehirnintern sind sie auch gar nicht, da meine engsten Vertrauten über meine Pläne und Ziele Bescheid wissen. Meine Ergometereinheiten habe ich sogar schon unter der Motivation diverser Youtube-Videos von meinem möglichen Marathon-Comeback vollzogen. Ich habe dabei schon einen ganz bestimmten Marathon im Auge. Wenn ich es probiere, dann wird es genau dieser. Auf den Videos gehen die Gesichter der Finisher im Ziel immer besonders motivierend in mein Läuferherz. Oh ja, ich kann mich daran erinnern wie es ist nach den 42,195 km aus einem stundenlangen Lauftempo endlich zufrieden stehen zu bleiben, sich vor der Medaille zu verbeugen und sie um den verschwitzten Hals gehangen zu bekommen. Ich fänd es cool einen Marathon auf Titan zu laufen. In den nächsten Wochen werde ich darüber entscheiden was ich tue. Und dann werde ich mich anmelden und als Belohnung für den Marathon werde ich mir direkt einen Termin für meine zweite Operation in diesem Jahr machen. Und wenn ich den Marathon nicht angehe, werde ich nur den Operations-Termin machen und der ganze Titan-Kram darf um 42,195 km ärmer meinen Körper wieder verlassen. 

Ich habe meine Rekonvaleszenz genutzt, um ein weiteres Buch zu verfassen. Anfangs wollte ich ein Entschleunigungs-Tagebuch schreiben, wovon ich dann jedoch Abstand genommen habe. Vielleicht werde ich von diesen Aufzeichnung etwas für ein Tagebuch zu meinem vermeintlichen Marathon-Comeback verwenden. Mal sehen. Das was ich jetzt verfasst habe, hat mit Tagebuch nichts zu tun. Es ist eine Ansammlung meines Wissen… genau, es hat das Format eines Pixi-Heftchen. Es geht um Ernährung, Sport und eigentlich alles. Es enthält auch die Inhalte meiner Vorträge. Da ich nach den Vorträgen öfters nach einem Skript oder Ähnlichem gefragt werde, habe ich meine Krankenzeit dazu genutzt eine kleine Aufzeichnung zu verfassen.  Es war für mich eine ganz schöne Herausforderung ein Buch zu schreiben, dass sich nicht einfach von Tag zu Tag hangelt, sondern einen gewissen Aufbau hat. Ob mir das gelungen ist, weiß ich nicht. Ich find es natürlich logisch strukturiert. Was mein Gehirn logisch findet, muss bei weitem nicht dieses Prädikat erfüllen. Wie auch immer. 


Nun werde ich mich für die nächsten Wochen weiterhin mit meiner „wieder Eingliederung“ beschäftigen, werde weiterhin mein Essen fotografieren was auch bestens mit gebrochenem Bein funktionierte, das Ergometer bespaßen und mich natürlich gedanklich auf die Tortour de Ruhr vorbereiten. So, dann mal los. 

Sonntag, 8. April 2018

Gewicht: 60,0 kg

Liebes Tagebuch,

ich habe mein ursprüngliches Kampfgewicht wieder. Und, was noch viel wichtiger ist, meine beiden Beine. Nun gut, das natürlich noch in einer zugegeben ziemlich bescheidenen Version, aber sie gehen wieder. Vergangenen Donnerstag hatte ich endlich 6 Wochen Post Op erreicht und durfte offiziell meinen Gehschuh in die Ecke hauen und mit meinem doch ziemlich stark reduzierten Bein los marschieren. Ich hatte allerdings die ganze Woche bis Donnerstag schon ziemlich viel ohne Gehschuh zu Hause zurück gelegt. Ich hatte einfach genug von diesem Trümmer. Und außerdem hatte der Doc mir das ja irgendwie auch erlaubt. Glaub ich. *lach* Nein, Spaß bei Seite. Er hatte es mir erlaubt. Schließlich waren ja alle Schrauben fest und der Knochen nach Plan verheilt. Ab Donnerstag hatte ich dann aber verrückterweise das Gefühl es jetzt wirklich zu dürfen und mit diesem offiziellen Charakter habe ich den Gehschuh dann ein für alle Male aus meinem Leben verbannt. Zumindest für den Moment. Wer weiß, was mir in den nächsten Jahren noch so für Ideen kommen. Freitagmorgen habe ich mich dann aus dem Bett geschwungen, habe mir nur noch eine Krücke geschnappt und bin auf Klo gegangen. Und weißt Du was ich dann gemacht habe? Nein, ich meine jetzt nicht auf Klo… Ich habe die Krücke im Badezimmer stehen gelassen, weil mir auch die gemeinsame Zeit mit der Krücke langte. Und seit diesem Zeitpunkt „trabe“ ich wieder ohne Gehschuh und Krücken durch die geradezu sommerliche Welt. Nur halt ohne Trab und ziemlich langsam. Die ersten Schritte waren wie von einem Kleinkind oder einem Playmobilmännchen. Mittlerweile hat sich mein Gehstil „extrem“ verbessert, denn ich gehe nur noch so als hätte ich in die Hose gemacht. Mein Sprunggelenk ist natürlich noch nicht so ganz geschmeidig, daher mache ich viele Übungen, um das Ding wieder weich zu kriegen. 

Ich war nun auch schon zwei Mal auf dem Ergometer. Mein rechtes Bein ist echt richtig putzig. Und wie schnell die Wade genug hat, ist wirklich lustig. Zum Glück habe ich keinerlei Druck und höre einfach auf, wenn mein Bein nicht mehr möchte. Ich habe mich gestern auch das erste Mal wieder hinter das Steuer gesetzt. Das funktioniert auch ohne Probleme. Ich kann endlich wieder einkaufen! Auf Beutejagd gehen! Ich werd verrückt! Und heute war ich eine für meine Verhältnisse riesenhafte Runde spazieren. Meine Tageschritte nähern sich gewaltig der 10.000er Marke. Ein Traum. Ich kann kaum glauben, dass ich jetzt endlich wieder einen normalen Alltag habe.

Dennoch fühle ich mich gerade etwas paralysiert. Der Grund dafür ist, dass mein Leben und ich für die letzten sechs Wochen förmlich auf Eis gelegt worden sind. Die Marathon- und Laufsaison brummt. Auf einmal fallen mir wieder meine Ziele und Vorhaben für 2018 ein. Auf Facebook verfolge ich, wie die Läuferwelt sich auf den vielen Veranstaltungen austobt. Höchstwahrscheinlich werde ich wohl in ein paar Monaten wieder laufen können, aber dennoch ist diese Art von Laufwelt meilenweit entfernt. Ich hatte die letzten Tage darüber nach gedacht, ob ich im Herbst einen Marathon mit Titan laufen soll. Oder zumindest versuchen soll. Das wäre die einzige Gelegenheit dafür. Denn mein Doc hat mir geraten den Kram da möglichst früh wieder raus zu holen. Das wäre dann sogar noch in diesem Jahr. 2018, ein Jahr der Operationen und Rekonvaleszenz. Entschleunigung und schrecklich viel Zeit über seine Ziele im Leben nach zudenken. Aber gut, für den Moment läuft alles bestens. Schritt für Schritt komme ich zurück gekrochen. Wohin ich krieche, werde ich jeden Tag aufs Neue überlegen. Denn wie heißt es so schön, der denkende Wurm ändert seine Kriechrichtung.

Sonntag, 25.03.18

Liebes Tagebuch,

ich kann es noch nicht wirklich glauben und ich muss die nächsten Tage abwarten, ob sich meine Theorie bestätigen wird, aber ich habe mich die letzten Tage ziemlich abgeschossen. Nicht etwa mit Squats oder anderen Übungen, sondern viel mehr mit meiner Thrombosemedikation und meiner Ernährungsform. Seit ich im Krankenhaus war, habe ich immer wieder Probleme mit meinem Herzrhythmus. Anfänglich dachte ich, es handele sich um Extrasystolen auf Grund der von heute auf morgen eingetretenen Ruhigstellung. Mit diesem Gedanken habe ich die letzten Wochen verbracht. Die Problematik mit meinen Extrasystolen hatte sich dann die letzten Tage so gravierend gesteigert, dass ich letzte Nacht dachte, ich müsste sterben. Wer schon mal eine derartige Rhythmusstörung hatte, weiß wovon ich rede. Hinzu kam ein total matschiger Kopf. Ich hatte irgendwie von Anfang an das Gefühl, dass ich elektrolytisch total entgleist war. Ich hatte aber keine Erklärung dafür. Es konnte nicht mehr an der plötzlich reduzierten Bewegung liegen. Zudem muss ich sagen, dass ich mich im Moment definitiv genug bewege. Was also war der Grund für diese Entgleisung? Da ich mich seit Monaten mit Mikronährstoffen, Wechselwirkungen und dem ganzen Kram auseinander setze, war ich genau die richtige Person, um die Ursache der Probleme zu detektieren. 

Was war anders? Meine Ernährung war wie immer. Ich hatte das Gefühl, dass mit meinem Kalium was nicht stimmt. Bisher hatte ich an einen Mangel gedacht. Aber das konnte eigentlich bei meiner Ernährung vorne und hinten nicht sein. Meine Magnesiumeinnahmen hatten meine Problematik auch nur verschlimmert. Und plötzlich war da dieser Verdacht… ich habe keinen Mangel. Ich habe eine Kaliumüberdosierung! Das würde auch erklären warum unter Magnesium die Problematik schlimmer geworden ist. Denn Magnesium hemmt die Ausscheidung von Kalium in gewisser Weise. Aber warum zum Henker hatte ich diesen Überschuss? Mir fielen die Thrombosespritzen als einziger Unterschied ein. Ich suchte nach den Nebenwirkungen. Und tatsächlich gab es eine Wirkung auf den Aldosteronhaushalt. Jenes Hormon, das für die Regulation der Elektrolyte mit verantwortlich ist. Viel Aldosteron scheidet viel Kalium aus. Und meine Thrombosespritze vermag dieses Aldosteron zu hemmen. Dies ist eigentlich zwar nur bei Niereninsuffizienz oder der Einnahme von Medikamenten, die den Kaliumspiegel erhöhen, von Relevanz, aber halt nur eigentlich. Denn wahrscheinlich wurden noch nie Untersuchungen an Personen durch geführt, die einen immens hohen Anteil an Kalium in ihrer Ernährung aufweisen (Sehr viel Salat, Gemüse, Avocado), deren Ernährung einen ziemlich geringen Kohlenhydratanteil aufweist und die viel Muskulatur durch Stilllegung auf Grund eines Beinbruches verloren haben. Jetzt mag man sich auf den ersten Blick fragen, was all diese Dinge mit einander zu tun haben. Aber alle Punkte für sich genommen erhöhen den Blutspiegel an Kalium. Das ist so. 

Ich dachte über meine Symptomatik nach. Sie war erst in den letzten Tagen abends so schlimm geworden. Davor war es irgendwie nicht so schlimm. Aber warum? Ich recherchierte wann meine Clexane ihr Wirkmaximum hat. Nach 10-12 Stunden. Da ich im Moment wieder morgens spritzte, passte das mit dem Zeitpunkt der schlimmsten Symptomatik überein. Und da fiel es mir ein! Ich hatte Mittwoch im Rahmen meines Vortrages vergessen zu spritzen. Ich hatte nämlich im Krankenhaus  immer abends eine Spritze bekommen und hatte diesen Rhythmus mit nach Hause genommen. An dem Abend des Vortrages hatte ich vergessen zu spritzen und erst Donnerstagmorgen wieder gespritzt. Und tatsächlich hatte ich den ganzen Donnerstag keinerlei Beschwerden gehabt. Die hatten erst am Abend wieder begonnen. Hinzu kam auch noch die Angewohnheit abends sehr viel Avocado zu verspeisen. Und diese ist eine totale Kaliumbombe. Ich war ein Stück weit schockiert über die Folgen meiner Ernährung und der Wechselwirkung. Wie gravierend die Überdosierung von Kalium ist, sieht man daran, dass es das Kalium ist was einen bei einer Niereninsuffizienz umbringt. So viel zu einem zu hohen Kaliumspiegel. 

Diese ganzen Erkenntnisse kamen nun nachdem ich meine Spritze bereits in meinen Körper verfrachtet hatte. Mein gewöhnliches Frühstück war auch schon drin und mein Herz rappelte heiter vor sich hin. Okay, die einzige Möglichkeit die Situation zu ändern war ein purer Albtraum! Ich musste für den restlichen Tag ungesunden Kram verspeisen. Viele Kohlenhydrate, Salz und bloß nix mit Kalium. Nix Frisches. Und das habe ich dann heute durch gezogen und den Abend sogar mit Wein beendet, denn auch der haut einem das Kalium raus aus dem Körper. Und der Kracher ist, ich habe nicht das geringste Stolpern mehr. Nichts. Einfach ein komplett normaler Herzrhythmus. Ab morgen werde ich die Spritze weg lassen und mein normales Essen konsumieren und wenn ich stabil bleibe, lag es an der Spritze. Definitiv. Mittwoch habe ich dann schon meinen Kontrolltermin. Dann wird es wohl hoffentlich bergauf gehen. Oh man, was mir mein Geburtstag alles eingebrockt hat. Aber immer hin hatte ich auf diese Weise heute mit meinen Eltern ein nachgeholtes Geburtstagskuchenessen. Das hatte es nämlich bisher noch nicht gegeben. Also alles irgendwie mit happy end. 


Montag, 19. März 2018

Liebes Tagebuch,

es ist mal wieder an der Zeit etwas auf der Tastatur rum zu hämmern. Mein letzter Eintrag ist nicht lange her, aber dennoch haben sich ein paar Erkenntnisse in mein Brain geschlichen. Naja, nicht geschlichen. Vielmehr habe ich ein paar Feststellungen gemacht. Zum einen denke ich derzeit, dass ich meine Krankengeschichte nicht zu einem Buch zusammen fassen werde. Auch wenn ich es hier angekündigt habe. Der Stoff ist nicht gerade aufregend und würde höchstens als Schlafmittel dienen. Ich habe zwar schon einiges abgetippt, aber dies dient immerhin als persönliche Geburtstagsgeschichte. Punkt zwei der Tagesordnung: Ich habe mir viele Gedanken bezüglich eines realistischen Comebacks in Sachen Wettkämpfe gemacht. Wäre September wohl möglich? Maybe. 

Wie wäre es, wenn ich mir zur Motivation ein Ziel nehme? Natürlich nicht! Aber warum denn nicht? (Das ist hier gerade ein kleiner, interner Dialog zwischen zwei sich unterhaltenden Gehirnzellen. Oh ja, ich besitze tatsächlich sogar zwei davon) Der Grund warum ich mir kein Ziel setzen möchte ist der, dass ich gerade noch nicht einmal weiß wie schnell ich wieder gehen kann. Gehen! Nicht etwa laufen. Mein rechtes Bein ist nun tutti completti weg rationalisiert. Ich habe sogar an der Wade Haut übrig. Ich kann den Hautlappen richtig in die Hand nehmen. Und dieses Phänomen habe ich sogar an meinem Fuß. Er ist sichtlich dünner als der linke Fuß und wirft richtig Falten, weil mein Fuß die zur Verfügung stehende Haut nicht mehr auszufüllen vermag. Ich empfinde das als total abgefahren. Der Mensch ist so eine wahnsinnige Anpassungsperfektion, das es mich immer wieder sprachlos macht. 

Ich arbeite im Moment mit Volldampf an einem dennoch aufbauenden Grundzustand. Das heißt mit anderen Worten, das ich meinem restlichen Körper und den Muskeln Reize setze, um nicht komplett die Form zu verlieren. Auf diese Weise rette ich meinen Kreislauf, der durch die mäßige Fortbewegungsmöglichkeit echt ziemlich runter reguliert ist. Mein Grundumsatz, der vor meinem Unfall bei 2500 kcal pro Tag lag ist nun um 1000 kcal reduziert und nun nur noch bei ca. 1500 kcal pro Tag. Essen tue ich allerdings die gleiche Menge. Suche den Fehler.  Ich bin also –außer meinem rechten Bein – hochgradig anabol unterwegs. 

Ich habe mich vermessen und zum Glück hatte ich eine Woche vor meinem Unfall auch eine Vermessung durch geführt. So habe ich die Entwicklung meines Körpers nun schwarz auf weiß. Eigentlich ist es blau auf weiß, da die Stiftfarbe Blau war. Ich habe ziemlich zugelegt. An Umfang. Oder sagen wir es etwas präziser: Ich habe mein rechtes Bein abgebaut und habe das Gerümpel von da unten nach oben gebaut. Mein Brustumfang, was auf einen explodierten Latissimus und Pectoralis zurückzuführen ist, ist von 86 cm auf 93 cm gewachsen. Der Bizeps von 27,5 cm auf 29 cm. Liegestützen und Bizepscurls sei Dank. Der Bauchumfang hat sich zum Glück nicht verändert.  Mein linkes Bein hatte vor meinem Unfall einen Umfang von 56 cm. Jetzt hat es nur noch 53 cm. Das ist prozentual für so ein Bein ganz schön viel. Die Wade, die ja absolut gesehen noch dünner ist, hat ebenfalls satte 3 cm verloren. Sie ist jetzt gerade quasi nicht mehr da. Und ich probiere alles Mögliche zu tun, um die Degeneration aufzuhalten. Aber mein Körper lacht sich indes ins Fäustchen und denkt sich „Lass die Alte mal machen, ich fresse die Wade trotzdem auf“.*rülps* 

Aber zum Glück, wird sie sich auch wieder an die Belastung anpassen. Ich kann mir jetzt zwar noch nicht vorstellen gehen und laufen zu können, aber ich weiß dass das wieder funktionieren wird. Genau wie Auto fahren, Einkaufen gehen und ohne Krücken und Staatsakt nachts auf Klo gehen zu können. Das wird schon wieder. Und wenn nicht, dann werde ich mit meinen bis dahin explodierten Armen durch die Gegend laufen. Nochmal kurz zurück zu der anfänglichen Zielsetzung. Was ist aus meinen Zielen geworden? Ich habe schlicht und ergreifend Angst mir Ziele zu setzen, die ich nicht erreichen kann. Vielleicht bin ich an dieser Stelle auch echt ne Mimi, aber das ist mir egal. Ich will meinen Körper nicht unnötig stressen. Vor allem psychisch nicht. Der Leistungsgedanke ist ohnehin in unserer Welt viel zu dominant. Wenn ich schnell wieder laufen kann, dann freu ich mich und werde auf der Welle der Freude das Beste machen. Und wenn ich nicht so schnell fit sein sollte, dann werde ich mich weiterhin in läuferischer Enthaltsamkeit üben. Außerdem hat mein Gehirn auch noch jede Menge Speicherkapazitäten, die es gilt zu füllen. In diesem Sinne, werde ich mich nun weiter auf die Expansion meiner grauen Zellen und Muskelzellen oberhalb der Gürtellinie konzentrieren.  

Freitag, 16.03.18

Gewicht: 58,5 kg

Liebes Tagebuch,

mein Gewicht hat sich scheinbar in den Sphären zwischen 58,5 kg und 59,0 kg eingependelt. Muskelverlust von einem Kilo? Hmmm...zumindest bin ich nur noch Besitzer von einem Wadenmuskel. Aufgrund der nicht funktionsfähigen Muskel-Wadenpumpe rechts ist der Muskel noch weiter geschrumpft. Diese "Pumpe" ist für die kommenden drei Wochen auch weiterhin Tabu. Daher wird auch fleißig weiter Clexane gespritzt. Es ist für mich zum Ritual geworden. Die Spritze ist ein Teil meiner Tagesstruktur, genau wie meine Squats, Liegestützen und Bizepscurls. An besonderen Tagen werde ich von lieben Menschlein abgeholt und darf etwas erleben. Lebensmittel einkaufen oder gar zu meinem Pony fahren. So hat mich diese Woche die liebe Petra abgeholt und hat meinem Pony zu etwas Bewegung verschafft. Danke, liebe Petra!! Der Gute hat durch das fehlende Training mit meiner Wenigkeit auch schon ordentlich Speck angesetzt. Warum soll es Ponys auch besser gehen als uns? Ansonsten kamen diese Woche alle Restfäden ex. Nächste Woche wartet dann mein Doppeldecker Vortrag auf mich. Und danach die Woche gibt's schon den nächsten Meilenstein...


Sonntag, 11.03.18

Gewicht: 58,6 kg

Liebes Tagebuch,

nun ist fast eine Woche vergangen. Meine Rekonvalesenz schreitet gemächlich vor sich hin. Ich habe mir einen Trainingskomplex aus Squats, Liegestützen und Bizepscurls gebastelt und arbeite dies täglich ab und bin heil froh, dass das überhaupt möglich ist. Meine täglichen Hausarbeiten funktionieren zwar entschleunigt, aber immer hin. Heute bin ich auf allen Vieren durch die Wohnung gekrabbelt und habe die Meerschweinchen sauber gemacht und habe mit einem Handfeger den Boden gefegt. In meinem Beutel hatte ich eine zusätzliche Mülltüte, in die ich den Schmutz entleert habe. Staubsaugen mal anders. Auf diese Weise lernt man den Schmutz viel intensiver kennen. Also, ich würde sagen es läuft rund. Mein nächster Vortrag steht auch in den Startlöchern. Bei Interesse könnt ihr gerne mal unter dem Punkt Vorträge stöbern. Mein neues Armband ist auch da und hat das Op-Bändchen abgelöst. "Es ist die Summe der einzelnen Schritte, die Dich an Dein Ziel bringen." 

Meine Schritte werden in der nächsten Zeit sehr klein sein, aber ich habe gelernt dass es auf jeden einzelnen ankommt. Ich bin so froh, dass ich so viele liebe Menschen in meinem Umfeld habe, die mir gerade bei den unmöglichen Tätigkeiten jenseits meines Rollbrettes helfen. Sei es beim Einkaufen oder bei den Dingen, die mein Pony betreffen. Da sind mir gerade echt die Hände gebunden bzw. an die Krücken gefesselt. Ich danke euch von ganzem Herzen. 

Mein Fuß stinkt im Übrigen mittlerweile wie ein Jahrzehnte gereifter Stinkekäse. Bäh! Aber okay. Am Ende wird alles gut... 

Hier wieder ein paar Bilder aus dem Krückenalltag. Es wird zunehmend unspektakulärer.


Montag, 05.03.18

Gewicht: 58,4 kg

Liebes Tagebuch,

nicht nur an meinem Gewicht ist die Selbstverdauung meiner Muskeln zu erkennen. Auch optisch ist der Verlust von Muskulatur sichtbar. Meine rechte Wade sieht aus wie ein Lappen. Keine Muskelkonturen mehr. Es ist lustig und zu gleich bewundernswert wie effizient der Körper haushaltet. Von wegen einen Muskel aus optischen Gründen erhalten. Was nicht arbeitet wird gandenlos abgesägt. Mein Tag war ansonsten geprägt durch eine wunderbare Frühlingsstimmung. Einfach wundervoll. Morgen kommen die Fäden raus. Ein weiterer Schritt. Ich habe mir heute ein Armband mit individueller Gravur bestellt. Dieses soll dann bald mein Op-Band ersetzen. Ich habe mir dafür folgenden Spruch überlegt: 

Es ist die Summe der einzelnen Schritte, die Dich an Dein Ziel bringen.

Und das war mein Tag in Bildern:


Freitag, 02.03.18

Liebes Tagebuch,

so langsam tritt tatsächlich eine Art Routine ein. Ohne, dass ich meine Tage bewusst plane, habe ich einen Rhythmus entwickelt, der jeden Tag sehr gleich ist. Ich habe mich an die Fortbewegung und den Umgang mit meinen Krücken im täglichen Leben gewöhnt. Ich probiere jeden Tag vorsichtig ein bisschen mehr Bewegung in den Alltag zu bringen. Die Wunde könnte noch besser sein und der Fuß definitiv hübscher, aber das stört mich gerade nicht sonderlich. Ich habe mein Mittagessen heute aus praktischen Gründen direkt in einen Topf mit Deckel gefüllt. Das kann man dann etwas schneller transportieren. Rollbrett ist natürlich auch ne coole Nummer, aber ist schon etwas umständlicher. Und "umständlich" ist im Moment bei allem was ich tue mein dritter Vorname. Und während ich so aus meinem Napf gefuttert habe, kam mir die Idee, dass ich den Kaffee in der Tasse doch in die Plastikschale stellen könnte und dann in meine Tasche. Auf diese Weise könnte ich dann sogar einen Kaffee draußen trinken. Und der Plan sollte aufgehen. Ohne zu plempern hab ich friedlich nen Kaffee in der Sonne geschlürft. Und mit diesem Mega-Highlight verabschiede ich mich mal ins Wochenende. Ich wünsche Dir mindestens genauso tolle "Mega-Highlights" und bleib immer schön wachsam für die kleinen Erfolge des Alltags. 


Donnerstag, 01.03.18

Liebes Tagebuch,

nun ist seit der Operation genau eine Woche vergangen. Ich bin in meinem neuen Alltag zu Hause angekommen. Die ersten Tage mit der Unterstützung meiner lieben Mutter und meines Partners und nun bin ich tagsüber auf mich alleine gestellt. Meine Mutter ist wieder zu Hause und mein Freund muss den Tag über arbeiten. Aber das klappt alles sehr gut. Ich habe fabelhafte Unterstützung durch meine beiden Krücken, eine Umhängetasche und mein Rollbrett. Ich bin noch immer ziemlich entspannt und komme auch mental gut zurecht. Selbst die vielen sportlichen postings bei Facebook jucken mich nicht. Bis jetzt. Ich weiß nicht wie es in ein paar Wochen aussieht, aber derweil freue ich mich über die Minifortschritte und darüber, dass alles so gut verlaufen ist. Gedanken an Ballern oder Wettkämpfe sind ganz weit weg. Ich kann mich noch ziemlich gut daran erinnern, wie sich die Sache mit dem Ballern anfühlt. Und dabei wird es jetzt erst mal bleiben, bei dem freudigen Erinnern. Ich habe heute einen kleinen Ausflug gemacht. Um ehrlich zu sein war es nur einmal die Straße rauf und runter. Aber am Ende der Straße ist ein kleiner Kuhstall. Ich habe den Kühen das erste Mal einen Besuch abgestattet. Sonst renne ich dort immer nur vorbei und vernehme das Muhen der Kühe nur am Rande. Aber jetzt bin ich entschleunigt. Ich habe Zeit den lieben Kühen in ihre großen Augen zu blicken. Das war ein wunderbarer Besuch. Unspektakulär. Aber schön. Und sonst so?! Mit meinem Rollbrett läuft es rund. Ob Kaffee oder Mittagessen, es bringt brav die Dinge zum Tisch, die ich nicht in meinem Beutel transportieren kann. Und mein Bein bekommt jeden Tag ein paar mehr Schritte aufgebrummt und der restliche Körper darf sich auch in regelmäßigen Abständen betätigen. Denn Bewegung braucht auch der entschleunigte Mensch. Nun werde ich darüber nach denken, wie ich meinen Meerschweinchen bei bringen kann mein Rollbrett für mich von A nach B zu ziehen. Das wär doch mal was, sich von seinen kuscheligen Meerschweinchen den Kaffee bringen lassen. 


Sonntag, 25.02.18

Liebes Tagebuch,

mein Geburtstag ist nun eine Woche her und mein Leben hat sich seit dem einmal komplett auf links gedreht. Ich habe Zitronen bekommen und hab natürlich keine Limonade draus gemacht. Das wäre ernährungsphysiologisch inkorrekt. Ich hab die Zitronen statt dessen mit Haut und Haaren gefressen. 

Sauer. Macht. Lustig. 

Ich habe eine kleine Fotodokumentation der letzten Tage gemacht. Bilder sagen mehr als 1000 Wörter. Und die 1000 Wörter dazu sind in Arbeit. 


Dienstag, 20.02.18

Liebes Tagebuch,

passend zu meinem letzten Eintrag mit dem Eisbad ist mein Training auf Grund meiner eigenen Trotteligkeit auf Eis gelegt. Beim Energiecross in Neukirchen habe ich mir in der letzten Runde das Wadenbein gebrochen. Und das ganze an meinem Geburtstag. Jackpot! Aber ich sehe es tatsächlich als Geschenk. Es hat mir ohne Aufforderung mein Leben auf ein Minimum an Geschwindigkeit runter gedrosselt und mir gleichzeit die Gelegenheit gegeben darüber nach zu denken wohin ich will und was zu den essentiellen Dingen zählt. Und außerdem hat mir meine Situation gezeigt welche Menschen auf einmal für einen da sind und einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich habe gefühlt wie Bekannte, Freunde und nur "Facebook-Freunde" einem Zuversicht, Mut und Kraft geben. So viel Aufmerksamkeit bin ich gar nicht gewohnt. Ich bin doch eigentlich nur das kleine, pinke Menschlein das ihr Essen fotografiert und nervige Posts über gesundes Futter macht. Nun, ich fühle mich immer noch, auch nach meinem Knochendesaster, beauftragt mehr Ernährungsaufklärung in der Welt zu verbreiten, sowie eine artgerechte Haltung des eigenen Körpers. Am besten ohne Knochenbrüche. In jedem Falle möchte ich helfen ein glücklicheres Leben zu führen. Und das immer im jetzt. Und weißt Du was? Ich bin glücklich. Jetzt. Und das obwohl ich mit meinem gebrochenen Haxen hier rum liege, mich klebrig fühle, mein Kreislauf gerade keinen Plan hat was ich da gerade mache, da er ja ein ganz anderes Aktivitätsniveau gewohnt ist und ich echt Angst vor der Operation habe. Aber ich bin glücklich. Und nun werde ich mich übermorgen ins Krankenhaus verabschieden und das was ich erlebe und bisher erlebt habe fasse ich in einer kleinen Lektüre zusammen. Daher wird hier für die nächsten Wochen eine Phase der Enthaltsamkeit walten. 

Bis bald. 

Bleib gesund. 


Coming soon..


Sonntag, 11.02.18

Gewicht: 60,1 kg

Liebes Tagebuch,

es ist eisig. Aber dies konnte mich nicht davon abhalten am Samstag in unseren Teich zu steigen und ein Eisbad zu nehmen. Die wunderbare Kraft der Kälte auskosten. Auch wenn es etwas Überwindung kostet den Körper in diese ungemütlich und beinahe lebensfeindlich temperierte Flüssigkeit zu tunken, ist das Gefühl danach umso belohnender. Wichtig ist nur, dass man sich danach gut aufwärmt und sich nicht zu lange unterkühlt.

Grundsätzlich bewirkt der Kältereiz eine Reihe gesundheitsfördernder Auswirkungen auf den Körper. Unter anderem wird das weiße Fettgewebe dazu ermutigt zu wärmeproduzierendem, braunen Fettgewebe zu mutieren. Man passt sich dadurch an die Kälte an und produziert mehr Wärme. Dies hat den Vorteil, dass wir nebenbei einfach mehr Fett verbrennen und dadurch mehr Kalorien verheizen.

Aber genug zu dem Kältemassaker in unserem Teich. Mein heutiger Tag startete mit der gewohnten Runde Flow Yoga. Ich freue mich jeden Morgen darauf, obwohl ich anfänglich immer noch ganz schön verschlafen und unbeweglich bin. Ich zelebriere es als eine Art morgendliches Ankommen im eigenen Körper. Das mag jetzt etwas merkwürdig klingen, aber sind wir nicht alle ein bisschen bluna?

Wie dem auch sei, nach meinem morgendlichen Ankommen gab es die „Vorwettkampfsmahlzeit“ mit schnell verdaulichen Kohlenhydraten in Form von Haferflocken, etwas Trockenobst und frischem Obst, sowie einem guten Anteil Eiweiß in Form von Magerquark, um die Verdauungszeit etwas zu strecken und den Pool an Aminosäuren aufzufüllen. Danach ging es dann frisch gestärkt nach Hamm. Es regnete und ein ungemütlicher Wind fegte einem das ganze nasskalte Gedöns ins Gesicht. Die gefühlte Temperatur war irgendwie kälter als im Eisbad.

Aber beim Laufen würde mir sicher warm werden. Die Bewegungsenergie würde es sicher richten. Bevor es los ging, musste ich mich allerdings bis zur letzten Minute ins Auto kuscheln. Irgendwie fehlte der Laufmodus an diesem Morgen. Wo war der Grell zum Ballern hin? Ich hatte ihn wohl im Eiswasser versenkt. Nach ein paar Kilometern „warm“ laufen war ich einigermaßen gewillt die 15 km zu rennen. Das Problem der 15 km war ihre Länge. Denn die 15 km lagen außerhalb meiner derzeitigen Trainingsreichweite. Kaum zu glauben, aber meine Läufe „beliefen“ sich immer unterhalb der 10 km Marke. Lediglich bei den Wettkämpfen in den letzten Wochen bewegte ich mich mit Warm- und Auslaufen über der 10 km Marke. Somit fühlten sich 15 km ballern gerade etwas artfremd an. Wie würde dies erst in zwei Wochen werden, wenn der Halbmarathon anstand?! Aber dies gehörte zu den Bereichen, die ich derzeit noch erfolgreich verdränge.

Um 10:00 Uhr ging es dann auf die Strecke. Meine Beine fühlten sich relativ unspektakulär an. Weder voll noch leer. Irgendwie waren sie unauffällig. Nach 1 ½ Runden im Stadion ging es auf die Wendepunktstrecke. Ich hatte mal wieder das Gefühl, dass alle davon fegten. Ich konnte irgendwie nicht mit fegen und lies die schnellen Hasen davon hoppeln. Ich konnte in dem bunten Haufen ein paar Damen erkennen, die in den letzten Wochen eigentlich langsamer waren als ich. War ich heute langsamer als sonst? Ein Blick auf die Uhr würde es mir verraten, aber dies tat ich ja aus Prinzip nicht. Ich blieb in meinem Tempo und lies die Kilometer vorüber gehen. Bei Kilometer zwei entdeckte ich die Gummipuppe, die vor zwei Wochen noch im Baum gehangen hatte, unten im Gebüsch liegen. Hätte ich nicht gewusst, dass es sich um eine Gummipuppe handelt, hätte ich das Häufchen Gummi nicht mehr als solche identifizieren können. Ich konzentrierte mich weiter auf mein Tempo. Ich konnte mir immer noch nicht vorstellen 15 km zu ballern. Aber wenigstens war mir mittlerweile wirklich schön warm. Ich tastete mich an verschiedene Damen heran, die die letzten Wochen hinter mir waren. Anscheinend waren sie heute nur sehr schnell gestartet. Ich hatte die Hoffnung, dass ich doch keinen schlechten Tag hatte.

Die Kilometer vergingen und ich sortierte mich in eine kleine Gruppe von Läufern. Einen riesigen schwarz gekleideten Läufer und einen blauen Läufer. Eigentlich wollte ich diese Beiden nur kurz überholen, aber wie es bei manchen Männer-Egos so ist, funktioniert das mit dem Überholen nicht immer direkt. Jedes Mal wenn ich im Überholmanöver war, rasten die Beiden wieder los. Der Blaue blickte sich dabei immer wieder um und guckte, ob ich hinter her komme. Immer wieder amüsant. Wir erreichten Kilometer fünf. Bald würde der Gegenverkehr beginnen, dann würde es wieder eng werden. Der schwarze Riese machte wieder einen Satz nach vorne. Das Problem war, dass er so groß war, dass er mit seinen spitzen Ellenbogen immer vor meinem Schädel rumwedelte und dazu auch noch Kopfhörer im Ohr hatte und in seiner eigenen Welt unterwegs war. Der Gegenverkehr kam. Es wurde wieder problematischer mit dem Überholen. Ich musste wieder an den Ellenbogen vorbei.

Nach zwei weiteren Kilometern kam der Wendepunkt dann endlich auch für mich. Jetzt war ich der Gegenverkehr. Ich war auf dem Rückweg. Der Gegenwind hielt sich in Grenzen. Meine Beine fühlten sich zäh an. Vor allem die hintere Oberschenkelmuskulatur war wenig erfreut über das, was ich ihr da abverlangte. Sie wollte wieder in den Teich. Abhängen. Ich zog weiter und das Spiel mit meinen beiden Männern, dem Blauen und dem Schwarzen mit seinen gefährlichen Ellenbogen, ging weiter. Sie ließen nicht locker und versuchten mich immer wieder zu versägen. Die letzten Kilometer kamen, ich passierte ein zweites Mal die leere Gummipuppe im Graben und machte mich wieder auf den Weg zurück zum Stadion.

Ich hatte mittlerweile meine beiden Wegbegleiter abgeschüttelt. Für einen kurzen Moment hatte sich eine weitere Dame mit einem Hasen an meine Fersen gehängt. Der Hase war äußerst eifrig in der Motivation seiner Begleiterin. Ich hatte mich schon gefreut bis zum Ziel mit so viel Motivation und Moderation zu laufen, aber die Zeit in meinem Windschatten dauerte nicht allzu lange und sie ließen wieder abreißen. Den letzten Kilometer lief ich mehr oder weniger alleine. Ich hatte zwar noch genug Läufer in Sichtweite, aber in nächster Nähe war keiner mehr. Ich bog in das Stadion ein. Das Ziel war nahe. Ohne irgendwas an meiner Platzierung zu ändern drehte ich meine letzte Runde auf der Bahn. Ich stoppte meine Zeit. 1:07:57. Das war ein gutes Stück schneller als beim Silvesterlauf.

Ich freute mich auf mein Belohnungsfutter, auf eine warme Badewanne und einen ruhigen Sonntagnachmittag. Es geht doch nichts über den zufriedenen Zustand nach getaner Arbeit.


Sonntag, 04.02.18

Liebes Tagebuch,

diese Woche hätte planmäßig im Zeichen der Erholung und Regeneration sein sollen. Ich verfolge derweil zwar keinen Trainingsplan, aber zumindest versuche ich regelmäßig Regenerationswochen einzustreuen. Aber halt irgendwie nur theoretisch. Anfang der Woche hatte ich einfach keine Lust auf Füße hoch legen. Ich wollte mich bewegen. Allein die Vorstellung von nichts tun machte mich ganz nervös. Also, was tun? Auf die trockene Trainingstheorie hören oder dem scharrenden, wilden Homo Sapiens in mir nach geben? Natürlich letzteres. Und so kam es, dass ich mir für heute einen spontanen Wettkampf gesucht habe. Nach einem kurzen Hin und Her wo meine Wochenendreise hingehen soll, entschloss ich mich zu einem Besuch bei meinen lieben Eltern in Neuss. Dort in der Nähe fand heute der 2. Lauf der Hildener Laufserie statt.

Bereits vor dem Wecker wurde ich heute wach und mein Körper verlangte nach einer ziemlich zügigen Blasenentleerung. Noch ziemlich gerädert schlappte ich auf die Toilette. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich noch eine Dreiviertelstunde bis zum Einsatz meines Weckers hatte. Nun gut, irgendwie lohnte es sich nicht mehr sich nochmal hinzulegen. Ich verbrachte die Zeit mit einer Schlafanalyse meiner Uhr und ein paar Durchgängen Flow Yoga. Nicht nur subjektiv war meine Nacht nur dürftig, auch objektiv hatte meine Uhr einen eher mäßig guten Schlaf aufgezeichnet. Ein Blick auf die Temperatur ließ mich bereits drinnen frösteln. Brrrr… es waren um die 0°C. Zumindest würde ich dann richtig wach werden.

In der Küche fiel mein Blick auf einen kleinen Kalender, den meine Mutter im Fenster stehen hatte. „Liebe ist das Einzige, was nicht weniger wird, wenn wir es verschwenden.“ Das war ein schöner Spruch. Lächelnd machte ich mir meine Henkersmahlzeit fertig und futterte den Quark mit Haferflocken, Hanfproteinpulver, Äpfelchen, Nachtkerzenöl, Macadamianüssen und etwas Trockenobst.

Frisch gestärkt packte ich dann meine sieben (wahrscheinlich waren es eher 70) Sachen und machte mich startklar. Ich machte mich auf die Heimreise mit einem „kleinen“ Zwischenstopp in Hilden. Der Lauf lag quasi auf meinem Heimweg. Ich hatte auf der Homepage auf einen Anfahrtslink geklickt und hatte mich dann direkt über mein Handy dort hin lotsen lassen. Ich erreichte mein Ziel und guckte mal wieder etwas blöd aus der Wäsche. Auf dem Parkplatz war ich zwar nicht alleine, aber alle die hier aus dem Auto kraxelten sahen eher aus, als würden sie zur Rentnergymnastik kriechen. Ich blickte mich um. Hier war kein Lauf. Okay, auf was für einen Anfahrtslink hatte ich da eigentlich geklickt? Es war bereits 10:00 Uhr und der Start des 10 km Laufes war für 10:50 Uhr geplant. Und ich stand mal wieder irgendwo auf diesem Planeten und hatte keinen Plan von nix. Kichernd und vor mich hin brabbelnd stöberte ich in meinem Handy nach der Ausschreibung und wurde pfündig. Ich hatte die Anfahrt des Vereins genommen und nicht die Anfahrt der Veranstaltung. Wie dem auch sei. Gehirnzellen werden auch total überbewertet. Ich startete ein 2. Mal meine Navi-Tante und fuhr brav den Anweisungen hinterher. Dieses Mal zum Glück mit Erfolg. Bunte Läufer wuselten durch einen Stadtwald und durch den lichten Wald waren die Banner der Laufveranstaltung zu erkennen.

Ich meldete mich flink nach und machte mich warm. Gerade bei diesen Temperaturen war das Warmlaufen wichtig, damit sich seine Strukturen nicht schrottet. Ich fühlte mich eigentlich ganz gut. Ein Tick dynamisch, gepaart mit einer guten Portion Grelligkeit gleich mit den anderen um die Wette zu laufen. Vor der Startlinie bildete sich wieder der klassische Läuferschwarm. Alle warteten frierend auf den Gnadenschuss, der uns endlich auf die Piste schicken würde, damit wir uns mit selbstgemachter Muskelwärme wieder aufheizen konnten. Ich freute mich.

Irgendwie war ich total Tiefenentspannt, schließlich hatte ich eine theoretische Ruhewoche hinter mir. Praktisch war sie tatsächlich mit mehr Trainingsumfängen behaftet, als die Wochen davor. Aber das war mir egal. Ich fühlte mich gut. Ich hatte mal wieder auf mein Gefühl gehört und mein Training daran angepasst. Man durfte nur nicht Kopf und Gefühl verwechseln. Und das tat ich nicht oder etwa doch?

Es ging los. Wie so oft beim Start wurde ich gnadenlos über rannt und nach hinten durch gereicht. Ui, das schien ein schnelles Feld zu sein. Egal, ich probierte mein Tempo zu Laufen. Die Strecke führte mit kleinen „Wellen“ durch den Wald. Eine schöne Strecke. Um auf die 10 km zu kommen mussten wir eine 5 km Runde zweimal laufen. Diese Konstellation gefällt mir immer sehr gut. Egal auf welcher Distanz. Zwei Runden laufe ich immer gerne. Nach ein paar Kilometern hatten sich die wilden Läufer etwas beruhigt und ich fing an mich stetig in dem Feld nach vorne zu arbeiten. Ich probierte mich von den Überholmanövern nicht zu verleiten zu lassen zu schnell zu werden. Die Strecke war durch die Hügel eh schon sehr unrhythmisch. Mit jedem weiteren Kilometer fühlte sich mein Körper immer besser.

Als ich in die 2. Runde ging wurde die dritte Frau anmoderiert. Hatte er mich gemeint? Meinen Namen hatte ich nicht gehört. Aber eine andere Frau konnte ich nicht sehen. Ich lief weiter und dachte noch eine Weile darüber nach. Plötzlich fiel mir auf, dass einer der Läufer vor mir eine Frau war. Sie war so eingemummelt, dass ich sie nicht erkannt hatte. Ich überholte sie und freute mich. Das musste nun der dritte Platz sein. Ein Treppchenplatz. Ich rannte weiter und versuchte wieder zu forcieren. Vor mir konnte noch eine weitere Frau erkennen. Das musste Platz zwei sein. Ob ich sie wohl kriegen würde? Ich hatte keine Ahnung. Ich versuchte mich nicht verrückt zu machen und lief einfach meinen Schlappen weiter. Kleine, zarte Schneeflocken fielen vom Himmel und gleichzeitig schien die Sonne durch das Geäst. Eigentlich viel zu schön, um zu ballern.  Ich passierte Kilometer acht. Jetzt waren es noch läppische zwei Kilometer. Es würde jetzt noch einmal einen kleinen Berg hoch gehen und erfahrungsgemäß konnte ich das eigentlich ganz gut. Der Abstand zu der zweiten Dame war Stück für Stück geschmolzen. Aber ob ich es ganz an sie dran oder sogar an ihr vorbei schaffen würde, wusste ich nicht.

Der Anstieg kam und ich zog an. Da ging noch was. Mit bewusst kleinen Schritten probierte ich den Abstand zu verringern. Bildete ich es mir ein oder wurde er wirklich kleiner? Konnte ich es schaffen? Ich zog weiter und weiter. Kilometer neun. Jetzt hatte ich nur noch einen Kilometer. Die zweite Dame war zum Greifen nah. Los jetzt. Go. Ich probierte noch einen Gang hoch zu schalten und näherte mich immer weiter bis ich sie tatsächlich überholen konnte. Jetzt musste ich das Tempo nur noch halten. Es ging ein letztes Mal um die Kurve. Heiliger Bimbam, das Ziel war irgendwie noch weiter weg, als ich es in Erinnerung hatte. Einfach weiter ziehen. Das Ziel kam nur in Zeitlupe näher. Ob die zweite Dame wohl an mir dran hing? Ich konnte nichts hören. Ein paar Meter vor dem Ziel hörte ich auf einmal hinter mir ein Getöse und Gejubel. Und dann hörte ich die Schritte. Eine hohe Schrittfrequenz. Und dann ein Stoß an meinem linken Arm. Ein schwarz gekleideter Läufer zersägte mich mit Mach drei und flog vor mir im Tiefflug ins Ziel. Ich musste mich tatsächlich kurz etwas sortieren. Weiter, Du musst auch noch über die Ziellinie! Ich machte die letzten Schritte und überquerte die Ziellinie. Ich stoppte die Zeit. Ich hatte eine Punktlandung unter 45 Minuten gemacht. 44:59. Im Ziel wartete eine üppige Verpflegung auf uns.

Die letzte Dame, die ich noch überholt hatte, kam zu mir und wir beglückwünschten uns gegenseitig zu unserem Lauf. Sie strahlte so vor Freude und erzählte mir, dass sie erst seit acht Monaten läuft. Ihr Mann und ihre Kinder kamen zu ihr und freuten sich mit ihrer Mama. Ich bekam eine Gänsehaut von der liebevollen Stimmung und mir fiel wieder der Kalenderspruch meiner Mutter ein.

„Liebe ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es verschwendet.“ Was war das nur für ein schönes Happyend. Zufrieden fuhr ich weiter nach Hause und freute mich auf mein Belohnungsfutter. Ich hatte Richtig Lust auf Lachs. Und Ei. Und natürlich was Grünes dazu. Vielleicht auch noch was Weißes. Blumenkohl. Oh ja, das war ein guter Plan.


Sonntag, 28.01.18

Gewicht: 59,8 kg

Liebes Tagebuch,

die Hammer Laufserie hat begonnen. Irgendwie ist die Hammerserie der Einstieg in die neue Saison. Obwohl ich jetzt schon ein paar „Einstiege“ hatte und schon wieder voll drin bin im Wettkampfgeschehen, ist diese Serie nochmal ein besonderer Saisonbeginn. Seit ein paar Jahren wurde der Streckenverlauf geändert und das ewige „Rundengedrehe“ im Park wurde zu Gunsten einer langen Wendepunktstrecke auf der anderen Seite des Kanals geändert.

Da der 10 km Lauf dieser Serie für viele Läufer zu einem richtigen Saisonstart dazu gehört und hier auch viele schnelle Läufer kommen, ist dieser Lauf immer ziemlich gut besucht. Auf Grund dieser Tatsache wurde bisher der Lauf auf zwei Starts aufgeteilt, damit es auf der Strecke nicht zu voll wird. Für dieses Jahr wurde diese Maßnahme eingestellt und es gab nur noch einen Start. Es würde also ziemlich voll werden auf der Strecke. Aber gegen einen kuscheligen Lauf mit viel Körperkontakt ist bei einem so windigen Wetter wenig einzuwenden. (Man kann sich alles irgendwie schön reden.)

Mein Körper fühlte sich eigentlich ganz gut an. Es gab keinerlei „Wehwehchen“ oder andere körperinterne Unstimmigkeiten. Mein Lauffieber war noch immer am Brodeln. Ich hatte einfach nach wie vor Bock zu rennen. Zeitliche Ziele hatte ich nicht. Ich wollte natürlich bei der Serie wieder einen guten Altersklassenplatz abstauben, aber dies war nun mal auch davon abhängig, wie stark die Konkurrenz war. Naja gut, natürlich auch wie stark ich war. Ich erreichte zeitig den Ort des Geschehens und drückte mich durch das volle Zelt, das für die Anmeldung, Siegerehrung und vor allem ganz wichtig für die laaaaange Kuchentheke aufgestellt worden war. Ich holte mir meine Startnummer, die Nummer 31, und machte mich bereit. Es herrschte ein reges Treiben. Aus allen Richtungen strömten die Läufer in den unterschiedlichsten Farben. Läufer sind schon immer ein wunderbar bunter Hafen und das in vielerlei Hinsicht. Eine tolle heterogene Gemeinschaft.

Ich machte mich warm und fühlte in meine Strukturen. Der Befund war unauffällig. Ich fühlte mich weder vor Power strotzend, noch schlaff. Also irgendwie okay. Um kurz vor 11:00 Uhr sammelten sich dann die Massen vor der Startlinie. Wie so oft bei Läufen, die in einem Stadion starten, drängen die meisten nach vorne. Alle wollen vorne stehen, damit sie gut weg kommen. Und dies führt zu einem wilden Gerangel. Normal bin ich hier sehr zurückhaltend und stelle mich nicht so weit nach vorne, weil ich niemanden behindern möchte. Aber im heutigen Fall wollte ich schon relativ weit vorne stehen.

Um kurz nach 11:00 Uhr ging es dann los. Ich stand gut. Ich kam einigermaßen gut weg, trotz der vollgestopften Bahn. Meine Beine fühlten sich plötzlich total aufgepumpt an. Was zum Henker war das denn? Wie eigenständige Moppeds legten sie los. Ich bewegte mich mit ruhig-kontrolliertem Atem durch das Läuferfeld. Ich hatte sofort mein Tempo. Es fühlte sich gut an. Wir überquerten den Kanal und die Lippe und machten uns mit dem Wind im Rücken auf den Weg Richtung Wendepunkt. Irgendwann begann der Gegenverkehr. Die Spitze kam uns entgegen und nach der Spitze folgten logischerweise alle, die vor mir waren. Die Strecke wurde nun etwas eng. Ich hatte Kilometer 4 passiert und probierte nun bei meinen Überholmanövern nicht in den schnellen Gegenverkehr zu geraten. Kurz vor dem Wendepunk lief ich auf eine Gruppe auf, die sich etwas breit machte und mir das Überholen links unmöglich machte. Da ich nicht frontal mit dem Gegenverkehr kollidieren wollte, tat ich etwas im Straßenverkehr total Verbotenes. Ich überholte rechts. Und das auch noch neben der Strecke über Stock und Stein und matschigen Untergrund. Ich merkte sofort, dass diese Aktion Körner kostete.

Ich erreichte den Wendepunkt und begab mich in den Gegenwind. Die Beine fingen an zu jammern. Aber immerhin hatte ich nun freie Bahn und musste nicht mehr offroad laufen. Nach ein paar Metern wurde mir dann aber klar, dass freie Bahn bei frontalem Gegenwind auch nur mittel ist. Egal. Go hard or go bzw. fly home. Ich fand im Wind mein Tempo und fühlte mich wieder etwas kontrollierter. Nach dem Überholmanöver und den ersten Metern im Wind hatte ich mich kurzzeitig etwas geplättet gefühlt. Aber nun lief es wieder einigermaßen rund. Ich überholte vereinzelte Läufer und motivierte mich das Tempo noch mal zu forcieren. Dies ist bei Gegenwind nicht ganz so einfach. Es wurde mit jedem Kilometer zäher. So soll es sein. Kurz vor Kilometer 8 vernahm ich etwas Rosafarbenes in einem Baum hängen. Ich dachte erst es sei ein Schweinekostüm. Es ist ja schließlich bald Karneval, da kann sowas schon mal sein. Während ich darüber nach dachte, ob der Sturm Friederike irgendeinem armen Jäcken das Kostüm weggeblasen hatte, stellte ich fest dass es kein Schweinkostüm war. Es war eine Gummipuppe, der die Luft ausgegangen war. Mein Gehirn lachte still vor sich hin bei dem Anblick der leeren Puppe im Baum. Nun hoffte ich nur, dass es mir auf den letzten Metern nicht genau wie dieser Puppe ergehen würde und mir die Luft nicht ausgehen würde.

Wir überquerten die Brücke und machten uns dann auf den letzten Kilometer. Ich fühlte mich noch immer gut. Ich probierte weiter zu ziehen. Wie immer hatte ich keine Ahnung was ich da für eine Pace lief. Und es war mir auch egal. Im Ziel würde ich es sehen. Ich erreichte das Stadion und versuchte die letzten Körner zu mobilisieren. Nach 44:07 überquerte ich die Ziellinie. Ich rang kurz nach Atem und freute mich über das Resultat. Der Lauf hatte sich einfach gut angefühlt.

Meine Bestzeit auf 10 km lag bei 43:12, was ca. eine Minute schneller ist. Aber in Anbetracht der vollen Strecke und dem Wind war diese Zeit schon ziemlich nah dran. Aber eigentlich war ich überhaupt nicht im Bestzeitenmodus. Ich war gerade streng genommen nur etwas grelle auf Rennen, wobei mein Trainingspensum derzeit mit nur 30 km pro Woche ziemlich moderat war. Auf der Ergebnisliste stellte ich nach dem Lauf dann fest, dass ich in meiner AK den 4. Platz belegt hatte.

Das war schon mal kein schlechter Start für meinen Kampf um einen Altersklassenplatz. Mal schauen wie viele von den schnellen Ladys aus meiner Altersklasse auch die Serie komplett laufen. Mit einem leckeren Käffchen und meinem Lieblingsfutter endete Teil eins der Serie. Ich bin gespannt wo die „Serienreise“ dieses Jahr hin geht.


Samstag, 20. Januar 2018

Gewicht: 60,0 kg (Nach langem, laaaaaangem hin und her zwischen 59,9 kg und 60,0 kg hat sich die Waage dann doch zum Aufrunden entschlossen) 

Liebes Tagebuch,

der Plan sah es eigentlich nicht vor heute bereits zu rennen. Normalerweise hätte es erst morgen den Welver Crosslauf gegeben, aber wie hier bereits geschildert wurde dieser wunderbare Lauf von Madame Friederike weg geblasen. So hatte ich mir gestern dann spontan eine Ersatzhandlung gesucht und war beim Werler Kurparklauf hängen geblieben. Den hatte ich in meiner bisherigen Laufkarriere noch nie unter die Treterchen genommen. Ein Grund mehr, um hier mal ein paar Runden zu drehen. Gesagt getan. Mit einer verkürzten Kohlenhydratspeicherung habe ich mich dann heute für den Lauf vorbereitet. Der verkaterte Hintern war noch immer am „miauen“, aber ansonsten gab es wenig Grund zur Sorge. Die Beine fühlten sich okay an und die Motivation und Freude wieder zu rennen war mehr als okay. Da dieses Wochenende ja eine gewisse Note der Spontanität besaß, habe ich mir als Henkersmahlzeit mal ganz was Neues zubereitet. 40 g Quinoa mit 14 g Erdnussbutter, einer zermatschten Banane, 2 Macadamia Nüssen, 7 g Mandelmehl, 250 g Magerquark  und ca. 23 g Eiweißpulver. Das geschulte Auge erkennt, dass selbst in meiner „Kohlenhydrat-Phase“ der Eiweißanteil überwiegt. Vielleicht mag der ein oder andere sich fragen „warum tut sie das??“ Und die Antwort lautet: Sie tut das, weil es funktioniert.

Aber kommen wir zu den interessanteren Dingen. Dem Laufen. Mit Sack und Pack habe ich mich dann mittags auf die Reise nach Werl gemacht. Da ich grob wusste wo ich hin musste, habe ich davon abgesehen die Navi-Tante zu starten. Dies endete natürlich in einem kleinen Verfahr-Manöver. Wie soll es auch anders sein. Ich musste dann doch das Navi um Rat fragen. Und das endete ebenfalls mit einem verwirrten Gesichtsausdruck.  „Sie haben ihr Ziel erreicht. Das Ziel liegt links.“ Da war nur nix. Ein leerer Parkplatz. Keine Menschenseele. Einfach „nüchts“. Nach einer längeren Stippvisite durch die Sportanlagen überlegte ich, ob ich einfach wieder Heim fahren sollte. War der Lauf vielleicht doch abgesagt? Und ich habe es anscheinend als einziger Homo Sapiens der Untergattung Läufer nicht mit bekommen? Zum Glück kamen dann noch eine Läuferin, sowie eine bekannte Läuferin, die sich auskannte. Es geht doch nicht über Insiderwissen. Sie führte uns in den Kurpark zum Start- und Zielbereich. Hier waren tatsächlich ein paar Menschen bzw. Läufer. Ich fühlte mich ein kleinwenig wie in einer Oase nach einer Reise durch die Wüste und Einsamkeit. Okay, dies ist vielleicht etwas dramatisiert formuliert, aber in jedem Fall freute ich mich über die Läufer-Zivilisation im Kurpark.




Um 14:20 Uhr wurden wir dann im Startfeld nach Schulmanier alle namentlich aufgerufen. Sowas hatte ich schon einige Male erlebt und es amüsiert mich jedes Mal aufs Neue. Und dann ging es los. Sechs Runden durch den Werler Kurpark, der den Besuch von Friederike auch nicht verleugnen konnte. Überall lagen Äste rum und es sah alles etwas verwüstet aus. Aber zumindest lagen keine Bäume rum. Der Boden war an vielen Stellen schlammig und ich sah nach den ersten Metern schon aus wie ein Ferkel. Also, wie immer.

Das Feld schoss in einem Tempo davon, dass es mir schwer machte mein eigenes Tempo zu finden. Wenn alle so schnell weg sind, ist man gewillt hinter her zu rennen. Nicht, dass die Läufer-Zivilisation doch auf einmal wieder futsch ist und man alleine ist. Mit viel Disziplin zwang ich mich mein Tempo zu laufen. Die Strecke ging immer wieder etwas hoch und runter. Und da es ein kleiner Rundkurs war, ging es auch immer wieder um diverse Kurven. Kurve recht, Kurve links, Kurve rechts, Kurve links, hoch, runter, Kurve rechts, hoch, Kurve links und runter. Nach den ersten Runden war ich komplett orientierungslos. Ich lief einfach und klammerte mich gedanklich nur an die Rundenzahl, damit ich mich nicht verzähle. „Du bist in Runde 4, Du bist in Runde 4, Du bist in Runde 4…“ Ich dachte nur noch an die jeweilige Rundenzahl und freute mich über jede kleine Anfeuerung vom Streckenrand. Und endlich ging es in die letzte Runde. Jetzt musste ich nicht mehr nur noch an diese Zahl denken. Ich wusste, dass ich jetzt nur noch diese Runde beenden musste. Meine Beine fühlten sich mittlerweile von der Matsche und den ganzen Bodenwellen etwas dick an. Aber mein Körper fühlte sich trotz der Belastung gut an. Vor mir lief ein Bekannter, der in greifbarer Nähe war. „Ob ich ihn noch bekomme vorm Ziel?“ Nein, irgendwie hatte ich nicht das Gefühl, dass da noch was ging. Die letzte Kurve vorm Ziel kam und auf einmal war ich direkt an ihm dran. Ich war etwas verwundert darüber, dass ich auf einmal so dicht hinter ihm war. Gemäß meiner „taktiklosen“ Renntaktik überholte ich ihn. Was dann geschah ist der Klassiker. Unter lautem Anfeuern der Zuschauer machte mein Bekannter einen Zielspurt, dem ich nur noch von hinten zuschauen konnte. Wow, Respekt was da noch für eine Schnellkraft drin steckte. Ich stoppte meine Uhr nach exakt 30:40 und beendete meinen Wochenendwettkampf.

Ich trabte zu meinem Auto und fühlte mich irgendwie beflügelt. Es war ein Gefühl der Dankbarkeit, vermischt mit einer absoluten Übersättigung mit Sauerstoff. Auch wenn es keine große Veranstaltung mit vielen Teilnehmern war, war es eine liebevoll organisierte Veranstaltung mit vielen netten Menschen. Zufrieden nuckelte ich mein After-Run-Drink aus und machte mich auf die Heimreise.  

Spontane Ersatzhandlung geglückt.


Freitag, 19. Januar 2018

Liebes Tagebuch,

irgendwie verlangt das Leben hin und wieder ein gewisses Maß an Spontanität. Der gestrige Tag hat uns kleinen Würmchen mal wieder gezeigt, wie mächtig die Natur ist. Der Sturm Friederike hat hier alles kurz und klein gepustet. Ich fand es unglaublich bedrohlich, dieses tiefe Brummen und Grollen des Windes und die wahnsinnige Kraft mit der er bzw. die übermütige Friederike alles wie Spielzeug umher gewirbelt hat. Heute sieht die Welt da draußen aus wie bei diesen Hempels unterm Sofa. Wer auch immer diese Hempels sind. Die kennen wahrscheinlich auch diese Katze von Schmitz, die der Redewendung nach immer abgeht. Wie dem auch sei. Ich war eben eine traben in diesem Chaos und bin nicht gerade abgegangen wie die besagte Katze, sondern bin sehr bedächtig durch die zerstörte Welt geschlappt. Es war ein bedrückendes und gleichzeitig erleichterndes Gefühl. Auf der einen Seite traurig was der Wind alles zerstört hat und auf der anderen Seite war ich froh, dass ich wieder frei draußen umher laufen konnte. Nach einer guten Stunde war ich wieder zu Hause und fragte mich, ob der Wald in Welver für den Crosslauf am Sonntag überhaupt „belaufbar“ ist. Wenn dort auch alles so zerstört ist wie hier, dann wäre ein Lauf nicht möglich. Nach einer kleinen Rutsche Körperhygienemaßnahmen schaute ich im Internet nach und stellte tatsächlich fest, dass er abgesagt wurde auf Grund der Folgen von Frau Friederike. Mein nächster Blick ging in den Laufkalender. Ersatzhandlung. Werler Kurparklauf. Der Kurpark war anscheinend von dem Zorn der Friederike nicht in dem Maße zerstört worden. Allerdings schon morgen und nicht Sonntag. Nun denn, dann wird halt morgen gerannt. Ohne Ruhetag und ohne dementsprechend lange Kohlenhydraterhöhung im Futter.

Dies hier war mein Mittagessen:

Und das mein Nachmittagssnack:

 

Kohlenhydratgehalt jeweils nur 19 %. Damit bekommt man keinen Glykogenspeicher pralle. Naja, und dann wäre da auch noch dieser Muskelkater von meinem gestrigen Workout. Ich sag nur: Rückenstrecker. Mir brennt der Hintern und der untere Rücken wie verrückt. Aber das ist alles besser als bei dem Wetter zu frieren.

So, jetzt muss ich aber mal mein Abendessen vorbereiten, damit noch was schneller Stoff in den Körper kommt. Ansonsten nutze ich einfach den brennenden Hintern als Antrieb.

Ach ja und dann muss ich auch noch schnell die Waschmaschine mit meinen Laufsachen füttern, sonst muss ich morgen nacktflitzen und das wäre mir eindeutig zu kalt und zu exhibitionistisch.

Ich freu mich auf morgen, auch wenn es total unplanmäßig ist.


Sonntag, 14.01.18

Gewicht: 60,3 kg

Liebes Tagebuch,

der Tag meines ersten Wettkampfes 2018 ist gekommen. Meine Vorfreude war die letzten Tage immer weiter gestiegen. Ich hatte wieder richtig Lust zu Laufen. Freitagnachmittag hatte ich allerdings einen kleinen Stolperstein in Form eines nicht so guten Trainingslaufes. Nicht gut, weil ich mich einfach nicht so pralle gefühlt hatte. Nun gut, diesen Lauf hatte ich auch in ausgelutschter und kohlenhydratkastrierter Verfassung gemacht. Bei dem Lauf hatte ich mich gefühlt, als hätte ich 100 km abgerissen. Tatsächlich hatte ich gerade mal 9 km geschafft. Nach dem Lauf hatte mein Futter zwar eine Kohlenhydratsteigerung erhalten, aber aus experimentiertechnischen Gründen eine nur sehr begrenzte Form. Ich fühlte mich nun am Tag X meines Saisonstartes etwas unsicher. Würde ich vielleicht wieder in so eine Verfassung geraten wie am Freitag? Würden die Kohlenhydrate reichen? Ich wusste es einfach nicht.

Die Nacht auf Sonntag war nicht nur kurz auf Grund einer Geburtstagsfeier am Samstagabend, sondern auch unruhig. Ich hatte mir tatsächlich nachts Gedanken über meinen Kohlenhydratstatus gemacht und überlegt, ob ich nachts nochmal eine kleine Stippvisite durch die Küche machen sollte. Ich hatte es nach langem hin und her dabei belassen und darauf gehofft, dass meine Speicher genug Stoff zum Rennen haben. Nach einer kleinen Portion Wasser im Gesicht, sowie in den Mund und in den Magen, ging es erst zu einer Runde Flow Yoga in mein Entspannungzimmerchen. Fühl den Atem, den Sauerstoff, die Entspannung, die Freude und das Bewusstsein über die Besonderheit eines jeden Momentes.

Nach meinem energiespendenden Flow gab es mein energiespendendes Futter, das mir hoffentlich gleich am Förderturm die entsprechende Power verleihen würde und mir bestenfalls nicht schwer im Bauch liegen oder mich zu „Gebüsch-Zwangs-Handlungen“ treiben würde.



Vor dem Lauf gab es wieder die üblichen Dinge, die ein Läufer vor seinem Rennen zu tun hat. Startnummer holen, diese einigermaßen gerade an den Bauch pinnen, mehrere Male auf Toilette rennen, Selfies mit einem rumstehenden Shetlandpony machen, mit lieben Bekannten quatschen und sich warm laufen. Beim Warmlaufen wurde ich so nervös, dass sich mein Verdauungstrakt mit einer aufflackernden Reizdarmsymptomatik meldete. Ich stürmte auf Klo und betete, dass genügend Toilettenpapier vorrätig ist. Ich scannte die Toilette und atmete ein weiteres Mal an diesem Tag tief durch. Es war genügend Material da. Damit konnte man arbeiten.

Nach meinem kurzen Zwischenstopp ging es noch eine Runde durch das Wohngebiet rund um den Förderturm. Das Warmlaufen war bei den eisigen Temperaturen gar nicht so einfach. Nun gut, wenn man sich dementsprechend anzieht, fällt das Warmlaufen auch leichter, aber irgendwie widerstrebt es mir auf Wettkämpfen lange Hosen zu tragen. Das mag vielleicht psychologisch sein, aber ich habe das Gefühl, dass mich die lange Hose beim schnellen Laufen hindert. Ich habe bei Wettkämpfen immer die Devise „Hauptsache der Torso ist warm“. Die Beine werden schon von alleine warm.

Da mich die letzten Tage die Kür von Ingrid Klimke zu dem Lied Hulapalu so sehr bewegt hatte, hörte ich kurz vor Start noch ein paar Durchläufe von dem ohrwurmpotenten Lied.

Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di eh

Mit der Melodie im Kopf ging es an den Start des 10 km Laufes. Mit dem Förderturm im Rücken startete der erste Wettkampf 2018 bei wunderbarem Winterwetter. Der Himmel strahlte in einem prächtigen Blau, die Sonne ließ sich auch endlich mal wieder richtig blicken und der Runner‘s Point Vanman schickte uns mit motivierenden Worten auf die Wendepunktstrecke. Ich lief langsam los und wühlte mich vorsichtig durch den Läuferschwarm. Meine Beine fühlten sich so wahnsinnig kraftvoll und dynamisch an. Mein Körper fühlte sich endlich wieder leicht und unbeschwert. Die letzten Monate hatte ich ein derartiges Laufgefühl nicht im Ansatz vernommen. Ich hatte bei meinen Läufen vielmehr eine maximale Bodenhaftung praktiziert. Aber so ein Gefühl wie heute war schon lange nicht mehr da gewesen.

Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di eh

Ich konzentrierte mich auf meine Atmung und versuchte den Flow zu spüren. Keine komplizierten Gedanken, keine Probleme, einfach nur Laufen, atmen und die Freude spüren. Mir war klar, dass wenn ich diesen Lauf schnell laufen wollte, früher oder später das Gefühl der Freude in den Hintergrund rutschen würde. Auf meinem Weg raus aus der Komfortzone würde irgendwann das Gefühl der Erschöpfung und der Kurzatmigkeit überwiegen. Die Strecke führte erst in eine 3 km Runde und von dort aus am Kanal entlang auf eine Wendepunktstrecke. Bei km 6 ging es dann wieder zurück. Ich hatte ein konstantes Tempo und fühlte mich noch stabil. Keinerlei Schwäche, Unterzuckerung oder sonstige Beschwerden. Anscheinend hatte mein Ernährungsexperiment geklappt und meine Speicher genügt Input zum Ballern. Ich versuchte immer weiter zu ziehen. Die Atmung wurde langsam aber sicher immer lauter. Noch zwei Kilometer. Der Förderturm und das Ziel waren schon in greifbarer Nähe.

Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di ho di eh
Hodi odi ohh di eh

Mir entglitten ein paar Zeilen des Refrains. Dafür reichte die Puste noch. „Lauf zu Deiner Freude“ ging es mir durch meinen Kopf. Ingrid Klimke hatte als Leitspruch „Reit zu Deiner Freude“. Und aus irgendwelchen Gründen hatte mein Hirnchen sich gerade folgenden Leitspruch ins Laufen übersetzt. Und dann entdeckte ich auf einmal vor mir eine gelbe Läuferin. Konnte ich sie wohl noch überholen? Kilometer 9. Es war noch ein Kilometer und ich hatte eine reelle Chance an sie heran zu kommen. Es sei denn, sie macht noch einen Endspurt. Denn ich war mittlerweile am Anschlag. Nix ging mehr. Der Abstand schmolz. Die Strecke bis zur Ziellinie allerdings auch. Die letzten Meter vor dem Ziel waren sehr kurvig.

Foto Runner's Point Vanman

Sollte ich taktisch klug laufen und länger hinter ihr bleiben und auf den letzten Metern vorbei ziehen oder sollte ich es einfach jetzt schon tun? Ich war nie ein „Taktikrenner“, sondern immer ein Gefühlsläufer. Ich zog einfach direkt an ihr vorbei. Wenn sie die Körner besitzen würde, um gegen zu halten oder mich im Endspurt von hinten nochmal zu überholen, dann hätte sie unseren persönlichen Kampf verdient gewonnen. Ich ließ sie hinter mir und fokussierte nur noch den Zielbogen und den Vanman. Wenn sie nochmal vorbei ziehen würde, dann wäre es halt so. Ich konnte keinen Fatz schneller. Ich überlief in 44:31 die Ziellinie und hatte es geschafft. Einen erfolgreichen und wunderbaren Start in das neue Laufjahr. Ich rang um Atem, drehte mich um und gratulierte meiner gelben Konkurrentin.

Auf den Ergebnislisten stellte ich dann fest, dass ich es tatsächlich geschafft hatte, meine AK zu gewinnen und als 9. Gesamtfrau das Rennen zu beenden.

Ein wunderbarer und erfolgreicher Lauftag endete bei einem ebenso wunderbaren Sonnenuntergang auf dem Pferderücken meines Ponys.


Samstag, 6. Januar 2018

Gewicht: 60,6 kg

Liebes Tagebuch,

eine wunderbare Woche der Regeneration liegt nun hinter mir. Nach dem Silvesterlauf hatte ich tatsächlich mehrere Tage einen mittelmäßigen Kater an verschiedenen Stellen meines überschaubar, großen Körpers, so dass es mir nicht sonderlich schwer fiel mal zu relaxen. Gelaufen bin ich lediglich am Mittwoch. Ansonsten habe ich meinen Körper mit Flow Yoga, Tischtennis, Black Roll, Mobilty, Animal Athletics, Sauna, spazieren gehen und „schockfrosten“ konfrontiert.  Einfach mal andere Dinge tun als sonst, entspannen und dem Körper genug Gelegenheit geben, um durch zu atmen.

 

Ich habe gerade den Wunsch etwas über meine Woche zu schreiben, weil sie mich so gestärkt hat. Ich fühle mich in mir ruhend und voller Freude auf die Aktivitäten, die in den nächsten Wochen auf mich warten, aber die Wörter kommen heute nur schwerfällig aus mir heraus. Wäre ich ein Schriftsteller, der gerade an einem Roman sitzt, dann hätte ich wohl gerade eine ziemliche Schreibblockade. Um zu vermeiden, dass ich jetzt nur ein unzufriedenstellendes Gestammel verzapfe, fasse ich mich lieber kurz.

Mein Körper ist maximal erholt, was ich an einem durchschnittlichen Ruhepuls von 41 wiederspiegelt. Ich fühle mich ansonsten ähnlich wie in der Taperingphase eines Marathons. Meine Muskeln sind irgendwie schwer und träge. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich mir jetzt wahrscheinlich Sorgen machen. Aber aus vielen Marathonvorbereitungen weiß ich, dass sich die Regeneration so anfühlen muss. Die geballte Power fühlt sich auf den ersten „Fühler“ ziemlich schrottreif an.

Aber ich hatte diese Woche auch Momente, die voller Energie waren. Zum Beispiel die kurzen Augenblicke meines „Schockfrostens“. Vielleicht bist Du da eben schon dran hängen geblieben und hast Dich gefragt, was ich damit schon wieder meine. Mit der Kälte habe ich es ja eigentlich nicht so. Ich bin das Standardmodell Frau, das schnell mal friert und kalte Extremitäten hat. Was hilft gegen Kälte? Wärme natürlich! Ich bin das Menschlein, das sich im Winter immer von Heizkörper zu Heizkörper schlängelt, um die maximale Menge an Wärme mit zu nehmen. Ich hatte schon mal probiert meinen Körper etwas abzuhärten, in dem ich morgens kalt geduscht habe. Aber dies ging nach hinten los. Ich wurde gar nicht mehr warm und hing noch mehr an den Heizkörpern. Man hätte mir eigentlich einen tragbaren Heizkörper auf den Rücken montieren können. Aber nun hatte ich einen neuen Plan. Ein kleiner Kälteschock in unserem 5°C kalten Teich. Kältetraining mit dem Ziel der Umwandlung von weißem, nutzlosen Fettgewebe zu braunen, wärmeproduzierenden Fettgewebe. Man fühlt sich danach wie neu geboren. Der Unterschied zu meinen einstigen Kälteduschen: Ich schließe mit einer Wärmeanwendung ab. Sprich, ich habe danach einen Saunagang vollzogen oder eine warme Dusche genommen. Ob der Effekt dann genauso stark ist wie ohne, weiß ich nicht, aber ohne abschließendem Aufwärmen bin ich zu nicht mehr viel zu gebrauchen. Wer weiß, vielleicht sind mir bei meinen Kälteanwendungen ein paar Gehirnzellen eingefroren und daher der Mangel an Schreibkompetenz.  

Und nun erfreue ich mich an meinem regenerativen Futter und freue mich auf meinen nächsten Wettkampf, den ich schon beinahe riechen kann. Den Lauf um den Förderturm in Bönen. Den Lauf gibt es erst seit ein paar Jahren. Davor hieß die Veranstaltung, die für mich damals immer der richtige Einstieg ins neue Wettkampfjahr war, „Rund um Flierich“. Da ich die letzten Jahre nicht mehr ganz so eifrig bei der Sache war, habe ich die neue Veranstaltung noch nicht besucht. Ich bin gespannt auf die neue Strecke, auf das Wetter und nicht zu Letzt auf meinen Körper. Wird er sich vielleicht schon eine Spur dynamischer anfühlen?

Bis dahin werde ich ihn auf jeden Fall mit viel Kälte, Training und Futter füttern.



Sonntag, 31. Dezember 2017

Liebes Tagebuch,

heute war es endlich so weit. Mein „Lauf-Comeback 2017“. Eigentlich könnte man auch sagen „Lauf-Comeback 2018“, da die Tage und mittlerweile auch die Stunden gezählt sind. Das neue Jahr wartet wie eine Katze vorm Mäuseloch auf seine Beute. Ich freue mich auf das neue Jahr. Aber ich würde mich auch freuen, wenn es kein neues Jahr geben würde und morgen nur ein hundsgewöhnliches „morgen“ wäre. Aber bleiben wir noch einmal kurz beim heute. Im Mauseloch.

Gegen halb sieben habe ich mich heute Morgen aus dem Bett geschält. Die Blase war voll und das Pensum an Schlaf war erfüllt. Außerdem hatte ich Hunger. Ich habe im Moment immer Hunger. Also morgens zumindest. Und mittags. Und abends. Und auch zwischendurch. Okay, belassen wir es einfachhalthalber bei immer. Da der Start des Silvesterlaufes um 13:30 Uhr war, bedeutete dies für mich zwei volle Mahlzeiten in der Zeit bis zum Start. Andernfalls würde ich wahrscheinlich verhungern. Natürlich weiß ich, dass dies nicht eintreten würde, aber aus mir unerklärlichen Gründen kann ich im Moment den Hunger nicht tolerieren. Daher fällt mein Nüchterntraining derzeit etwas knapper aus. Aber ich arbeite wieder daran diesen Zustand zu ändern. Die Muskeln fressen halt auch munter vor sich hin. Und ich glaub das Hirn auch. Fällt bei mir zwar nicht auf, aber das ist meine geheime Theorie bezüglich meines Hungers.

Um 10:30 Uhr ging es nach Bad Westernkotten, wo mich der großartige Lauftreff SV Aktiv Bad Westernkotten mit nach Werl genommen hat. Vielen lieben Dank an dieser Stelle. 

In einem Reisebus ging es bei heiterer Klassenfahrt-Atmosphäre zum Start des Silvesterlaufes. Die Fahrt nutzte ich, um mir meine Henkersmahlzeit einzuverleiben. Haferflocken mit Quark, ein bisschen Trockenobst und ein paar Nüssen.

Nach dem üblichen Prozedere vor dem Start mit gefühlt 100 Besuchen auf der Pipibox, dem Abgeben des Kleiderbeutels und vielen wunderbaren Gesprächen mit Gleichgesinnten, stand ich dann um 13:29 Uhr im Startfeld. Dicht gedrängt und gut geschützt vor dem Wind. Es war wärmer als erwartet. Zum Glück. Der Himmel hatte sogar einen recht freundlichen Charakter. Mein rechter Fuß hatte sich beim Warmlaufen irgendwie ungeschmeidig angefühlt. Höchstwahrscheinlich war dies nur eine psychosomatische Vorwettkampfs-Halluzination. Der Startschuss schickte uns pünktlich um 13:30 Uhr  auf die Piste. Ich setzte mich in Bewegung und startete meinen Spießroutenlauf durch die Menschenmengen. Ich war schon wirklich lange nicht mehr richtig gerannt. Ob ich mein Tempo finden würde? Was wohl meine squatgeschwängerten Beine zu den 15 „schnellen“ Kilometern sagen werden? Ich konnte es nicht einschätzen. Ich wollte nur eins. Einen gut eingeteilten Lauf, der mir Freude bereitet. Wir erreichten schon bald die B1. Von hier an ging es bis Soest nur noch Strack geradeaus. Allerdings mit ein paar Bodenwellen gewürzt. Ich finde diese Wellen schon irgendwie hinderlich und ich spüre sehr, sehr deutlich die Hangabriebskraft, aber ich bin auch ein Flachlandheini und nix gewohnt.

Die Kilometer vergingen nur langsam. Mein Körper fühlte sich undynamisch an. Es war sogar ein Hauch von Seitenstichen zu vernehmen. Und irgendwie hatte ich Durst. Beim Silvesterlauf! Durst beim Silvesterlauf hatte ich bisher auch noch nie gehabt. Aber das Wetter war auch einfach zu gut. Der vorhergesagte Regen war einfach nicht angetreten. Stattdessen lugte hin und wieder sogar die Sonne durch die Wolkendecke und der Wind schob von schräg hinten. Einfach perfekt. Schritt für Schritt bewegte ich mich durch das Läuferfeld Richtung Soest. Immer wieder gesellten sich die verschiedensten Wegbegleiter an meine Seite. Man wechselte hier und da ein paar Worte und irgendwann trennte man sich wieder von einander, weil einer von beiden schneller konnte bzw. der andere nicht mehr mithalten konnte. Meine Seitenstiche hielten sich noch ein paar Kilometer wacker in meinem rechten Oberbauch und sorgten dafür, dass sich meine schweren Beine nicht so einsam mit ihrem bleiernen Zustand fühlten. Ich konzentrierte mich auf eine tiefe und ruhige Atmung. Es war faszinierend wie sehr ich mich von dem dynamischen Laufgefühl entfernt hatte. Meine kurzen und knackigen Laufintervalle innerhalb meines Crosstrainings fühlten sich immer so gut und dynamisch an, aber das was ich hier gerade veranstaltete, war weit entfernt von spritzig und agil. Aber irgendwie machte es trotzdem Spaß. Ich freute mich, dass mein Körper lief. Er lief und lief und die Seitenstiche wurden mit der Zeit besser. Vielleicht hätte der Ess-Lauf-Abstand noch etwas größer sein sollen. Mir fehlte die Leichtigkeit einer leeren Verdauung. Aber immerhin war dieser Zustand alle Male besser als ein Hungerast.

Wir näherten uns Soest und ich fühlte mich eigentlich noch ganz gut. Eigentlich besser als zu Beginn. Ich versuchte die letzten Kilometer noch einen Hauch zuzulegen. Immer schön atmen und die Beine laufen lassen. Wir passierten eine Tankstelle und der Blick auf den Dieselpreis ließ mich kurz stocken. 1,19. Na super, ich hatte gestern Abend für 1,20 vollgetankt. Mich amüsierte der Gedankt über den Sprit. Hatte ich jemals in meiner Laufkarriere während eines Laufes über irgendwelche Spritpreise nach gedacht? Ich glaube nicht.

Endlich verließen wir die B1 und schlängelten uns für die restlichen Kilometer durch die Soester Innenstadt. Ich beschleunigte tatsächlich noch einen Schiss. Und dann spürte ich endlich das wunderschöne Kopfsteinpflaster unter meinen Füßen, die sich mittlerweile tatsächlich etwas wund unter den Ballen anfühlten. Gleich würde hinter der Kurve der Van Man auftauchen und mir den letzten Funken Motivation für die verbleibenden Meter und für mein geglücktes „Lauf-Comeback“ mit geben. Und so war es auch. Er begrüßte mich und ich nahm mir die Zeit, um kurz bei ihm stehen zu bleiben. Und dann war das Ding gerockt. Ich stoppte meine Zeit und blickte das erste Mal auf meine Uhr. 1:10:45. Wow, das war absolut mehr als ich erwartet hatte. Ich hatte mir gewünscht zwischen 1:10 und 1:15 zu bleiben und das hatte ich geschafft.

Meine neue Laufsaison hat hiermit begonnen. Meine erste Medaille baumelt um meinen Hals. Ich denke damit werde ich Silvester feiern. Irgendwie fühle ich mich wieder angekommen. Nicht nur in Soest. Vielmehr im Laufen. Auch wenn ich mein Crosstraining weiter machen werde und dadurch Abstriche in Sachen Zeiten und Geschwindigkeit beim Laufen machen werde. Aber darum geht es mir nicht. Zeit ist relativ. Das haben schon schlauere Menschen vor mir erkannt. Mir macht es Spaß zu rennen, zu pumpen, zu schwitzen, zu hecheln, zu jammern und meine Grenzen auszuloten. Und natürlich macht es mir Spaß neue Ziele zu erreichen und zu wachsen. Aber dies kann man auf unterschiedliche Art und Weise tun.

Nun werde ich die letzten Stunden 2017 genießen und mich auf meine erste Ruhewoche 2018 freuen.

Bis im nächsten Jahr!


Mittwoch, 27. Dezember 2017

Liebes Tagebuch,

ein paar Tage der kompletten Internetenthaltsamkeit liegen hinter mir. Nun ja, nicht komplett. Ich habe tatsächlich über die Weihnachtstage ein paar Fragen an Dr. google gerichtet, wie zum Beispiel die Frage nach der Letaldosis von Muskatnuss. Diese alles entscheidende Frage entwickelte sich bei dem wilden Reiben der Muskatnuss in die Kartoffelcremesuppe meiner Mutter. Mit Muskatnuss kann man tatsächlich rauschähnliche Zustände erreichen. Zuviel davon kann einen allerdings in einen ewigen Rausch versetzen, in dem man dann zusammen mit dem hirnlosen Eichhörnchen auf dem Regenbogen tanzen kann. Und dann überkam mich mal wieder der Drang nach Input und ich durchstöberte verschiede Ausbildungs-, Fortbildungs- und Seminartermine für 2018. Aber ansonsten habe ich das Internet in Frieden gelassen und habe mich stattdessen mit echten Menschen befasst und habe mich mit dem Lesen des kleinen Prinzens begnügt. Der kleine Prinz. Ein Klassiker, den ich bisher in meinem Leben noch nicht verinnerlicht hatte. Das Einzige was ich von dem kleinen Kerl wusste, ist sein Ausspruch, dass man nur mit Herzen gut sieht und dass das Wesentliche für die Augen unsichtbar ist. Ich dachte immer, dass der kleine Prinz ein Kinderbuch ist. Doch während ich mich die letzten Tage so mit dem kleinen Büchlein auf Couch, Sessel und Co. rumgedrückt habe, stellte ich fest, dass es irgendwie schwere Kost ist. Zumindest für mein kleines, pinkes Frauenhirnchen. Ich bin noch nicht durch mit dem Buch und ich befürchte, dass ich es in seiner Tiefe nicht verstehen werde. Zumindest kann ich den kleinen Prinzen verstehen, was „die großen Leute“ angeht. Ich werde mich auf jeden Fall die nächsten Tage noch etwas mit dem kleinen Prinzen beschäftigen. Und mit dem Konsum von normalem Essen, denn sonst werde ich (subjektiv zumindest) am Sonntag die B1 entlang rollen wie ein Schwertransporter. Das üppige Festtagsessen hat mich und meinen Stoffwechsel mal wieder gnadenlos geflasht.

Heute Morgen war dann endlich wieder Alltag. Naja gut, eigentlich war es eine wunderschöne Zeit außerhalb des Alltags. Aber so ein klein wenig fühle ich mich von dem fetten Essen immer etwas betäubt, obwohl ich mich schon immer zusammen reiße. Der Wecker schüttelte mich um viertel vor sechs mit „Skyfall“ aus dem Bettchen. Meine Nüchterneinheit Rudern wartete auf mich. Und das „Rumgewälze“ auf meiner Blackroll. Und nicht zu vergessen das tiefe Durchatmen beim Flow Yoga.


Wenn es nach meinem Schweinehund gegangen wäre, dann hätte ich mich unter dem Geschnatter von Adele wieder rumgedreht und hätte noch eine weitere Schlafeinheit durch gezogen. Aber diszipliniert wie ich bin, habe ich mich mit der morgendlichen Eleganz eines Walrosses aus dem Bett gerollt. In Sportklamotten gehüllt habe ich es mir dann erst einmal in meinem Paradies gemütlich gemacht. Mein Nüchternsport sollte heute lila werden. Mir war nach lila. Und in lila wurde dann ein klein wenig geschwitzt, gedehnt, entspannt und geatmet.Danach habe ich mich dann bereit für die Welt und die „großen Leute“ gemacht. Dazu gehörte natürlich auch das Vorbereiten meiner ganzen Fressalien für den Tag.

Mit dem ganzen Essen innerhalb meines Körpers, sowie außerhalb meines Körpers in Döschen verpackt, ging es dann zur Arbeit. Die Straßen waren wie leer gepustet. Keine Menschen, Autos oder anderen Teilnehmer des öffentlichen Lebens waren zu sehen. Oder wie der kleine Prinz sagen würde, es waren keine großen Leute unterwegs. Aber irgendwie war es eine entspannte und friedliche Atmosphäre. Von dem hektischen, vorweihnachtlichen Gewusel war keine Spur mehr. Anscheinend lagen noch alle müde und abgesättigt in ihren Bettchen.


Für mich ging es heute wieder hungrig in den Tag. Mental, physisch und überhaupt. Auch wenn es noch kein Neujahr ist, hatte ich Lust zu starten. Womit auch immer. Und wenn es nur das Lesen vom kleinen Prinzen ist und die Vorfreude auf etwas Unerwartetes. Und natürlich die Freude auf mein abendliches Workout. Und auf den Silvesterlauf. Und auf die kleinen und großen Abenteuer, die vor mir liegen.


Freitag, 22. Dezember 2017

Gewicht: 60,5 kg

Liebes Tagebuch,

Du wirst es nicht für möglich halten, aber es ist soooo wahnsinnig voll da draußen. Auf meinem Weg mit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause war ich glatt doppelt so lange unterwegs, weil ich nirgend wo direkt über die Straße kam und erst auf ein Loch in dem hysterischen „Weihnachtsgeschenke-auf-die-letzte-Minute-Korso“ warten musste. Aber nun sitze ich in meiner kleinen Oase der Ruhe, weit entfernt von all dem Weihnachtstrubel und tippe vor mich hin. Tippen und schreiben ist für mich eine unglaublich gute Methode zum Entspannen. Egal, was am Ende dabei rum kommt. Es ist irgendwie meditativ die Wörter, die sich in meinem Hirn bilden, einfach abzusondern. Das ist quasi eine mentale Entschlackungskur.

Ein paar Worte noch zu dem alljährlichen Weihnachtstrubel: Ja, ich gestehe. Auch ich habe heute noch ein paar Kleinigkeiten besorgt und werde auch heute erst die Geschenke künstlerisch verhüllen, denn von Einpacken kann bei mir kaum die Rede sein. Mein Talent im Einpacken ist nicht sonderlich ausgeprägt. Aber was soll’s. Ich würde ja jetzt schreiben, dass es eh auf den Inhalt ankommt, aber das ist so ja auch nicht richtig. Denn streng genommen ist die Geste, der Gedanke und der Wunsch jemandem eine Freude zu machen das Wichtigste. Jedes Jahr hört man die gleichen Sätze. „Wir schenken uns nichts mehr!“, „Wir machen ganz ruhig!“, „Den Stress tun wir uns nicht mehr an!“ usw. Verblüffend ist, dass jedes Jahr kurz vor Weihnachten der gleiche Amok in den Geschäften herrscht. Bei meinem heutigen „Restekauf“ hat die Verkäuferin tief durch geatmet und meinte zu mir „Endlich mal ein freundliche Kundin heute!“. Das hat mich persönlich natürlich sehr gefreut, aber lässt mich an dem Grundsatz des Festes bzw. der Umsetzung etwas zweifeln. So wird das Fest der Liebe eher zum Fest der Hiebe. Aber wie dem auch sei. Es gibt in vielen Dingen eine gravierende Diskrepanz zwischen dem was die Leute sagen und dem was sie tun.


Ich für meinen Teil werde mich heute nochmal in ein vorweihnachtliches Workout schmeißen. Meine Beine sind von dem gestrigen Workout so langsam aber sicher zu Kartoffelstampf mutiert. Mein gestriges Workout beinhaltete unteranderem meine geliebten Squats (Kniebeugen), die ich gestern ziemlich krass durch gezogen habe. 800 insgesamt. Plus 4000 m Laufband, 400 Wiederholungen Daumen nach oben, 200 Wiederholungen schräge V-Ups je Seite, 80 Wiederholungen  Kreuzheben mit 30 kg und 80 Wiederholungen L-Sits. Die ganze Sache war in 4 Serien aufgeteilt. Somit habe ich also die ganzen Wiederholungen nicht am Stück gemacht, sondern in kleineren Portionen. (1000 m Laufband-50 Schräge V-Ups-100 Daumen nach oben-20 WH Kreuzheben-20 L-Sits-200 Squats) Es hat gestern richtig gefluppt und ich konnte ohne große Pausen das Ding durch knüppeln. Allerdings kann man streng genommen bei 200 Squats nie wirklich von „fluppen“ sprechen. Meine Beine fluppen zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr und beherbergen gerade einen kleinen, süßen, schnuckeligen Weihnachtskater mit weißem Rauschebart und Weihnachtsmütze.


Ich werde jetzt noch etwas Verdauungstätigkeiten praktizieren, damit der Quark mit Datteln, Eiweißpulver und Mandeln in meinem Workout gleich dort zur Verfügung steht, wo ich ihn benötige.

Morgen gibt es dann einen vorweihnachtlichen Ruhetag. Und dann wird Weihnachten gefeiert und dies werde ich nutzen, um eine kleine Internet-Diät zu praktizieren.

In diesem Sinne wünsche ich Dir fröhliche und innige Stunden mit Deinen Freunden und Deiner Familie. Lass mal los, lass die Welt Welt sein und lass das Kind in Dir raus. Ein bisschen Unbeschwertheit und kindliche Losgelassenheit tun ganz schön gut.



Montag, 18. Dezember 2017

Liebes Tagebuch,

hinter mir liegt ein Wochenende voller Entspannung, Training und Science-Fiction-Erlebnissen. Wobei es streng genommen keine Science-Fiction war, sondern knallharte oder viel mehr gehirnweiche Realität war. Aber dazu später mehr. Der Samstag stand von vorne bis hinten im Zeichen der Regeneration und Konversation. Zusammen mit meiner Freundin habe ich das Vabali Spa in Düsseldorf unsicher gemacht. Eine super schöne Anlage mit tollen Aufgüssen und vor allem (Vor allem!!!) Mega leckerem Essen. Ein wichtiges Kriterium für eine Saunalandschaft, wenn man den ganzen Tag ans Essen denkt. Naja, das mag ein bisschen übertrieben sein. Hin und wieder denke ich auch an andere Dinge. Also bestimmt denke ich auch mal was anderes…ich könnte mir vorstellen, dass ich schon mal was anderes gedacht. Wie dem auch sei. Auf jeden Fall hatte ich Samstag viel Zeit, meine kumulierten Trainingsreize der Woche zu verarbeiten.


Sonntag ging es dann wieder in meine Laufschuhe. Es war nicht das einladenste Wetter zum Laufen, aber immerhin war es auf der ersten Hälfte trocken. Die zweite Hälfte war dann geprägt von starkem Wind mit eisigem Regen. Eigentlich nur etwas für echte Kerle und keine kleinen, pinken Hoppelhäschen. Naja, wobei ich definitionsgemäß eigentlich kein pinkes Hoppelhäschen bin. Aber an solchen Tagen fühle ich mich manchmal so. Dann könnte ich auch einfach nur ein wenig um den warmen Ofen hoppeln. Aber wie war das noch gleich? Go hard or go home. Und so habe ich das erste Mal seit einem halben Jahr die 15 km – Marke geknackt. Der absolute Wahnsinn.

Mein Puls hat sich auch wieder gefangen. Ich kann wieder einigermaßen Laufen ohne dass mir der Puls in die Stratosphäre abschießt. Auch wenn sich mein Körper noch immer so unglaublich anders anfühlt. Er fühlt sich beim Laufen an wie ein Paket. Ein zusammengeschnürtes, pinkes Paket. Ich weiß nicht, ob ich in der Lage bin 15 km richtig zu ziehen und schnell zu laufen. Das werde ich dann am 31.12.17 auf der B1 von Werl nach Soest merken. Mein Hauptziel wird sein einfach wieder den Lauf Flow zu spüren und einen gut eingeteilten Lauf zu machen. Die Zeit wird höchstwahrscheinlich weit von meinen Bestzeiten entfernt sein. Aber ich freu mich endlich wieder den Klassiker zu laufen und damit meine neue Laufsaison einzuläuten.

Und dann gab es sonntags noch neben einem wunderbaren, gemütlichen 3. Adventsfutter noch etwas Gruseliges. Oder wie angekündigt „Science-Fiction in Real“. Ganz schön „hirnrissig“ diese paradoxe Bezeichnung. Es war einmal ein Eichhörnchen, das tot am Boden lag. Ich fuhr vorbei und begutachtete den auf dem Rücken liegenden Kadaver. Es schien so intakt. Bei näherem Betrachten fiel allerdings auf, dass mit den Augen etwas nicht stimmte. Sie standen weit, weit, weit vor. Und warum standen die Augen so weit vor? Weil das Gehirn des Nagers durch die Augenhöhlen hinaus gepresst wurde und die Augen weit in den Himmel ragten. Mir war für den restlichen Tag mulmig. Betroffen blickte ich den ganzen Abend meine kleinen Meerscheinchen an, die mich an das Monster-Eichhörnchen erinnerten.

Meine Woche startete wieder mit einer kleinen Nüchtern-Rudertour in meiner Muckibude, gepaart mit ein paar gemütlichen Minuten auf meiner Black Roll, sowie etwas Mobilty und ein paar Minuten entspannendem Flow Yoga. Die letzte Woche vor Weihnachten hat begonnen. Ein kurzes Brainstorming was noch zu tun ist. Welchen Menschen könnte man noch eine kleine Überraschung bescheren oder zumindest ihnen sagen, dass es schön ist, dass es sie gibt? Es gibt so viele Menschen, die man schätzt und gerne hat, einfach weil man gerne mit ihnen zusammen ist. Und irgendwie geht es im Alltag meistens unter, dass man genau diesen Menschen sagt, dass man sie gerne hat.

Und auf meiner energiegeladenen Fahrt zur Arbeit kam ich wieder an Mister Eichhorn mit seinem „Erker-Gehirn“ vorbei. Ich sah ihn im Augenwinkel und sagte mir in einer Tour „Guck nicht hin, guck nicht hin, guck nicht hin…“ Und natürlich, wie soll es anders sein, habe ich hingeguckt. Wenigstens konnte ich keine Details erkennen. Armer Mister Eichhorn.

In diesem Sinne pass gut auf Dich und Dein Gehirn auf.


Donnerstag, 14. Dezember 2017

Liebes Tagebuch,

das Wetter ist irgendwie der Kracher. Es regnet, stürmt und schneit immer schön im Wechsel. Ich habe heute für einen kleinen Moment die Sonne gesehen. Gestern auch. Total abgefahren. Die Sonne! Ich kam mir vor wie im falschen Film. Für mich gehört es im Moment zum Leben dazu, dass irgendwas nass und kalt an mir ist. Naja gut, auf der Arbeit ist es meistens trocken, es sei denn man wird von einem Kunden angeniest. Aber auch dafür gibt’s ja was von Ratiopharm. Aber wenn ich nicht gerade auf der Arbeit bin muss ich draußen rum kriechen. Entweder um die Äppel, die mein dickes Pony produziert hat, von der Wiese zu kratzen oder weil ich mit dem Fahrrad unterwegs bin oder sogar laufe. Ich war gestern tatsächlich wieder Kilometer fressen. Ein paar zumindest. Für  meinen derzeitigen Zustand stolze 12,8 km. Es hat die ganze Zeit über geregnet und das nicht zu knapp. Während ich vor mich hin schlappte spürte ich wie mein altbekannter Laufmodus mit jedem weiteren Schritt wieder kam. Es wurde immer dunkler und ungemütlicher. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam ich zu Hause wieder an. Nass. Kalt. Und stolz. Auch wenn es nur knapp 13 km waren und sie sich angefühlt haben wie 30 km. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Manchmal habe ich wirklich das Gefühl bei 0 anzufangen, aber bei einer 0, die sich gut anfühlt. Ich freue mich über das im Moment brodelnde Feuer der Motivation in mir. Hoffentlich brennt es noch lange und wird von dem schlechten Wetter nicht aus ausgepustet.

Für heute steht keine Laufspezifik auf dem Plan. Heute gibt es nur Reiten, Misten und Crosstraining. Quasi nur schmutziges Training. Denn irgendwie finde ich Crosstraining schmutzig. Zwar ohne Dreck, aber trainingstechnisch schmutzig. Ich liebe es und kann mich davon trotz entfachter Laufliebe nicht trennen. Es ist kurzweiliger als Laufen. Abwechslungsreicher und ganzheitlicher. Es trainiert nicht nur stumpf die Effizienz der aeroben-, kardiovaskulären- und Kraftausdauer, sondern auch die Koordination, Geschicklichkeit, Maximalkraft, Beweglichkeit und Beschleunigung.


 Das soll jetzt hier kein Verkaufsgespräch oder gar ein Heiratsantrag werden. Man fühlt sich damit einfach komplett trainierter. Aber es macht einen auch teilweise ganz schön platt. Die einzelnen Bausteine sind krasser und anstrengender als einfach nur laufen. Aber sie sind auch schneller vorbei. Ich kann mir gerade nicht vorstellen mehrere Stunden einfach zu laufen. Die Marathon- oder gar die Ultramarathondistanz ist für mich eine absolut unvorstellbare Größe. Ob sich das wohl wieder ändert?!Mal sehen wozu das Feuer in mir noch fähig ist.

Damit das Feuer auch genug Energie zum Brennen hat gab es heute Mittag einen Haufen guter Nährstoffe. Salat mit Rosenkohl, Möhrchen, Pilzen, Gurke, einer Dose Heringsfilet in Tomatensauce und einem hart gekochten Osterei. So eine Dose Heringsfilet oder auch eine Dose Thunfisch liefert übrigens eine super Menge Omega 3 Fettsäuren. Und die sollten wir täglich verputzen. Der Tagesbedarf ist mit so einer Portion mehr als gedeckt. Die Omega 3 Fettsäuren kommen leider in unserer Ernährung oft zu kurz, was entzündungsfördernde Prozesse im Körper forciert. Also einfach am besten jeden Tag irgendwas mit Fisch futtern. Auch wenn die Empfehlung bei dreimal wöchentlich liegt. Ich würde jeden Tag etwas aus dem „Wasser“ essen. Und damit meine ich nicht die warm gemachte Weißwurst.

Als Nachtisch gab es dann auch noch was Schokolade. Die gute Dunkle, gepimpt mit Cranberrys und Quinoa. Was soll da bitte noch schief gehen?

In diesem Sinne geht’s gepimpt in den Abend. Gepimpt in das Crosstraining. Gepimpt ins Wochenende.

Ich wünsch Dir einen sowas von gepimpten Start ins Wochenende.


Montag, 11. Dezember 2017

Gewicht: 60,1 kg

Liebes Tagebuch,

es ist kaum zu glauben, also ich kann es kaum glauben, aber ich war gestern tatsächlich mal wieder in richtigen Laufschuhen laufen. Stolze 14,4 km bei ungemütlichem Schneesturm kamen dabei zustande. Nun gut, es war eher ein „Schneewindchen“,  nicht zu verwechseln mit Schneewittchen, aber Schneesturm klingt besser.

Ich habe das Gefühl, dass ich wieder da bin. Angekommen am Ufer der Läufer oder zumindest in Anlehnung an. Zu einem richtig taffen Läufer, der jede Woche Unmengen an Kilometern schrubbt, schaffe ich es zwar nicht, aber ich bin gewillt meine unteren Extremitäten wieder zu einem höheren Kilometerumfang zu verhelfen. Meinen gestrigen Lauf habe ich bestens verkraftet. Ich habe keinerlei Muskelkatererscheinungen. Es hätte mich nicht gewundert, wenn ich von den für mich eigentlich mageren Kilometern einen Kater zurück behalten hätte. Denn der Lauf an sich fühlte sich ganz schön schwerfällig an. Ich kenne das Gefühl des Laufens durch und durch. Eigentlich weiß ich, wie es sich anfühlt zu laufen. Doch mein derzeitiges Körpergefühl ist neu. Das Laufen ist neu. Ich setze mich in Bewegung und habe fast direkt das Gefühl in eine Sauerstoffschuld zu rutschen. Meine Beine kennen es nicht mehr einfach nur länger zu traben. Sie haben jetzt seit mehreren Monaten andere Dinge getan. Sie haben sich mit Squats und anderen Übungen beschäftigt. Mein Oberkörper hat zudem einen Muskeltonus, der einem zwar ein schön stabiles Gefühl beim Laufen verleiht, aber nicht ganz so laufeffizient ist. Die Muskeln sind schwer und fressen bei jedem Schritt zusätzlich Sauerstoff. Mein Schultergürtel, Trizeps und Bizeps sind ebenfalls kräftiger und gierig nach dem schmackhaften O². Es fühlt sich auf der einen Seite kraftvoll und gut an und auf der anderen Seite fühle ich mich wie ein Elefant. Meine Laufklamotten, insbesondere die Jacke, klemmt und ich sehe aus wie eine Lilapresswurst. Aber ich wollte es so. Und ich werde es auch noch weiter pflegen. Ich habe mir einen Plan gemacht. In diesem Plan habe ich mir wieder meine geliebten Laufeinheiten rein geschustert. Und ich habe mir sogar Wettkämpfe vorgenommen. Aber da meine letzten Monate irgendwie nicht nach Plan gelaufen sind, traue ich mich gerade noch nicht zu sagen, was ich konkret laufen möchte. Ich werde jetzt erst mal die nächsten zwei Wochen meinen Trainingsplan verfolgen und werde schauen, wie sich mein Körper mit den altbekannten Laufreizen so anstellt. Ich freue mich gerade so wahnsinnig darauf und hoffe, dass das noch lange so anhält. Denn gerade die Freude ist es, die uns voran treiben sollte.

Mein Plan ist durch und durch ein Kompromiss. Er ist weit von einem reinen Lauftraining entfernt. Das heißt mit anderen Worten, dass ich nicht die Effizienz erhalten werde, wie in meinen anderen Plänen. Ich werde meine Muskeln weiter mit ihren Kraftreizen versorgen und werde mein Crosstraining weiter verfolgen. Ich liebe es und daher muss ich mit Abstrichen in meiner Laufspezifik leben. Aber ich tue dies gerne, weil mir beides Freude macht.

Meine erste Nacht mit meinem neuen Trainingsplan war eine Katastrophe. Nach einem heftigen Schneegestöber folgte ein fruchtbarer Sturm. Ich lag wach im Bett und wälzte mich nervös hin und her. Ich kam einfach nicht in den Schlaf. Oh man, das würde eine müde erste Nüchterneinheit geben. Oder sollte ich vielleicht meinen so freudig geschmiedeten Plan einfach auf Grund des bösen Sturmes wieder verwerfen? Das hätte der Schweinehund wohl gerne. Ich ließ den Wecker scharf auf 6:00 Uhr und wühlte mich die Nacht weiter durch das Bett. Um 5:30 Uhr gingen auf einmal die Rollladen hoch. Ein kleiner Montagsmorgenspaß der Elektrik. Oder auch nur ein versehentliches Scharfmachen der Automatikfunktion. Die nicht vorhandene Nachtruhe war vorbei. Aber auch der Wind war vorbei. Und auch der Schnee war wie vom Erdboden verschluckt. Als wäre nichts gewesen. Scheinheiliges Wetter.

Ich blieb noch eine Weile liegen und rollte mich um kurz nach sechs aus dem Bett. Das Rudergerät und meine Blackroll warteten auf mich. Ich schlüpfte in mein Trainingsoutfit und schlich in den Keller. Ich hatte Lust auf Pick und ruderte mir die schlechte Nacht von der Seele. Nach einem schönen Warmup habe ich mich seit Ewigkeiten wieder einmal mit meinen Faszien beschäftigt. Zum Glück nicht weil ich irgendwelche Gebrechen generiert habe, sondern aus reiner Nächstenliebe meinen Strukturen gegenüber.

Neben der Blackroll habe ich mich mit diversen Mobilisierungsübungen befasst. Vor allem mit dem braven Hüftbeuger, der durch das viele Sitzen wahnsinnig an Länge einbüßt und dadurch zu vielen Problemen beiträgt. Zum Entspannen gab es dann noch ein kurzes Flow Yoga. Mir wurde fast schwarz vor Augen, weil ich schon so lange nicht mehr so tief geatmet hatte. Puh, hatte ich die letzten Monate überhaupt geatmet? Zufrieden ging es dann mit viel Sauerstoff und frisch geduschtem Körper an den Trog. Quark mit Kleie, Sesam, getrockneten Aprikosen, Kakaopulver, Eiweißpulver, Mandeln, Erdnussbutter, Lebertran, Nachtkerzenöl und einem Apfel. Natürlich auch lebenswichtiger Kaffee für die Belebung der vom Sturm total durcheinander gefegten Gehirnzellen.


Voll gestopft mit vielen guten Nährstoffen habe ich mir dann noch mein Mittagsmahl vorbereitet. Salat mit Rosenkohl, Ei, Lachs und ein paar anderen Rohkostbestandteilen. Dazu ein Joghurtdressing. Und da ich derzeit etwas mehr Futter ziehe, habe ich mir noch Körnigen Frischkäse, Clementinen, Eiweißpulver, ein paar Nüsse und Trockenobst auf der Arbeit deponiert. Denn für den heutigen Abend wartete noch das richtige Workout des Tages auf mich.

Ich bin nach einem halben Tag Trainingsplanabarbeitung noch hochgradig motiviert und meine Finger jucken gerade gar fürchterlich und werden wohl in den nächsten Minuten und Stunden diverse Wettkämpfe melden. Allein der Gedanke daran treibt mich mit einem altbekannten Gefühl des Verdauungstraktes zu einem Ort der Ruhe und Erleichterung.In diesem Sinne wünsche ich Dir eine schöne, neue Woche mit vielen motivierten Gedanken und Plänen.


Sonntag, 26. November 2017

Liebes Tagebuch, 

Facebook erinnert mich beinahe täglich mit diversen Laufbildern an meine aktive Laufkarriere. Diese Bilder sind wie ein überdimensionaler, psychischer Mückenstich. Es lässt die Lauftriebe in mir jucken. Ja, es juckt. Gerade ziemlich doll. Meine Gedanken schwirren nun, wie Schmeißfliegen um einen verwesenden Kadaver, um Läufe, Wettkämpfe und Ziele. Mein derzeitiges Trainingskonzept, das eher eine grundsätzliche Fitness anstrebt und eine gezielte Effizienzsteigerung vermeidet, will ich eigentlich nicht ablegen. Wenn ich allerdings schnell rennen will, dann muss ich laufspezifisch meine Effizienz trainieren. Da geht bzw. läuft kein Weg drum herum. Ich werde vielleicht einen Mittelweg finden.


Meinen jetzigen Plan werde ich erst mal weiter abarbeiten und dann werde ich vielleicht eine kurze gezielte Vorbereitung für den Silvesterlauf durchziehen. So fern ich mich dazu entschließe ihn zu laufen. Die Vorbereitungszeit wird dann zwar wohl nicht ausreichen, um eine vollständige Trainingsanpassung zu erzielen, aber was ist schon vollständig? Mein Körper wird sich beim Laufen von längeren Strecken wahrscheinlich eh recht herzlich für die angelegten Muskeln bedanken, da diese für das ökonomische Laufen ziemlich unnütz sind. Auch wenn es eine grundsätzliche Stabilität für den Körper darstellt, ist es in diesem Maße ein Hindernis, da der ganze Muskelkomplex schließlich mit Sauerstoff versorgt werden will. Aber ich muss gestehen, dass ich nicht gewillt bin diesen Zustand wieder zu verlieren. Mein körperlicher Zustand ist gerade wirklich gut. Subjektiv aus meinem Gehirn heraus bewertet. Zudem habe ich keinerlei Rückenschmerzen mehr, die ich von Februar an ziemlich lange mit mir rum geschleppt hatte. Klopf mächtig auf Holz. So, nun werde ich einen Trainingsplan schmieden, während sich mein Körper übrigens ziemlich verkatert von den unter anderem 2240 Squats diese Woche anfühlt. Ein gutes Gefühl. Auf geht’s! 


Mittwoch, 22. November 2017

Liebes Tagebuch,

es wird mal wieder Zeit ein paar Gedanken abzusondern. Es ist zwar nicht viel passiert, außer einem Umzug, aber ansonsten kann ich nicht viel berichten. Das Leben plätschert so vor sich hin. Aber nicht im negativen Sinne.

In unserer Zeitung hat ein schwer an Krebs erkrankter Mann eine Kolumne, in der er von seiner Behandlung und seiner Entwicklung berichtet. Er leidet an einer Form, die keine Heilungsprognose hat und sehr aggressiv ist. Ich verfolge seine Berichte immer regelmäßig. Mittlerweile geht es ihm sehr, sehr schlecht. Es ist eine furchtbare Vorstellung von der Chemotherapie so wahnsinnig zerstört zu sein und zu wissen, dass der einzige Weg raus, der Weg in den Tod ist. Ich bewundere seinen Kampfgeist und seine Texte zu tiefst. Ich bemühe mich ja bereits seit langem dankbar jeden Tag zu nutzen, aber so einfach ist das gar nicht. Tue ich wirklich alles, was ich gerne möchte? Wie oft tue ich Dinge nicht, weil ich Angst habe? Wie oft riskiere ich etwas? Ich glaube, dass auch ich oft in einer sicheren Komfortzone bleibe aus Angst hin zu fallen, Gegenwind zu bekommen, Kritik zu ernten. Aber worum geht es hier überhaupt? Es geht doch eigentlich nur darum herauszufinden was einem selbst Freude bereitet, Menschen zu finden, die man gerne hat, die man liebt, mit denen man Zeit verbringen möchte. Es geht doch darum den eigenen Lebensweg mit Freude zu gehen und den Menschen, denen man begegnet eine Inspiration für ein glückliches Leben zu sein. Wenn ich mir die vielen Menschen anschaue, die mir in meinem Alltag begegnen, dann stelle ich viel zu oft fest, dass das Gegenteil oft der Fall ist. Menschen ziehen sich gegenseitig runter, sind intrigant, boshaft, aggressiv, missmutig und pessimistisch. Sie sind Opfer, die Welt ist schlecht und alle wollen ihnen was. Die Menschen, die voller Lebensfreude sind und einen anstecken, einem ein Lachen ins Gesicht zaubern sind wahre Geschenke des Alltags. Ich hoffe, dass Dir heute viele dieser Geschenke über den Weg laufen und Du selbst für andere heute ein wandelndes Geschenk bist. Und morgen übrigens auch. Und übermorgen. Und Überübermorgen…


In diesem Sinne werde ich mich voller Energie in meinen Alltag, in mein Workout und in meine Ideen stürzen.

Bis dahin.


Donnerstag, 02. November 2017

Liebes Tagebuch,

trainingstechnisch befinde ich mich gerade im Umzug. Möbelschleppen, Kisten ein- und ausräumen, Dinge auf- und abbauen und Stück für Stück immer degeneriertere Fingernägel. Jeden Tag bricht mindestens ein Nagel ab und meine Hände sehen aus, wie die eines Bauarbeiters. Nur in rot lackiert. Meine Unterarme haben Schrammen und hier und da sind kleine, putzige Hämatome, weil Frau meinte sie müsste mit Werkzeug rummachen. Leider kommt an dieser Stelle der Kilometerumfang etwas knapp, so dass mein Bahnmarathon im Dezember wahrscheinlich nur ein langer Lauf wird. Vielleicht schaffe ich ja auch so einen Marathon. Mein Körper wird entscheiden. Ich werde ihn zumindest nicht zu 105,5 Runden zwingen, wenn er dazu nicht in der Lage ist. Oder ist es der Kopf, der dazu nicht Lage ist?

„Distanz entsteht im Kopf“ heißt es doch so schön. Wobei meine Füße und Beine da anderer Meinung sind. Und die oftmals generierten Blasen sind keinesfalls ein erfundenes Konstrukt meiner durch geknallten Gehirnzellen, sondern ekelige und oft sogar blutige Realität. Aber, das sind nur lächerliche Peanuts und keine Probleme. Ich freue mich auf ein paar Runden in Warendorf und auf viele nette Menschen. Bis dahin werde ich weiter meine Fingernägel massakrieren und Kartons schleppen. Und bald hab ich dann auch eine neue „Folterkammer“, auf die mich besonders freue.

Heute war ich neben schrauben und bauen tatsächlich auch endlich mal wieder eine Runde laufen. Allerdings wieder nur in Leguanos. Ich hatte mir erst vorgenommen schön früh und nüchtern, vor dem Frühstück einen langen Lauf zu machen. So wie gefühlte 1000-mal in meiner Marathon Vorbereitung. Und was war? Nix. Mir scheint fast, dass mein Körper, inklusive Schweinehund, einmal komplett ausgetauscht wurde. Ich bekomme meinen Gluteus schlicht und ergreifend morgens vor dem Frühstück nicht hoch. Keine Chance. Aber was soll’s? Ich fühle mich derzeit sehr wohl mit meinem Trainingspensum und habe keinerlei Entzugserscheinungen. Nach meinem Läufchen gab es dann heute noch eines meiner 100er Workouts.

Irgendwie habe ich da gerade eine abartige Neigung Übungsreihen immer mit 100 Wiederholungen abzuarbeiten. So z.B. 100 Liegestützen dann 100 Sit Ups dann 100 Squats usw. Bis ich halt gar bin. Gar wie mein Rosenkohl mit Lachs, Feta und Salat. Ich liebe es mir mein Essen zu verdienen. In diesem Sinne, guten Hunger, fröhliches Trainieren und einen guten Start ins Wochenende.


Dienstag, 19. September 2017

Liebes Tagebuch,

wie geht’s Dir altes, zerzaustes Büchlein? Hattest Du eine schöne Zeit? Ich hoffe es. Die Zeit vergeht ja immer wie im Flug und so ist mal wieder eine Portion Lebenszeit ins Land gegangen. Was hast Du in der Zwischenzeit an Dingen geändert oder auch nicht geändert? Hast Du viele fröhliche Momente gehabt? Oder hattest Du eine dieser Lebensphasen, die einen nerven und auf die man irgendwie verzichten kann? Ich habe mich in der Zwischenzeit ein Stück weit entschleunigt. Ich habe angefangen hin und wieder zu Fuß zur Arbeit zu gehen. Nicht etwa weil ich den Führerschein weg habe oder gar einen Platten am Fahrrad habe, sondern einfach weil ich die Ruhe und die langsame Fortbewegung in der Natur genieße. Selbst im Regen und Sturm habe ich letzte Woche meine kleine Wanderung genossen.

Mein Weg zur Arbeit kostet mich so zwar dreimal so viel Zeit, aber der Weg ist an dieser Stelle das Ziel und es stört mich nicht, dass ich für eine so kurze Distanz eine Dreiviertelstunde benötige. Ich sehe es viel mehr als Privileg, das ich so nah an meiner Arbeit wohne und zu Fuß hin gehen kann. Wie viele Menschen müssen täglich Stunden im Auto verbringen, um zu ihrer Arbeit zu gelangen.

Und ich kann spazieren. Wie eine Oma. Aber nun gut, so fern Du jetzt denkst, dass ich anscheinend mein Leben im Bereich der Langeweile weiter ausgebaut habe und nur noch Rentneraktivitäten absolviere, muss ich Dich korrigieren. Ich trainiere meinen 1,65 m großen Körper noch immer mit gemeinen und unbequemen Workouts bis meine Schweißdrüsen bluten und ich wimmernd auf der Matte liege. Dies sind die Momente in denen ich nicht vor lauter Dankbarkeit zerspringe. Aber kurz danach wenn sich mein Puls wieder beruhigt, die Muskulatur weich wie reife Mangos wird und sich ein wohlig warmes Gefühl in meinem Körper ausbreitet. Genau dann ist der Moment meiner Dankbarkeit gekommen. Dies wird dann noch mal gesteigert, wenn ich friedlich vor meinem Essen sitze und meine Speicheldrüsen ihren Job starten und ich bemüht bin nicht die Tischdecke einzuspeicheln.

Was mein Essen angeht habe ich die letzten Monate immer weiter gelernt und recherchiert. Ich habe verschiede Ansätze ausprobiert und habe nicht aufgehört meinen Horizont zum Thema Ernährung zu erweitern. Gemäß dem Motto „man lernt nie aus“. Schlauer fühle ich mich nun allerdings nicht. Im Gegenteil. Der Mensch ist ein grandioser Anpassungskünstler und vermag sich an die skurrilsten Ernährungsgewohnheiten anzupassen. Er holt sich was er braucht, auch wenn wir ihn mit Fast Food an seine Grenzen treiben.


Wenn man als Ausgleich zu einer schlechten Ernährung Sport treibt, dann vermag man auch einen gewissen Schaden zu begrenzen. Wie das Essen zusammen gesetzt sein sollte, damit man den größtmöglichen Nutzen hat, kann man pauschal nicht sagen. Zu groß sind die individuellen Unterschiede. Die Zauberformel scheint es wohl nicht zu geben. Wie im restlichen Leben gilt auch hier, wenn man sich mit seinem Futter wohl fühlt und das Gefühl hat es macht einen schneller, agiler und glücklicher, sollte man es essen. „Wer heilt hat recht“.

Die Ernährung ist ein nicht zu unterschätzendes Mosaikteilchen in unserer Gesundheit, aber bei weitem nicht alles. Es gibt vieles zu beachten wenn man glücklich und gesund durch sein Leben schlappen, rennen oder gar hüpfen möchte. Das Allerwichtigste mag dabei die tägliche Portion Dankbarkeit, Liebe und Freude sein. Auf meinem Heimweg aus meinem Urlaub stand ich in einer Vollsperrung auf der Autobahn. Wie alle anderen wollte ich nach Hause. Alle hatten sich von irgendwo auf diesem Planeten auf den Weg nach irgendwo anders gemacht. Und nun standen wir fest. Es rührte sich nichts mehr. Im Rückspiegel sah ich wie sich die Polizei durch die Rettungsgasse zwängte. Sie näherte sich und als sie fast bei mir war, sah ich dass sie noch ein weiteres Auto im Schlepptau hatte. Einen Leichenwagen. Ein kalter Schauer durchfuhr jedes einzelne Gefäß in meinem Körper. Dass es sich bei dem Stau und der Vollsperrung um das Resultat eines Unfalls handelte, war mir klar, aber dass hier ein Mensch sein Ziel nicht erreichen würde und dass für eine Familie gerade eine Welt zusammen bricht, war mir in dieser Konsequenz nicht bewusst. Ich saß noch lange leicht apathisch im Auto und fühlte mich traurig und betroffen.

Nach einer langen Zeit des Wartens ging es irgendwann weiter. Der Stau löste sich auf und das Einzige was übrig blieb war eine grüne Zeichnung auf dem Asphalt, sowie eine deutlich zu erkennende Blutlache. Ich fühlte mich mal wieder wach gerüttelt. Das Leben ist nicht selbstverständlich. Und es ist limitiert. Zum Glück weiß man nicht wann es zu Ende ist.

Daher sollte man sich jeden Tag aufs neue Fragen, was einen glücklich macht und wie man seine begrenzte Zeit verbringen möchte. Ich habe mich in der letzten Zeit versucht von Druck und Zeiträubern unserer modernen Zeit zu befreien und meine Zeit, die ich habe bestmöglich zu nutzen. Aber die Dankbarkeit über ein gesundes Leben wird früher oder später vom Alltagstrott wieder eingeholt und man vergisst die Achtsamkeit wieder. Aber nicht mit mir, meine liebe Routine, ich werde jeden Tag kämpfen das Gefühl der Dankbarke zu empfinden und es versuchen an meine Umwelt weiter zu geben. So, und nun ein paar Updates zu meinen unteren Extremitäten. Ich habe wieder begonnen zu laufen. Bisher ausschließlich in Leguanos. Meine Gedanken haben sich sogar schon wieder mit dem Laufen von Wettkämpfen auseinander gesetzt. Über welche Wege und Strecken meine Füße mich als nächstes tragen werden, weiß ich noch nicht, aber es wird nicht nur der Weg zur Arbeit sein. Irgendwo werden wir uns wieder sehen.


Mittwoch, 16. August 2017

Gewicht: Ungewiss

Liebes Tagebuch,

ich melde mich zurück aus einer kleinen Internetabstinenz. Tagebuch habe ich die letzten Wochen tatsächlich weiter geschrieben, aber mit Stift und Papier. So richtig Retro. Und ich mag es. Ich habe mich nun seit mehreren Monaten läuferisch nicht mehr bewegt. Keinen Schritt. Und ich fühle mich wohl. Ich habe derzeit keinerlei Zwänge.

Ich trainiere meinen Körper hier und da und beschäftige mich natürlich weiter mit meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Futter und den Wirkungen auf unseren Körper. Man lernt ja schließlich nie aus und sollte offen sein für neue Strategien. Und wenn man Lust hat auf keine Strategien und einfach mal leben und genießen will, dann ist das auch genau richtig. Denn Leben ist kein Zustand von permanenter Kontrolle und Sinnhaftigkeit. Leben muss auch einfach mal instinktiv stattfinden.Vergangenes Wochenende war ich dann seit langem wieder auf einem Seminar. Lernen, Input und so. „Und so“ meint an dieser Stelle knallharte Workouts im Crosstraining. Ich dachte bisher, dass ich weiß wie man sich quält und sich an die physische Leistungsgrenze treibt. Ich dachte, ich weiß was weh tut. Aber scheinbar wusste ich es nicht. Mein Horizont wurde in dieser Hinsicht ein Stück erweitert und viele meiner Muskelfasern wurden erheblich zerstört an diesem Wochenende. Ich denke nicht, dass ich diesen harten Drill bis aufs aufs Blut weiter in meinem Leben praktizieren werde. Vielleicht in Ansätzen. Ein kleines Bisschen werde ich aber mit meinem Hintern in der pinkfarbenen Komfortzone bleiben und meinem Einhorn dabei zuschauen, wie es Sternenstaub frisst.

Bei der Ausbildung zum Crosstraining hatte ich eine interessante Einschätzung des Dozenten hinsichtlich meiner Beine oder wie er sie liebevoll nannte „Monstermuskelbeine“. Er war der Ansicht, dass meine Beine auffällig überproportional trainiert seien und jetzt kommt der Witz „nicht in der Lage seien einen Marathon zu laufen und eher Sprinterbeine seien.“ Dies erinnerte mich an die dicke Hummel, die laut theoretischer Berechnung eigentlich gar nicht in der Lage ist zu fliegen. Ein Glück, dass meine Beine und die Hummel dies nicht wussten.

Mit einer Ausbildung im Crosstraining reicher geht es nun gedanklich in meine weitere Lebensplanung. Klingt dramatisch, ist es aber nicht. Ich denke, dass ich mir demnächst mal wieder einen Trainingsplan um die Ohren haue. Und dann werde ich meine Monsterbeinmuskeln reanimieren und auch wieder laufen. Wohin mich meine Beine tragen werden, weiß ich noch nicht. Das wird mein Instinkt entscheiden.



Freitag, 7 Juli 2017

Liebes Tagebuch,

ich befinde mich derzeit in einem Zustand des Trainingsvakuums. Zeiten und Leistungen sind mir gerade vollkommen Wurst. Ich bewege mich jeden Tag nach Lust und Laune. Seit fast zwei Wochen habe ich keinen Schritt mehr gemacht. Zumindest keinen mit Flugphase. Stattdessen habe ich viele Kniebeugen gemacht, unzählige Liegestützen und viele, viele Klimmzüge. Aber selbst diese Dinge mache ich nicht mit einem Leistungsgedanken. Mich interessiert es gerade nicht wie viele Liegestützen ich schaffe. Ich tue derzeit Dinge, um ein angenehmes Gefühl in meinem Körper zu erreichen. Ich habe gerade aufgehört Bestzeiten oder anderen Sachen hinter her zu rennen.


 Ich kann mir durch aus vorstellen, dass ich mir wieder irgendwann ein Ziel suche und dann dafür arbeite, aber jetzt will ich einfach mal „gehen lassen“, mich in die Hängematte klatschen wenn ich Zeit dazu habe und mich fragen welche Sachen und Menschen in meinem Leben wichtig sind. Wer gibt einem Energie und was raubt einem Energie? Auch das Essen gehört zu den Dingen, das ich derzeit aus einem umfangreicheren Blickwinkel betrachte. Ich sehe es nicht nur als Anhäufung von Energie bzw. Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten, sondern als komplexen Input, der auch hormonell weitreichende Auswirkungen auf unseren Körper hat. Das Essen kann so viel bewirken in unserem Körper. Jeden Tag nur Fast Food zu schreddern ist eine gnadenlose Verschwendung. Da geht noch mehr.

Ich freue mich über den neuen Input in meinem Kopf, über neue sportliche Ausbildungen, die im August auf mich warten und über die vielen kleinen Geschenke des Alltags. Von lustigen Entenparaden im Park bis hin zu einem lauen Sommerabend mit Grillengezirpe und einem lieblichen Glas Mädchenrotwein. In diesem Sinne, das Leben ist zu kurz, um immer nur zu „ballern“. Wir müssen öfters mal durchatmen und loslassen.


Montag, 19. Juni 2017

Liebes Tagebuch,

es sind ein paar Wochen seit meinem letzten Eintrag vergangen. Der Marathon fühlt sich nun nur noch an wie eine Geschichte, die ich irgendwann mal erlebt habe. Eine schöne Geschichte mit Happy End. Meine Lauffreude und Wettkampfbereitschaft hält sich noch immer in Grenzen. Aber dies genieße ich. Zum Glück hat sich die letzten Tage ein wunderschönes Sommerwetter eingestellt. Die besten Voraussetzungen für ausgiebige Momente in meiner Hängematte.

Am vergangenen Wochenende wurde mir dieses schöne Wetter leider zum Verhängnis. Ich schlappte durch den Rasen zu meiner Hängematte und latschte dabei in eine Biene, die gerade dabei war unseren Klee zu melken. Der Stachel blieb in meinem Vorfuß hängen und entfachte im „Fußumdrehen“ fürchterliche Schmerzen. Ich rupfte den Stachel aus meinem Treter und lag betäubt vor Schmerzen regungslos in meiner Matte. Einen Bienenstich hatte ich in meinem bisherigen Erdendasein noch nicht getestet. Ob ich wohl nun einen anaphylaktischen Schock bekommen würde? Zum Glück geschah außer einem zerreißenden Schmerz nichts.



Zumindest für den Moment. Eine Nacht später sah die ganze Sache etwas anders aus. Trotz Betaisodona und Kortison war mein Fuß über Nacht zu einem prallen Monster mutiert. Die kleinen Zehen waren geschwollene Würste, die kurz vorm Platzen waren. Zwei Tage hielt sich dieses Format wacker. Nach vielen Rivanolbädern reduzierte sich das Volumen meines Fußes unter dem schrecklichsten Juckreiz, den ich je in meinem Leben hatte. Mittlerweile ist der Fuß so gut wie normal. Die Zehen sind noch etwas wurstig. Die Attraktivität meiner ohnehin nur mittelhübschen Füße hat sich weiter reduziert, da meine Fußnägel auf Grund der gelben Rivanolbäder nun gelb/braun sind. Aber bis auf diesen kleinen Wohlbefindlichkeitszwischenfall genieße ich derweil die zwanglose Betätigung in der Natur und den Konsum von reichlich gutem und natürlich stets artgerechtem Futter. Bei meinen „Hängematten Orgien“ habe ich viel nach gedacht. Beim Betrachten der Kondensstreifen der Flugzeuge, die wie eine Signatur der Erholung, Entspannung und Ferne den blauen Himmel verzieren, fühlte ich auch eine gewisse Sehnsucht. Einen Wunsch nach Abstand zu meinem Alltag. Ich würde gerne in die Natur. Zurück zu den Basics. Weg von dem komplizierten Leben als moderner Homo Sapiens. Sich an den einfachen Dingen erfreuen. Einfach mal Abschalten. Ich glaub, daran werde ich die nächsten Wochen arbeiten.


Mittwoch, 24. Mai 2017

Liebes Tagebuch,

es ist vollbracht. Meine zwischenzeitlich kaum enden wollende Vorbereitung ist Geschichte. Ich habe die letzten Monate oft das Gefühl gehabt, dass ich schon immer für diesen Marathon trainiert habe und noch nie etwas anderes getan habe.

Die letzten zwei Wochen hatte meine Vorbereitung dann einen gravierenden Einbruch. Ich wollte nicht mehr. Ich hatte keine Lust mehr zu laufen. Meine Trainingsreduktion zwecks Regeneration fiel somit ziemlich krass aus. Allerdings nur was die Lauferei anging. Ich machte selbst einen Tag vor dem Marathon noch Workouts, weil ich schlicht und ergreifend Lust dazu hatte. Ich hatte einen Zustand der absoluten Trainingsanarchie erreicht.